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Internet-Aktion: Verlose mein Haus für 19 Euro

Es ist gar nicht so einfach, in Zeiten der Finanzkrise ein Häuschen im Grünen loszuwerden. Und weil Volker Stiny keinen Interessenten für sein Eigenheim im Wert von einer halben Million Euro fand, verlost der Münchner nun sein Haus im Internet - für 19 Euro pro Los.

Von Lilith Volkert, München

Wofür man normalerweise einen großzügigen Kredit braucht, sollen in diesem Fall 19 Euro und ein wenig Glück reichen: Ein Haus in einem kleinen Münchner Vorort, fünf Zimmer, Garten und Garage. Volker Stiny hat sich ein besonderes Gewinnspiel ausgedacht: Er verlost sein Haus im Internet.

Fast ein Jahr lang hatte der Münchner vorher nach einem Käufer gesucht, sogar einen Makler beauftragt - umsonst. In diesen Zeiten traut sich anscheinend kaum einer, viel Geld auszugeben. Und diejenigen, die das Haus kaufen wollten, bekamen von ihrer Bank keinen Kredit. Das sagt jedenfalls Volker Stiny. Er sieht sich als Opfer der Finanzkrise.

Überzogene Erwartungen oder angemessener Anspruch?

Die Doppelhaushälfte, die Stiny vor knapp 20 Jahren als Altersruhesitz für den inzwischen gestorbenen Vater und die pflegebedürftige Mutter gekauft hatte, ist kleiner, als sie von außen wirkt, Küche und Bad sind im Stil der 70er Jahre gekachelt, man hört die Straße. Dass 500.000 Euro - laut ansässigem Makler - für ein 35 Jahre altes Haus in Baldham bei München ein stolzer Preis sind, darüber denkt Volker Stiny nicht nach. Das Haus ist eine halbe Million wert, da ist sich der gelernte Bankkaufmann sicher. Also will er auch eine halbe Million haben.

Als er in der Zeitung von einer Hausverlosung in Österreich liest, denkt sich der 52-Jährige: Das kann ich auch. Er informiert sich, bastelt eine Homepage und ein Quiz und legt los: Bis Mitte März will er 48.000 Lose zu je 19 Euro verkaufen. Auf dieser Webseite können sich die Teilnehmer anmelden und - sobald sie die Gebühr überwiesen haben - mitspielen.

Erst das Quiz, dann die Verlosung

Das Quiz funktioniert nach dem Prinzip der RTL-Show "Wer wird Millionär?": Eine Frage, vier Antworten, nur eine davon ist richtig. Die erste Runde ist das natürlich einfach: Heißt der Sport mit den zwei Stöcken Hopping West, Going East, Southern Running oder Nordic Walking? Klickt man auf eine falsche Antwort, erscheint die Frage "Sind Sie sich wirklich sicher?"

Doch genau wie bei Günther Jauchs Fernsehquiz werden die Fragen mit jeder Runde immer schwieriger, die Nachfrage entfällt. Wer eine falsche Antwort gibt, fliegt raus, kann aber von vorne anfangen - wenn er wieder 19 Euro zahlt. Durch immer neue Fragerunden sollen am Ende aus 48.000 Mitspielern die 100 Besten ermittelt werden. Unter diesen werden dann die Gewinne verlost: Neben dem Haus gibt es auch noch einen Kleinwagen, mehrere Computer und Fernseher und weitere Preise zu gewinnen. Je mehr Preise, umso mehr Leute machen mit, dachte sich Volker Stiny.

Rückenwind aus den Medien

Seit 1. Januar läuft das Quiz. Über 23.000 Mitspieler haben sich seitdem angemeldet, berichtet der Organisator stolz. Die 19 Euro haben bisher immerhin die Hälfte davon überwiesen. Rückenwind bekam die Aktion von Zeitungsberichten, die von einer "Villa" schwärmten oder den Eindruck erweckten, man müsse nur ein kurzes Alibi-Quiz bestehen, schon nehme man an der Verlosung teil. Die Gewinnchance sei 1:48.000 jubelte ein Münchner Boulevardblatt - viel größer als beim Lottospielen!

Doch das ist nicht ganz richtig: "Das Spiel basiert auf Wissen und nicht auf Zufall," gibt Volker Stiny zu, der den Spielverlauf auf seiner Homepage ziemlich umständlich erklärt. Direkt aus den 48.000 Teilnehmern per Los den Gewinner zu ermitteln wäre Glücksspiel - und damit verboten. Denn in Deutschland hat der Staat das Glückspielmonopol inne.

Ein heikles Unterfangen

Volker Stiny lief von einem Anwalt zum nächsten, bis er schließlich jemanden fand, der sich gut mit den komplizierten Regelungen des Glückspielrechts auskennt. Die Aktion ist eindeutig legal, sagt die Münchner Rechtsanwältin Alice Wotsch, die ihn bei der Konzeption beriet: "Das Geschicklichkeitsspiel, bei dem man sein Wissen einsetzen muss, steht im Vordergrund. Verlost wird erst ganz am Schluss." Deswegen sei die Aktion auch nicht erlaubnispflichtig.

Trotzdem hat sich Volker Stiny an die Regierung von Mittelfranken gewandt, die für das Glücksspielrecht im Internet in Bayern zuständig ist. Er wollte eine schriftliche Bestätigung, dass das, was er tut, rechtmäßig ist. Doch diesen "Persilschein", wie er es nennt, hat er bis heute nicht erhalten. Der Sachverhalt wird noch geprüft, sagt eine Mitarbeiterin der Behörde, deswegen möchte sie sich auch nicht dazu äußern. Anscheinend will man keinen Präzedenzfall schaffen und sich künftig mit diversen Hausverlosungen herumschlagen müssen, vermutet Stinys Anwältin.

Denn das Interesse an der ungewöhnlichen Immobilien-Aktion ist groß. "Die Sache hat mich total überrollt," sagt Volker Stiny. Täglich rufen ihn Leute an, die ihr Haus auf ähnliche Weise loswerden wollen, mit dem Beantworten von E-Mails kommt er nicht mehr hinterher.

Der Gewinner kann sofort einziehen

Die Rechnung klingt auch nicht schlecht: Spielen wirklich 48.000 Leute mit, nimmt Volker Stiny 912.000 Euro ein. 20.000 Euro will er an die Stiftung "Kinder in Afrika" spenden. Außerdem muss er die zusätzlichen Gewinne sowie Anwalts- und Notarkosten zahlen. Stiny rechnet, dass ihm knapp 600.000 Euro Reinerlös bleiben werden - 100.000 Euro mehr, als er ursprünglich für sein Haus haben wollte. Sind bis Mitte März noch nicht 48.000 Mitspieler zusammen gekommen, wird um vier Wochen verlängert.

Doch Volker Stiny geht fest davon aus, dass die Verlosung wie geplant am 15. März im Münchner Nobelhotel "Vier Jahreszeiten" stattfinden kann. Der anwesende Notar wird das Haus dem Gewinner danach gleich überschrieben. Der kann dann damit machen, was er will: Selbst einziehen, es vermieten, verkaufen - oder es weiterverlosen.

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