HOME

Nazis in Deutschlands Stadien: Die Hooligans sind zurück

Die Krawalle in Köln hat Fußball-Insider nicht überrascht: Hooligans erobern Deutschlands Stadien zurück und sind dabei unverholen rechtsradikal. Im Netz verbünden sich Fans gegen die Rechtsradikalen.

Von Katharina Grimm

Die Gruppierung "Hooligans gegen Salafisten" hat für den 15.11 in Hamburg eine weitere Demo angekündigt.

Die Gruppierung "Hooligans gegen Salafisten" hat für den 15.11 in Hamburg eine weitere Demo angekündigt.

Seit Dienstag kursiert ein Offener Brief in den sozialen Netzwerken. Eine Gruppe, die sich "Hooligans gegen Dummheit" nennt, macht darin kurzen Prozess mit den Teilnehmern der Krawall-Demonstration am Sonntag in Köln. Als "Idioten", als "dumm" und "feige" beschimpfen die Verfasser die "HoGeSa", die "Hooligans gegen Salafisten". "Ihr wollt nicht über euren Tellerrand schauen. Ihr seid gefangen in einer wahnhaften Welt, in der ihr euch gegenseitig bestärkt", schreiben sie. Doch wer sind die Initiatoren der Aktion?

Offensichtlich Fußballfans aus dem politisch linken Spektrum - und damit am anderen Gesinnungsende im Vergleich zu den rechtsradikalen und ausländerfeindlichen Teilnehmern der Demo von Köln. Und doch nennen sie sich "Hooligans". Spätestens seit Sonntag geraten die Begrifflichkeiten durcheinander, verschwimmen die Grenzen zwischen Hooligans, Ultras und Fußballfans, zwischen Neonazis und Islamkritikern. Für Laien ein kaum durchschaubares Dickicht.

Der gemeine Hooligan an sich

Hooligans hatten ihre Hochzeit in den 1980er Jahren. Männlich, aggressiv, gewaltätig - so lautete bislang der archaische Dreiklang, der das Milieu der Fußballschläger zutreffend charakterisiert. Offiziell trennen Hooligans Fußball und Politik strikt voneinander, praktisch funktioniert das aber nicht. Schon früh gab es politischen Einfluß von rechts außen. Die Identifikation mit dem Verein findet weniger in der Fankurve, sondern vielmehr Fäuste schwingend in der "dritten Halbzeit" statt, wenn sie sich mit Fangruppen anderer Clubs prügeln. Sie selbst sehen sich als Krieger, für den Politologen Richard Gebhardt sind sie "der missratene Teil der Fußballfamilie".

Dann verschwanden die Hooligans scheinbar von der Bildfläche. Rund um die Jahrtausendwende enterten Ultras die Stadien: Politisch eher links sangen und tanzten sie sich Fähnchen schwingend in die Stadien. Der Support der Mannschaft ist ein fester Teil dieser Fankultur.

Nun sind die Hools zurück. "Die holen sich gerade ihre Stadien wieder", fasst es ein Podcast zusammen. Und sie sind überdeutlich politisch. Gewaltbereit. Und haben sich verbündet. Vermöbelten sich die verschiedenen Hooligan-Gruppen der Fußballklubs bislang untereinander, haben sie jetzt über das Feindbild der Salafisten zusammengefunden. "Gnuhonnters" heißt ein Netzwerk aus 17 Fangruppierungen mit rechtsradikalen Ansichten. "Kameraden im Geiste. Viele Farben, dennoch eine Einheit" lautet ihr Motto. Die Polizei geht von einer Schnittmenge zu den "HoGeSa" aus, die ein recht ähnliches Motto haben: "In den Farben getrennt, in der Sache vereint."

Widerstand formiert sich

Die wohl rund 5000 Demonstranten am Sonntag haben gezeigt, dass dieses Bündnis inzwischen Massen bewegen kann. Nun wollen die "HoGeSa" am 15. November in Berlin demonstrieren. Eine weitere Demo, die von einer Privatperson in Hamburg ebenfalls gegen "den Terror des Islamischen Staates" angekündigt war, wurde inzwischen von dem Initiator abgesagt. Dennoch mobilisieren die "HoGeSa" ihre Anhänger im Netz weiter.

Hamburger Hooligans hatten bereits angekündigt, nicht bei der Demo dabei zu sein. Das zeigt, wie zersplittert die Gruppe der Hooligans in Deutschland ist - und wie stark die Gruppe der Gegendemonstranten eingeschätzt wird. Die auswärtigen Hools hätten "keine Ahnung davon, was in Hamburg abgeht, wenn die Autonome Flora Szene mobilisiert und die Linken mal in voller Besatzung" antrete, sagen Hamburger Hools in einer Stellungnahme.

Gegendemo geplant

Auch die Bundesligaklubs positionieren sich. Als erster Verein hat Fortuna Düsselsdorf Kleidung mit "HoGeSa"-Aufdrucken verboten. Auch der Ligaverband (DFL) positioniert sich dagegen. "Das war keine Fußball-Demo, sondern eine rechtsgerichtete politische Kundgebung. Hier haben sich gewalttätige Schläger unter dem Deckmantel des Feindbildes des IS öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt. Nicht jeder, der einen Fan-Schal trägt, ist ein Fußball-Fan", sagt DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig. Auf Facebook mehren sich Gruppen, die sich gegen die Hooligans und Rassismus stellen. Dort werden Gegendemos organisiert. Knapp 8000 Fans hat eine der Seiten bereits. Der Facebook-Auftritt der "HoGeSa" wurden zwischenzeitlich gelöscht. Dazu schrieb ein User auf der inzwischen neu aufgesetzen Seite mit dem kryptischen Namen "8o.7e.19a", ein im rechten Lager gern genutztes Zahlenspiel: "Sie können uns löschen, aber nicht mehr stoppen."