HOME

Holocaust-Leugnung: Papst Benedikt redet Klartext

Es ist die deutlichste Stellungnahme des Papstes zum Fall des Holocaust-Leugners Richard Williamson: Vor einer jüdischen Delegation machte Benedikt XVI. klar, dass das Negieren der Judenvernichtung untragbar sei - vor allem für Geistliche. Derweil machten Willamsons Pius-Brüder wieder auf sich aufmerksam und fürchten den Untergang der katholischen Kirche in Deutschland.

Papst Benedikt XVI. hat sich von neuem strikt gegen jede Leugnung des Holocaust gewandt und sie als untragbar und inakzeptabel bezeichnet. Das gelte insbesondere dann, wenn der millionenfache Mord der Nazis an den Juden von Geistlichen bestritten oder in seinen Ausmaßen kleingeredet werde, sagte der Pontifex beim Besuch einer Gruppe von 60 Vertretern führender jüdischer Organisationen in den USA.

"Der Hass und die Verachtung für Menschen, Frauen und Kinder, wie sie der Holocaust deutlich gemacht hat, waren ein Verbrechen gegen Gott und gegen die Menschheit. Das sollte allen klar sein, insbesondere denen, die in der Tradition der Heiligen Schrift stehen", betonte der Papst. "Dieses fürchterliche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten." Benedikt XVI. hatte den britischen Geistlichen Richard Williamson und drei weitere Bischöfe der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft im Januar teilweise rehabilitiert. Das hatte weltweite Proteste ausgelöst, weil Williamson den Holocaust leugnet.

Die katholische Kirche ist nach Benedikts Worten zutiefst und unwiderruflich in der Pflicht, jeden Antisemitismus zurückzuweisen und weiter an guten und dauerhaften Beziehungen zwischen Christen und Juden zu arbeiten. "Die 2000-jährige Geschichte der Beziehungen zwischen Judaismus und Christentum hat viele verschiedene Etappen durchlaufen, von denen uns einige in schmerzvoller Erinnerung sind", sagte Benedikt. Jetzt sei es allerdings möglich, sich "im Geist der Versöhnung" zu treffen.

Benedikt stellte sich nachdrücklich auch hinter das Zweite Vatikanische Konzil, das in seiner Öffnung zum Judentum einen "Meilenstein auf dem Weg zur Versöhnung" markiert habe. Dieses Reformkonzil (1962-1965) wird von den Traditionalisten der Pius-Bruderschaft abgelehnt. Bereits vor einigen Tagen hatte Benedikt die vier teilrehabilitierten Bischöfe der Traditionalisten aufgerufen, sich zu diesem Reformkonzil zu bekennen. Außerdem hatte der Vatikan Williamson aufgefordert, die Holocaust-Leugnung zu widerrufen.

Der Papst kündigte vor der Delegation auch eine Reise nach Israel an. Damit ist sein Besuch des Heiligen Landes offiziell. Nach früheren Berichten wird die Reise für Mai vorbereitet. "Dieses Land ist heilig für Christen wie für Juden, denn dort finden wir die Wurzeln unseres Glaubens", sagte der Pontifex. Die jüdische Delegation begrüßte die päpstlichen Reisepläne ausdrücklich.

Die zuletzt stark kritisierten erzkonservativen Pius-Brüder gingen derweil in Deutschland in die Offensive. Die "Profillosigkeit" der Kirche müsse ein Ende haben, forderte der so genannte Distriktobere Pater Franz Schmidberger. In einem Brief an alle deutschen Bischöfe forderte er eine "Rückbesinnung der Kirche auf ihre ureigenen, überlieferten Werte und Wurzeln". Das "Glaubenswissen" der Kirche sei auf einem Tiefpunkt angelangt, klagt Schmidberger, dem Böses schwant: "Wenn die Entwicklung anhält, muss man sich ernstlich fragen, ob die katholische Kirche in Deutschland nicht bald zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken sein wird."

AP/DPA / AP / DPA