Hochzeit Ansturm auf Schnapszahl-Datum


Am 5.5. legen viele Standesämter Sonderschichten ein. Doch Vorsicht: Das Datum kann man sich zwar leicht merken, dafür aber die Ehe oft umso schneller wieder vergessen.

Hochzeitsmarathon im Wonnemonat: Standesämter wollen in vielen deutschen Städten vergesslichen Brautleuten entgegen kommen - an diesem Donnerstag und 15 Tage später noch einmal. Denn die Nachfrage nach Trauterminen am 05.05.05 und am 20.05.2005 ist groß - Daten, die sich jeder leicht merken kann. Doch eine Umfrage ergab, dass es den Schnapszahlen-Fans nicht gemacht leicht gemacht wird. Weil der 5. Mai auf den Feiertag Christi Himmelfahrt fällt, stehen Liebende mancherorts vor verschlossenen Türen.

"Schnapszahl hin oder her, die Trauzimmer bleiben geschlossen", heißt es zum Beispiel in vielen Hamburger Standesämtern. Und auch in Stralsund, Darmstadt, Stuttgart und Bad Kreuznach zeigen sich die Beamten rigoros: "Man muss ja nicht bei jedem Trend mitmachen", sagt ein Beamter aus Bad Kreuznach. In München und Düsseldorf öffnen die Standesämter wegen zu geringen Interesses nicht. "Vielleicht ist dieser Tag nicht so beliebt, weil die Bräute an dem Feiertag nicht zum Friseur gehen können", mutmaßt der Leiter des Düsseldorfer Standesamtes, Klaus Bachtenkirch.

Der Bürgermeister hilft aus

Woanders ist die Bereitschaft größer, Brautleute feiertags in den Hafen der Ehe zu lotsen. In Mönchengladbach werden wegen der großen Nachfrage zwei Beamte am Himmelfahrtstag Trauungen vornehmen, damit sie auch bei der letzten Eheschließung "noch Spucke, Stimme und Liebe in den Augen haben", sagt Stadtsprecherin Sabine Förster. In Duisburg hilft der Oberbürgermeister bei den Trauungen aus. Und in Magdeburg ist das Standesamt sieben Stunden länger als üblich geöffnet.

In Mainz konnten sich die Standesbeamten den drängenden Bitten der heiratswilligen Fans des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 nicht verschließen und öffnen am Feiertag. Im Leuchtturm von Pilsum (Kreis Aurich), der durch die Filme des ostfriesischen Komikers Otto bekannt wurde, sind Trauungen ebenfalls möglich. Im Rathaus von Wetzlar in Hessen können sogar ganz Kurzentschlossene ihr Glück versuchen. "Das können wir so machen wie in Las Vegas", sagt Stadtsprecherin Barbara Bayani. Auch im brandenburgischen Cottbus sind noch Plätze frei.

Höheres Trennungsrisiko

Für manche Paare mag es aber auch Vorteile haben, dass ihr Standesamt am 5.5. geschlossen hat. Denn wer an einem Schnapszahl-Datum heiratet, hat ein weitaus größeres Trennungsrisiko als andere. "Solche Ehen werden nach unseren Erhebungen wesentlich schneller geschieden", sagt der Vorsitzende des Fachverbandes Saarländischer Standesbeamter, Wolfgang Jung. So existiere beispielsweise von 16 Ehen, die am 8.8.88 im saarländischen Neunkirchen geschlossen worden seien, heute nur noch eine. Und von 24 Paaren, die am 9.9.99 dort geheiratet hätten, seien acht wieder geschieden, zwei davon in den vergangenen zwölf Monaten.

"Die hohe Scheidungsquote bei den Schnapszahl-Ehen rührt wahrscheinlich daher, dass die Event-Hascherei im Vordergrund steht", sagt Jung. "Die Paare sollten sinnvoller ihre Energie auf den Bestand der Ehe richten." Bundesweit werden laut Jung etwa ein Drittel, in Großstädten rund die Hälfte aller Ehen geschieden.

Weitaus begehrter als der 5. war vielerorts der 20.05.2005. Die Münchner öffnen dann länger, damit die Trauungen nicht so gedrängt sind. "Die Menschen sollen nicht den Eindruck gewinnen, wir fertigen sie wie am Fließband ab", heißt es. Auch in Hannover, Würzburg und Jena schieben die Beamten am 20. Mai Sonderschichten.

DPA DPA

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