VG-Wort Pixel

Hinrichtung in den USA verschoben Kindermörder will Organe spenden


Ein Todeskandidat ist in letzter Minute seiner Hinrichtung entgangen, weil er Herz und Niere spenden will. Ob er die Organe spenden darf, muss nun die Regierung in Ohio klären.
Von Viktoria Meinholz

Vor 20 Jahren vergewaltigte und ermordete Ronald Phillips die dreijährige Tochter seiner damaligen Freundin. Der heute 40-Jährige wurde vom Staate Ohio zum Tode verurteilt und wartet seitdem auf die Vollstreckung des Urteils.

Am 14. November 2013 sollte es soweit sein. Doch keine 24 Stunden vorher - Phillips hatte angeblich bereits seine letzte Mahlzeit, eine Champignon-Pizza mit extra Käse, bestellt - wurde die Hinrichtung abgesagt. Phillips hatte darum gebeten, seiner Mutter und seiner Schwester Organe zu spenden.

Sein Fall löste in den USA eine grundsätzliche Diskussion über die Organspende von Todeskandidaten aus. Die rechtliche Situation scheint unklar, die Entscheidung zu Ronald Phillips könnte zum Präzedenzfall werden. Anders als in China, wo die Hälfte aller Organspenden von hingerichteten Häftlingen stammt, gab es in den USA bisher nur vereinzelte Spenden von Todeskandidaten.

Die Regierung des Bundesstaats Ohio hat die Hinrichtung von Ronald Phillips erst einmal auf den 2. Juli 2014 verschoben und will den Antrag nun prüfen. Man benötige Zeit um zu entscheiden, ob Phillips vor seiner Exekution "nicht-lebensnotwendige" Organe wie eine Niere an seine schwerkranke Mutter spenden dürfe. "Mir ist bewusst, dass wir uns damit in Ohio auf unbekanntes Territorium wagen", erklärte Gouverneur John Kasich. "Aber wenn ein Leben durch seine Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende gerettet werden kann, sollten wir das auch zulassen."

Todeskandidaten als menschliche Ersatzteillager?

Erst nachdem ein letztes Gnadengesuch von Senator Kasich abgelehnt wurde, äußerte Phillips den Wunsch seine Organe zu spenden. Sein Anwalt streitet aber ab, dass sein Klient Zeit gewinnen wollte. In den letzten Stunden seines Lebens wolle er einfach etwas Gutes tun.

Längst ist in den USA eine Debatte darüber entbrannt, ob Todeskandidaten eine Organspende erlaubt werden sollte oder nicht. Gegner sehen die Gefahr, dass zum Tode Verurteilte zu menschlichen Ersatzteillagern werden könnten. Trotz des Notstandes bei Organspenden scheint niemand die Idee von Spenden aus dem Todestrakt zu befürworten. Eine Sprecherin des "United Network for Organ Sharing" bezeichnete die Idee gegenüber der britischen "Daily Mail" sogar als moralisch verwerflich. Es sei schwer festzustellen, ob Todeskandidaten ihre Spende wirklich aus freien Stücken wünschten und nicht auf ihren persönlichen Vorteil bedacht wären. Sie könnten durch die selbstlose Tat auf Gnade hoffen.

Laut seinem Anwalt würde Phillips neben der Niere für seine Mutter auch gerne sein Herz an seine Schwester spenden, die an einer Herzkrankheit leidet. Zu diesem Wunsch hat sich der Gouverneur nicht geäußert. Von offizieller Seite wird bisher nur über die Entfernung nicht-lebenswichtiger Organe vor der Hinrichtung gesprochen.

Mögliche Empfänger der Organe haben sich bisher nicht zu Wort gemeldet. Würden sie lieber weiter auf ein anderes Organ warten, oder würden sie ihr Leben durch das Herz eines Kindermörders retten wollen?

mit AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker