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Schusswaffenangriff in Idaho "Bist du die Schützin?" Lehrerin entwaffnet Schülerin und umarmt sie, bis die Polizei kommt

Der Eingang der Rigby Middle School nach der Schießerei am 6. Mai
Der Eingang der Rigby Middle School nach der Schießerei: Eine Sechstklässlerin hatte zwei Mitschüler:innen sowie einen Erwachsenen angeschossen.
© Natalie Behring / DPA
Anfang Mai schoss ein Mädchen an einer Schule in Idaho den Hausmeister und zwei Schulkinder nieder. Eine Lehrerin stoppte die Sechstklässlerin – und schilderte jetzt erstmals in einem Interview den dramatischen Zwischenfall.

Es ist einer jener tragischen Vorfälle von Waffengewalt an US-Schulen, die seit vielen Jahren immer wieder traurige Schlagzeilen machen: Am Morgen des 6. Mai schießt ein Mädchen an einer Mittelschule in der Kleinstadt Rigby im US-Bundesstaat Idaho mit einer Handfeuerwaffe drei Menschen an. Zwei Mitschüler:innen und der Hausmeister der Schule werden von Kugeln getroffen, aber glücklicherweise nicht lebensbedrohlich verletzt, wie der Sheriff von Jefferson County, Steve Anderson, später berichtet.

"Die Verdächtige verließ das Gebäude und feuerte weiter, wurde aber schnell entwaffnet und von einer Lehrerin festgehalten", teilte Anderson nach dem Angriff mit.

"Schnell rennen und nicht umsehen!"

Die Lehrerin, von der der Sheriff sprach, war Krista Gneiting. Sie unterrichtet Mathematik an der Rigby Middle School. In einem Interview mit dem US-Sender ABC schilderte Gneiting erstmals den dramatischen Zwischenfall:

Sie habe ihre Schüler gerade auf die Abschlussprüfungen vorbereitet, als sie einen Schuss auf dem Flur gehört habe, berichtete die Lehrerin. Als sie aus dem Klassenzimmer geschaut habe, habe sie den Hausmeister der Schule am Ende des Flurs auf dem Boden liegen sehen. Daraufhin habe sie die Tür verschlossen und anschließend zwei weitere Schüsse gehört.

"Also habe ich meinen Schülern einfach gesagt: 'Wir werden jetzt verschwinden, wir werden zur Highschool rennen, ihr werdet schnell rennen, ihr werdet euch nicht umsehen und jetzt ist es an der Zeit, aufzustehen und loszulaufen'", erinnerte sich Gneiting.

Die Schützin war Anderson zufolge ein Mädchen aus der Nachbarstadt Idaho Falls, das die sechste Klasse der Rigby-Mittelschule besuchte. Sie habe eine Waffe aus ihrem Rucksack gezogen und auf dem Korridor den Hausmeister und ein Schulkind angeschossen. Dann sei sie nach draußen gegangen und habe auf ein weiteres Schulkind gefeuert.

Gneiting erzählte ABC, dass sie versucht habe, einem der Opfer zu helfen, als sie das Mädchen mit der Waffe gesehen habe. "Es war ein kleines Mädchen und mein Gehirn konnte das nicht ganz begreifen." Sie habe dem verletzten Schulkind gesagt, es solle ruhig bleiben, sich der Sechstklässlerin genähert und sie leise gefragt: "Bist du die Schützin?"

"Ich wusste einfach, als ich die Waffe sah, dass ich die Waffe bekommen musste", berichtete die Lehrerin. "Ich ging einfach auf sie zu und legte meine Hand über ihre Hand, ich zog die Waffe langsam aus ihrer Hand. Sie gab sie mir nicht, aber sie wehrte sich nicht. Und dann, nachdem ich die Waffe bekommen hatte, habe ich sie einfach in eine Umarmung gezogen, weil ich dachte, dieses kleine Mädchen hat irgendwo eine Mutter, die nicht merkt, dass es einen Zusammenbruch hat und Menschen verletzt."

Von ihrem Handy aus habe sie die Polizei gerufen und die Schülerin so lange umarmt, bis die Einsatzkräfte eingetroffen seien, erklärte Gneiting. "Nach einer Weile begann das Mädchen, mit mir zu reden und ich konnte erkennen, dass es sehr unglücklich war." Sie habe die Täterin einfach weiter umarmt und sie getröstet und versucht, sie wissen zu lassen, "dass wir das gemeinsam durchstehen werden". "Ich glaube, dass meine Anwesenheit ihr half, weil sie sich beruhigte."

Täterin wurde bereits angeklagt

Als ein Polizist die Schülerin festgenommen habe, habe Gneiting ihr erklärt, dass der Beamte ihr Handschellen anlegen müsse. "Sie hat nicht darauf reagiert, sie hat ihn einfach gelassen", sagte die Lehrerin. "Er war sehr sanft und sehr freundlich, und er legte einfach los und nahm sie und steckte sie in das Polizeiauto."

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft von Jefferson County befindet sich das Mädchen noch immer in Gewahrsam der Behörden und wurde bereits angeklagt. Da Jugendgerichtsverfahren in Idaho unter Verschluss gehalten werden, sind die Anklagepunkte nicht bekannt. Staatsanwalt Mark Taylor hatte bei einer Pressekonferenz vor einigen Tagen aber bereits erklärt, dass dem Kind versuchter Mord in drei Fällen vorgeworfen werden könnte.

Zwei Personen gehen an einem Schriftzug der NRA vorbei

Die Opfer konnten mittlerweile alle aus dem Krankenhaus entlassen werden und die Schüler:innen sind vergangene Woche in den Unterricht zurückgekehrt.

Gneiting hofft unterdessen, dass die Menschen dem Mädchen verzeihen können und ihm helfen, die Unterstützung zu bekommen, die es benötige. "Sie ist gerade erst am Anfang ihres Lebens und braucht einfach etwas Hilfe. Jeder macht Fehler", sagte sie ABC. "Ich denke, wir müssen sicherstellen, dass wir ihr Hilfe besorgen und sie wieder so weit bringen, dass sie sich selbst liebt, damit sie in der Gesellschaft funktionieren kann."

Quellen: ABC, "East Idaho News"

mad

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