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Hintergrund: Die Hinweise auf den Tod eines Papstes

Eine verschlossene Tür. Fensterläden. Glockengeläut und Trauermusik: Dies können Hinweise auf den Tod eines Papstes sein.

Das traditionellste und aussagekräftigste Zeichen war das Läuten der Glocken im Vatikan, in das die anderen Kirchen Roms einstimmen sollen. Aber auch ein Schließen der Bronzetür am Petersdom kann beredt sein. Sie wird geschlossen, wenn der Papst stirbt, und sie bleibt es bis zur Wahl des Nachfolgers.

Doch im Jahr 1978, als zwei Päpste schnell hintereinander starben, wurde diese Tradition ignoriert. Normalerweise wird die Tür jeden Abend um acht Uhr zugemacht und am Morgen wieder geöffnet. Sie kann daher nicht eine nächtliche Todesbotschaft übermitteln. Kenner des Vatikans unterstreichen zudem, dass nicht ganz klar sei, ob die Tür vor oder nach der offiziellen Verkündigung des Ablebens geschlossen wird.

Beobachter halten in diesen Stunden ein wachsames Auge auf die beiden Fensterläden der Privatwohnung von Johannes Paul II. im dritten Stock, die auf den Petersplatz hinausgehen. Einige meinen, dass deren Schließen das erste konkrete Zeichen eines Ablebens wäre. Nach der Tradition müsste der päpstliche Vikar Roms, Kardinal Camillo Ruini, die Todesnachricht den Einwohnern der Stadt übermitteln. Der Vatikan dürfte aber mit Sicherheit die Öffentlichkeit bereits zuvor informieren: Entweder spielt Radio Vatikan Trauermusik oder Papst-Sprecher Joaquin Navarro-Valls teilt die Nachricht mit.

Kardinalkämmerer stellt Tod fest

Formal schreibt die vatikanische Tradition folgendes Prozedere vor: Wenn ein Papst stirbt, informiert der Präfekt des päpstlichen Haushalts, derzeit der amerikanische Erzbischof James Harvey, den Kardinalkämmerer (Camerlengo), derzeit ist das der Spanier Eduardo Martinez Somalo. Dieser muss den Tod des Papstes feststellen, früher geschah dies symbolisch, indem er mit einem silbernen Hämmerchen gegen die Stirn klopfte. Der Camerlengo unterrichtet dann den Vikar von Rom, der die Todesnachricht an die Einwohner der Stadt weitergibt. Der Präfekt des päpstlichen Haushalts setzt den Kardinaldekan in Kenntnis, das ist zur Zeit Joseph Ratzinger. Dieser informiert die anderen Kardinäle, die am Vatikan akkreditierten Botschafter und die Staatschefs in aller Welt.

William Kole, AP / AP
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