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Internationaler Frauentag Mehr Geld statt Rosen!

Unterbezahlt - jedenfalls im Vergleich zu Männern: Frauen bekommen knapp 25 Prozent weniger Gehalt
Unterbezahlt - jedenfalls im Vergleich zu Männern: Frauen bekommen knapp 25 Prozent weniger Gehalt
© Colourbox
Männliche Charmeoffensiven am Weltfrauentag können nicht darüber hinwegtäuschen: Beim Gehalt werden Frauen in Deutschland so stark diskriminiert wie sonst fast nirgends in Europa.
Ein Kommentar von Catrin Boldebuck

Haben Sie heute früh auch eine Rose beim Betreten ihrer Firma überreicht bekommen? Heute ist Weltfrauentag, da denken die Arbeitgeber an ihre Mitarbeiterinnen und wollen sich charmant geben. Dagegen ist überhaupt nichts zu sagen. Doch statt der Blumen sollten die Firmenbosse den Frauen lieber mehr zahlen. Denn Frauen verdienen in Deutschland immer noch 23 Prozent weniger als Männer. Dreiundzwanzig Prozent, Monat für Monat.

Die Klage ist alt und nicht besonders originell. Aber leider immer noch aktuell: Denn bei der Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen verändert sich seit Jahren höchstens die Stelle hinterm Komma. Gerade hat das Statistische Bundesamt wieder neue Zahlen veröffentlicht: Danach verdienten Frauen 2008 23,2 Prozent weniger Gehalt als Männer. 2007 lag der so genannte "Gender Pay Gap" noch bei 23 Prozent. Er steigt also leicht. Sogar Zypern und die Slowakei, in denen der Abstand noch größer war, haben uns inzwischen überholt. Dafür liegen jetzt Estland, die Tschechische Republik und Österreich hinter uns. Das ist wohl kaum ein Trost.

Bei der Bildung haben Frauen längst aufgeholt: Mehr Mädchen machen Abitur als Jungs, die Hälfte der Studierenden ist weiblich. Aber es zahlt sich nicht aus. Selbst in Top-Positionen ist der Gehaltsabstand ein breiter Canyon: Chefinnen verdienen bis zu einem Drittel weniger als ihre Kollegen.

Damit ist das Argument vieler Männer widerlegt, die meinen, die Frauen seien selbst Schuld an der Gehaltsmisere: Weil sie sich die falschen Jobs suchen, Grundschullehrerin werden statt Elektroingenieurin, zu oft Teilzeit arbeiten und zu große Lücken im Lebenslauf haben. Doch das sind nur Teile der Erklärung. Und dagegen müssen Frauen dringend etwas tun. Rund zwölf Prozent der Lohnlücke lassen sich damit nicht erklären. Das ist echte Diskriminierung.

Auch wenn es viele Frauen offenbar total uncool finden, sich darüber aufzuregen - aber fast ein Viertel weniger Bares auf dem Konto zu haben, ist keine Bagatelle, sondern eine riesige Ungerechtigkeit. Dagegen müssen Frauen sich endlich wehren. Sie müssen sich Firmen suchen, wo es viele weibliche Bosse gibt und Frauen gezielt gefördert werden. Sich nicht in schlecht bezahlte Teilzeitjobs abdrängen lassen. Und sie müssen über ihr Gehalt verhandeln - genauso zäh und verbissen, wie sie für den Kitaplatz kämpfen oder um den Rabatt für die teure Handtasche feilschen.

Nur halb so viel Rente wie Männer

Es geht schließlich um die Anerkennung für ihre Leistung. Die Folgen der niedrigen Bezahlung können Frauen im Leben nicht mehr aufholen. Das rächt sich bis ins Alter: Bisher bekommen Frauen nur halb so viel Rente wie Männer.

Ein Gesetz, das ungleiche Bezahlung verbietet, das wäre ein Signal. Oder eine anonyme Meldestelle bei Verdacht auf Lohndiskriminierung. Doch Frauenministerin Kristina Schröder (CDU) hält nichts von Quoten, sondern nur von freiwilligen Appellen an die Wirtschaft. Seit einigen Wochen können die Firmen mit der Software "Logib" (Lohngleichheit im Betrieb) die Daten ihrer Mitarbeiter analysieren. Aber sie müssen nicht. Und warum sollte irgendein Unternehmen den Frauen freiwillig mehr Geld zahlen?

Nein, da müssen die Frauen schon selber Druck machen. Zum Beispiel am 26. März, wenn der dritte Equal Pay Day in Deutschland statt findet, organisiert von Frauennetzwerken wie den "Business and Professional Women". Das ist ein Anfang immerhin. Ansonsten können die Kollegen diesen Kommentar nächstes Jahr am Weltfrauentag wieder online stellen und 2012 und 2013.


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