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Integriert und doch abgeschoben: Vietnamesische Familie kehrt nach Deutschland zurück

Familie Nguyen war ein Beispiel für Zuwanderer, von denen sich die Experten des Berliner Integrationsgipfels mehr wünschen. Abgeschoben wurden die Vietnamesen trotzdem. Am Dienstag kehrten sie zurück.

Sie strahlt und strahlt und strahlt. Ngoc Lan Nguyen will ihren Eltern und zwei kleinen Geschwistern nicht von der Seite weichen. "Ich könnte schreien vor Glück", sagt die 20-Jährige, nachdem sie am Dienstag ihre Familie auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen in die Arme geschlossen hatte. Fast drei Monate hat sie ihre Eltern, die neun Jahre alte Esther und den sechs Jahre alten Andre nicht mehr gesehen. Seit jener Nacht im November, als Beamte der Ausländerbehörde ihre Familie aus dem Schlaf holten und sie aus Hoya (Landkreis Nienburg) nach Vietnam abschoben.

Die Rückkehr der Vietnamesen in ihre deutsche Heimat ist das seltene Ergebnis von gesellschaftlichen Protesten und politischem Drängen.

Musterbeispiel für gelungene Integration

Während in Berlin rund 120 Experten auf dem Integrationsgipfel beraten, wie Zuwanderer besser in die Gesellschaft eingegliedert werden können, liegen sich die Nguyens in Hannover in den Armen. Fast 19 Jahre hatten die Vietnamesen in Deutschland gelebt, ehe sie Anfang November durch die Abschiebung getrennt wurden. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann hatte dies zunächst verteidigt.

Als Protest und Kritik zunahmen, ruderte der CDU-Politiker zurück und setzte sich beim Bundesaußenministerium für die Rückkehr der Familie ein. "In diesem besonderen Einzelfall ist humanitäre Hilfe dringend geboten." Dass das geklappt hat, ist nach Angaben von Flüchtlingsorganisationen wie Pro Asyl eine absolute Ausnahme.

Die fünf Vietnamesen waren für viele Menschen ein Musterbeispiel für gelungene Integration: Die Eltern arbeiteten in einer Baumschule, die Kinder hatten viele Freunde in der Schule und im Kindergarten. Als gläubige Christen waren die Vietnamesen in der Gemeinde des Ortes aktiv. Alle sprechen deutsch. Zeit ihres Lebens war die Familie in Deutschland nur geduldet. Zum Verhängnis wurde ihr, dass der Vater zugegeben hatte, bei der Einreise einen falschen Namen genannt zu haben. Nur die älteste Tochter behielt ihr Bleiberecht.

Begrüßung mit Tulpen und Osterglocken

Auf dem Flughafen in Hannover begrüßen all jene die Heimkehrer, die sie in den vergangenen Wochen besonders vermisst haben. "Herzlich Willkommen zurück in der deutschen Heimat", steht auf einem Plakat. Schulfreunde von Esther sind gekommen. Sie singen ein Begrüßungslied, als die vereinte Familie durch die Glastüren in die Vorhalle tritt. Sie bekommen Tulpen und Osterglocken. "Es ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen", sagt Ngoc Lan. Ihre Mutter kann vor lauter Tränen kaum sprechen. "Vietnam war nicht gut für die Kinder", presst sie hervor. Das Essen habe ihnen nicht geschmeckt, das Leben sei so anders gewesen.

Zuhause in Hoya wollen die fünf Vietnamesen erst einmal Weihnachten feiern. "Wir haben viel nachzuholen", sagt Ngoc Lan. Unter einem Weihnachtsbaum aus Plastik liegen Geschenke für ihre Eltern und Geschwister. Drei weitere Jahre darf Familie Nguyen nun erst mal in Deutschland leben - ihr Wunsch wäre es, für immer hier bleiben zu dürfen.

Anja Mia Neumann, DPA / dpa