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Homo-Ehen: Jawort im Minutentakt

Homosexuelle Paare können in San Francisco weiter heiraten. Ein Richter lehnte den Antrag einer konservativen Gruppe ab, die Trauungen zu verbieten. Gouverneur Schwarzenegger kündigte nach dem Richterspruch "sofortige Schritte" an.

Die Kalifornierinnen Shelly Bailes und Ellen Pontac hatten am Freitag (Ortszeit) in San Francisco doppelten Grund zum Feiern. Nach 30-jähriger Freundschaft können sie sich jetzt "Ehepartner fürs Leben" nennen. Die 62 Jahre alten Frauen zählen zu den mehr als 3000 schwulen und lesbischen Paaren, die sich seit dem 12. Februar in der US-Westküstenmetropole das Jawort gaben. Die Sahne auf dem Hochzeitskuchen war am Freitag die Gerichtsentscheidung, den Homo-Trauungen im Minutentakt vorerst keinen Riegel vorzuschieben. Richter Ronald Quidachay lehnte den Antrag einer konservativen Gruppe ab, die umstrittenen Eheschließungen umgehend zu verbieten.

Volksfeststimmung im Standesamt

Die nächste Gerichtsanhörung ist für den 29. März terminiert. Dann muss die Stadt Gründe darlegen, warum sie Homo-Ehen erlaubt, die gegen die Gesetze des Bundesstaates Kalifornien verstoßen. "Wir haben jahrelang darauf gewartet, dass diese Gesetze endlich angefechtet werden", jubelten die frisch vermählten Lesben Shelly und Ellen. Seitdem Bürgermeister Gavin Newsom grünes Licht für die Homo-Ehen gab, herrscht im Standesamt eine ausgelassene Volksfeststimmung. Alle paar Minuten ertönt Applaus und Jubel, wenn wieder ein Paar die begehrten Papiere und den Ehering am Finger hat.

Die Gegner der Homo-Ehen wollen ihren Druck jedoch verstärken. So kündigte Gouverneur Arnold Schwarzenegger nach dem Richterspruch "sofortige Schritte" an, um die gleichgeschlechtlichen Ehen zu stoppen. Vor dem Standesamt in San Francisco protestierte eine Hand voll Menschen gegen die "sündigen Hochzeiten" und den Verstoß gegen "Gottes Gesetze". Einer jüngsten Umfrage zufolge lehnen 50 Prozent der Kalifornier die Homo-Ehe ab. Nur im liberalen San Francisco ist eine deutliche Mehrheit (66 Prozent) dafür. Die Wähler des Westküstenstaates hatten sich bei einem Volksentscheid im Jahr 2000 für Ehen ausschließlich zwischen Mann und Frau ausgesprochen.

Picknickkörbe gegen stundenlanges Warten

Durch die Gebäudeflure des Standesamtes von San Francisco zieht sich seit Tagen eine endlose, bunte Schlange von Heiratswilligen. Neben Blumensträußen und Trauzeugen haben viele Picknickkörbe und Kissen mitgebracht, um es sich bei der stundenlangen Warterei bequem zu machen. Trish Rubke (32) und Cami Hunt (36) flogen eigens von der Ostküste ein, um sich schon um fünf Uhr früh am Freitag einen Platz zu sichern. Robert Carstensen, der nach neunjähriger Beziehung sein Jawort geben will, sieht die Entwicklung in San Francisco als "monumentales historisches Ereignis".

Ein Standesamt in New Mexico folgte dem kalifornischen Beispiel und traute am Freitag mehr als 20 gleichgeschlechtliche Paare. Die Gesetze des US-Bundesstaates würden Ehen als Verträge zwischen zwei Antragstellern und nicht spezifisch zwischen Mann und Frau definieren, befand eine Verwaltungsangestellte. Doch nach wenigen Stunden trat die Justizministerin von New Mexico dazwischen und erklärte die Heiratsurkunden für ungültig.

Verweis auf Gleichstellungsklausel in der Verfassung

San Franciscos Bürgermeister Gavin Newsom macht sich auf einen bitteren Streit vor Gericht gefasst. Doch er verweist siegessicher auf die Gleichstellungsklausel in der Verfassung, die Diskriminierung verbietet. In Standesamt seiner Stadt soll jeder Heiratswillige gleich behandelt werden, egal ob er Männer oder Frauen liebt.

Barbara Munker / DPA