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Indien: Vergewaltigungs-Meldungen schockieren Öffentlichkeit

Schwere Vergewaltigungsfälle entrüsten die indische Bevölkerung. Neben einer Fotografin wurde auch eine junge Polizistin von mehreren Männern misshandelt. Sogar ein Guru wird bezichtigt.

Nachrichten über Vergewaltigungen in Indien reißen nicht ab. Sogar ein Glaubensvertreter rückt nun ins Blickfeld. Ein prominenter Hindu-Guru muss sich wegen des Vorwurfs der sexuellen Gewalt gegen ein 16 Jahre altes Mädchen verantworten. Guru Asaram Bapu müsse innerhalb von vier Tagen bei der Polizei aussagen, berichtete die indische Nachrichtenagentur IANS am Montag. Demnach sagte das indische Mädchen in der vergangenen Woche aus, Bapu habe ihm in seinem Ashram (religiöser Rückzugsort) in Jodhpur sexuelle Gewalt angetan.

Er selbst weist die Vorwürfe zurück. Der spirituelle Guru, der im Norden Indiens viele Anhänger hat, hatte im Januar mit Kommentaren zu der mörderischen Vergewaltigung an einer 23 Jahre alten Studentin einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Damals sagte er in einer Predigt, das Verbrechen wäre nicht passiert, wenn das Opfer Gottes Namen gerufen und die Angreifer "meine Brüder" genannt hätte.

Zuletzt wurden wieder zwei Fälle von Gruppenvergewaltigung öffentlich. Eine junge Fotografin und eine Polizistin wurden von mehreren Männern am Donnerstag sexuell misshandelt.

Mit Äxten bewaffnet

Auf einer Bundesstraße im ostindischen Bundesstaat Jharkhand stoppten mit Äxten bewaffnete Räuber die Autos, mit denen eine Familie auf dem Weg zu einer Beerdigung war. Sie raubten Geld und zerrten die junge Polizistin aus dem Auto. Einige Täter vergewaltigten sie, während die anderen die Familie bedrohten. In einem der beiden Autos soll sich die Leiche der Schwester der Polizistin befunden haben. Sie sei vor wenigen Tagen erschossen worden und sollte in der Hauptstadt Ranchi beigesetzt werden, berichtete die Zeitung "The Hindu".

In einer Fabrikruine im Zentrum Mumbais waren mehrere Männer über eine 22 Jahre alte Fotografin hergefallen. Ihr Kollege wurde geschlagen und gefesselt. Die beiden waren zu Aufnahmen in die stillgelegte Baumwollspinnerei gekommen. Die Frau lag am Sonntag noch im Krankenhaus. Nach Aussage der Ärzte erlitt sie innere und äußere Verletzungen.

Entrüstung und Proteste innerhalb der Bevölkerung

Das Schicksal der Fotografin löste in ganz Indien Entrüstung und Proteste aus. Die Verbrechen erinnern an die Gruppenvergewaltigung im Dezember 2012 in Neu Delhi. Dort war eine 23-jährige Studentin in einem Bus vergewaltigt und so schwer misshandelt worden, dass sie zwei Wochen später starb.

Nach dem Verbrechen von Neu Delhi hatte die Regierung Gesetze verschärft und eine schnellere Strafverfolgung versprochen. Demnach kann nun die Todesstrafe verhängt werden, wenn das Opfer aufgrund der Misshandlung stirbt. Dennoch sorgten in den vergangenen Monaten weitere Vergewaltigungsfälle in Indien für Aufsehen. Frauenrechtler werfen Polizei, Justiz und Politik vor, nicht hart genug gegen Gewalt an Frauen vorzugehen, die in Indien oft als Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

awö/DPA/AFP / DPA