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Infiziert mit Corona Das Virus und ich unterm Weihnachtsbaum

Weihnachten ist dieses Jahr anders
Weihnachten ist dieses Jahr anders
© golero / Getty Images
Das Weihnachtsfest verbringt meine Familie dieses Jahr in Quarantäne, wir haben uns mit dem Coronavirus infiziert. Zum Glück ist deswegen nicht alles schlecht, wir erleben auch eine tolle Hilfsbereitschaft.

Kurz vor Weihnachten hat es mich doch noch erwischt. Ich arbeite zwar seit Ausbruch der Pandemie im Homeoffice und habe nur wenige persönliche Kontakte. Aber meine Frau hat das Coronavirus wohl aus der Schule mitgebracht, in der sie unterrichtet. So kann's gehen. Wir sind jetzt über die Weihnachtstage in Quarantäne und dürfen unsere Wohnung nicht verlassen. So wie rund 370.000 Menschen, die derzeit in Deutschland aktiv infiziert sind. Dazu kommen Tausende Kontaktpersonen, die vorsorglich ebenfalls unter Quarantäne gestellt wurden.

Das ohnehin spezielle diesjährige Weihnachtsfest wird für all diese Menschen, wie für uns, noch etwas spezieller. Kein Einkaufen. Kein Spazierengehen. Kein Besuch bei der Familie. Das sorgsam im Familienkreis ausgeklügelte System, wer wen besuchen kann, wen nur draußen treffen und wen überhaupt nicht, ist obsolet.

Stattdessen muss ich jeden Tag in ein Symptomtagebuch des Gesundheitsamtes eintragen, wie es mir geht. In meinem Fall heißt das vor allem: höllische Kopfschmerzen. Ich fühle mich seit Tagen, als hätte ich den schlimmsten Kater meines Lebens, dabei habe ich keinen Tropfen Alkohol getrunken. Meine Frau hat verschiedene Erkältungssymptome, ihr leichtes Fieber ist aber zum Glück schnell wieder verschwunden. Und unser fünfjähriger Sohn ist putzmunter. Sollte keine böse Überraschung mehr passieren, so kann man unseren Krankheitsverlauf wohl unterm Strich als glimpflich bezeichnen. 

Aspirin, Brötchen und ein Weihnachtsbaum

Daher kann ich auch schon wieder das Positive an unserem Corona-Christmas sehen. Wie viele Freunde, Kollegen und Nachbarn in den vergangenen Tagen ihre Hilfe angeboten haben, war wirklich schön zu erfahren. Einer brachte Aspirin, Brötchen und Bananen. Eine andere einen ganzen Supermarkteinkauf. Eine Dritte kleine süße Weihnachtsgeschenke. Und sogar einen Weihnachtsbaum hat eine liebe Freundin für uns besorgt.

Der Kita-Kumpel meines Sohnes verkündete seinen Eltern ganz solidarisch, dass er jetzt auch in Quarantäne gehe – im Glauben, die beiden könnten dann zusammen spielen. Klar, für einen Fünfjährigen gibt es Schöneres als 14 Tage ohne andere Kinder in der Wohnung eingesperrt zu sein. Doch mein Sohn trägt es mit Fassung. Zum Glück ist er gerade in einer Hardcore-Playmobil-und-Lego-Phase und taucht bisweilen Stunden in seine Ritter- und Ninja-Welten ab. Er hat unser Faible für Gesellschaftsspiele geerbt, traut sich neben einfachen Klassikern wie Uno auch schon an Spiele wie die "Siedler von Catan" heran, sodass wir auch schöne Familienzeit verbringen. Zudem scheint nun der richtige Zeitpunkt zu sein, dem Kleinen die Lieblings-Disneyfilme unserer Kindheit näherzubringen. Wir machen uns Popcorn und schauen Robin Hood und andere Klassiker.

Die Enttäuschung des Kleinen, dass er Oma und Opa nicht an Weihnachten sehen kann, konnten wir mit dem Hinweis mildern, dass sicher das ein oder andere Geschenk auf dem Postweg zu uns finden wird. Und zum traditionellen Familienwichteln werden wir uns eben diesmal per Skype zusammenschalten. 

Ich denke an all die, die das Virus härter getroffen hat als uns. Die Weihnachten auf der Intensivstation verbringen oder einen Lieben dort liegen haben. Und auch an die, die ihre Weihnachtsquarantäne ganz allein verbringen müssen.

Ich danke den Ärzten und Pflegern, die auch an Weihnachten um das Leben ihrer Patienten kämpfen. Den Menschen in den Gesundheitsämtern und allen anderen, die dazu beitragen, dieser Pandemie Herr zu werden. So wie die Mitarbeiterin des Testlabors, die mich am Wochenende telefonisch über mein positives Testergebnis informierte. Sie war selbst erst wenige Tage zuvor positiv getestet worden, aber schon wieder im Homeoffice im Einsatz.

Ich wünsche allen frohe Weihnachten.


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