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Holocaust-Affäre: Pius-Brüder entmachten Williamson

Die ultra-konservative Pius-Bruderschaft hat dem Holocaust-Leugner Richard Williamson die Leitung des Priesterseminars entzogen. Der umstrittene Bischof ist abgetaucht und lehnt es weiterhin ab, seine Aussagen zurückzunehmen.

Der Holocaust-Leugner Richard Williamson ist von seinem Posten als Leiter eines Priesterseminars in der Nähe der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires entbunden worden. Auf der offiziellen französischen Dokumentationsseite der Pius-Bruderschaft im Internet heißt es, dass Williamson bereits am 31. Januar die Entscheidung des Generaloberen akzeptiert habe, ihn von seinem Amt als Direktor des Seminars abzulösen.

Williamson offenbar abgetaucht

Die Rücknahme der Exkommunikation von Williamson durch Papst Benedikt XVI. hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Williamson leitet seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich von Buenos Aires. Dort war er während der Messe am Sonntag wie schon in den Tagen zuvor weder zu sehen noch zu sprechen. Andere Priester verweigerten jede Aussage zu seinem Aufenthalt und jeden Kommentar zu Williamsons Leugnung der Ermordung von sechs Millionen Juden während der Nazi-Diktatur. Dies sei dessen "Privatsache", hieß es gleichlautend. Ein Gläubiger verglich Williamson gar mit dem italienischen Wissenschaftler Galileo Galilei, der vom Vatikan gezwungen worden war, zu widerrufen, dass die Erde eine Kugel sei und sich um die Sonne drehe.

Williamson lehnt weiter ab, die Leugnung des Holocausts zu widerrufen - obwohl Papst Benedikt XVI. das von ihm fordert. "Er sei weder tot, noch liege er im Sterben oder sei in den Ruhestand getreten", schrieb der 68-Jährige in seinem Internetblog Dinoscopus über sich selbst in dritter Person.

Merkel telefonierte mit dem Papst

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Papst hatten bei einem Telefongespräch die jüngsten Verstimmungen in der Affäre um Williamson offenbar ausgeräumt. "Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Shoah für die Menschheit", teilten Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Bischof leugnet Gaskammern

Williamson begründete in einem schriftlich geführten "Spiegel"-Interview seine Verweigerung des vom Papst geforderten Widerrufs damit, er wolle zunächst die historischen Beweise für millionenfachen Mord an den Juden prüfen. "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", sagte Williamson. Er war vor Kurzem mit drei anderen exkommunizierten Bischöfen der erzkonservativen Pius-Bruderschaft durch den Papst wieder in die Kirche aufgenommen worden. Nach Darstellung des Vatikans hat der Pontifex von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst.

In einem TV-Interview hatte der Brite gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern.

TV-Interview darf verbreitet werden

Unterdessen ist Williamson mit dem Versuch gescheitert, die weltweite Ausstrahlung seines umstrittenen Interviews mit dem schwedischen TV-Sender Sveriges Television AB zu stoppen. Einen entsprechenden Eilantrag habe das Landgericht Nürnberg-Fürth abgelehnt, teilte ein Gerichtssprecher am Montag mit. Auch Williamsons Forderung, die entsprechende Filmsequenz von der Homepage des Senders zu nehmen, wies das Gericht ab.

Williamson hatte nach Angaben des Gerichtssprechers vom Montag dem Fernsehsender die Ausstrahlung des mit ihm geführten Interviews außerhalb Schwedens untersagen wollen, weil er bei der Vorbereitung nicht darüber informiert worden sei, dass das Interview im Internet veröffentlicht oder über andere Medien in- oder außerhalb Schwedens der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden würde. Das Landgericht Nürnberg war wegen des Interview-Orts Zaitzkofen, das zu seinem Zuständigkeitsbereich gehört, angerufen worden.

Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine Austrittswelle empörter deutscher Katholiken. "Spiegel"-online verwies auf Angaben von Standesämtern und Amtsgerichten in deutschen Städten über sprunghaft gestiegene Austritte. Unterdessen mehrten sich Stimmen innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche, die einen Ausschluss von Williamson forderten.

Bruderschaft ruft zu Solidarität auf

Unterdessen hat die Pius-Bruderschaft einen Internet-Aufruf gestartet, mit dem sie dem Vatikan den Rücken stärken will. Als "Aufruf einfacher und treuer Katholiken" bezeichnet die Priesterbruderschaft ihre Unterschriftenliste, mit der Papst Benedikt XVI. im Streit um vier teilweise rehabilitierte Bischöfe "in seiner mutigen Geste" unterstützt werden soll. Bis Montagmittag hatten laut Website der Bruderschaft weltweit mehr als 34.000 Menschen den Online-Brief unterzeichnet.

Der Solidaritätsaufruf, der am Sonntagabend ins Netz gestellt wurde, bezieht sich auf eine stürmische Zeit, "in der "das Wasser an allen Seiten ins Boot eingedrungen ist". Dem Papst solle vor allem "unsere große Dankbarkeit" ausgedrückt werden. Mit Verweis auf die starke Kritik in der Affäre um Holocaust-Leugner Williamson heißt es zudem an Papst Benedikt gerichtet: "Wenn Ihnen diese historische Geste auch den Widerspruch feindlich gesinnter Medien einbringt, die es vermeiden, die Themen zu unterscheiden, so erfüllt sie uns doch mit großer Freude und Hoffnung."

DPA/AP / AP / DPA