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Inzest-Fall Amstetten: Weltweit einzigartiger Fall

Der Inzest-Fall von Amstetten ist ein Verbrechen ungeheuerlichen Ausmaßes. Beständig gibt es neue Informationen. Selbst die Ermittler sind von den Ausmaßen des Falls überrascht. Der stern.de-Ticker hält Sie auf dem Laufenden.

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Montag, 16.45 Uhr: Das Inzest-Verbrechen wird von den Behörden als weltweit einzigartiger Fall eingestuft. "Das sprengt alle Dimensionen", sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler hoffen für die Überführung des Mannes, dass der heute 73-Jährige beim Kauf von Nahrung und Kleidung aufgefallen ist. Schließlich sei es besonders, wenn ein älterer Mann große Mengen Babynahrung und Kinderkleidung kauft, sagte der Sprecher.

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Montag, 16.15 Uhr: Die Ermittler zeigen sich verwundert darüber, dass die Nachbarn nichts mitbekommen hätten. Die Polizei versuche unter anderem herauszufinden, ob und in welchem Maße aus dem Kellerverlies Geräusche nach draußen gedrungen sein könnten.

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Montag, 16 Uhr: Die österreichischen Behörden gehen nach bisherigem Erkenntnisstand davon aus, dass die Mutter des Inzest-Opfers Elisabeth F. nichts vom Martyrium ihrer Tochter gewusst hat. Rosemarie F. habe offensichtlich keine Ahnung gehabt, was vor sich gehe, sagte der Amstettener Bezirkshauptmann Hans Lenze. Für die Frau des 73-jährigen Tatverdächtigen sei eine Welt zusammengebrochen.

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Montag, 15.45 Uhr: Die Gerichtspsychiaterin Sigrun Rossmanith bescheinigt Josef F. eine schwere Persönlichkeitsstörung und ein herabgesetztes Selbstwertgefühl. Der Vater habe sich seine Tochter "als Partnerin herangezogen", sagte Rossmanith der österreichischen Nachrichtenagentur APA: "Er hat sich letztlich eine jederzeit verfügbare Sklavin gehalten." Josef F. habe sich seine Tochter "gefügig gemacht, sie gehalten und nach seinen Bedürfnissen benützt". "Ohne Zweifel hat er daraus einen sadistischen Lustgewinn gezogen", sagte die Expertin. Der Mann habe "absolute Kontrolle" ausgeübt.

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Montag, 14.50 Uhr: Die seit ihrer Geburt in einem Verlies gefangenen Kinder brauchen nach Einschätzung des Wiener Psychiaters Max Friedrich eine lange und intensive Behandlung. Es sei aber möglich, sie danach in die Gesellschaft einzugliedern. "Ich habe Hoffnung, dass das zu einem halbwegs normalen Leben führt - sonst müsste ich ja meinen Beruf aufgeben", sagte der Arzt des Entführungsopfers Natascha Kampusch der Nachrichtenagentur Reuters.

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Montag, 14.40 Uhr: Die 19-jährige Tochter von Elisabeth F., die bewusstlos ins Krankenhaus gebracht wurde, liegt noch immer auf der Intensivstation. Sie habe wegen Krampfanfällen unter Sauerstoffmangel gelitten, teilten die Ärzte mit.

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Montag, 14.35 Uhr: Ein Fernseher mit einem Videorekorder und ein Radio stellten für die Gefangenen anscheinend die einzige Verbindung zur Außenwelt dar.

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Montag, 14.05 Uhr: Die zuständige Jugendwohlfahrt habe sich "nichts vorzuwerfen", sagte der Bezirkshauptmann und Leiter der Behörde, Hans Lenze, der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Alle drei Kinder seien nach ihrem Auffinden medizinisch untersucht und "in gutem gesundheitlichen Zustand" gewesen, sagte er.

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Montag, 13.50 Uhr: Die Nachbarn sind geschockt. Der Tatverdächtige 73-Jährige Josef F. sei ein sympathischer Mensch gewesen, berichtet Franz R., der einen Laden gegenüber dem Haus der Familie besitzt. "Er war freundlich, deshalb ist das so unglaublich", sagt er. Unauffällig sei der Mann gewesen, sagten Anwohner im österreichischen Rundfunksender ORF. Eine Frau berichtet, sie habe öfters mit der Frau des Festgenommenen gesprochen. "Sie ist wirklich ganz nett. Auch mit den Enkelkindern, sie bringt sie zur Schule. Wir haben da nichts mitbekommen."

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Montag, 13.30 Uhr: Das Verlies: Durch einen etwa fünf Meter langen Gang und ein Schlupfloch gelangte man in ein etwa 1,70 Meter hohes Zimmer, in dem sich eine Kochmöglichkeit sowie eine Toilette und Dusche befinden. Zu sehen sind auch kleine lächelnde Zeichentrickfiguren, anscheinend selbstgemalte Sterne und ein aufgestellter Spielzeugelefant.

In dem Verlies sind auch zwei Schlafräume mit zwei Betten, die ebenfalls von Kinderhand mit Sternen und kleinen Zeichnungen geschmückt worden sind. Ein Fernseher mit einem Videorekorder und ein Radio waren das einzige Fenster, das eine Welt jenseits der Kellermauern erahnen ließ.

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Montag, 13.20 Uhr: Die Gefangenen mussten auf einer Fläche von etwa 60 Quadratmetern ohne Tageslicht hausen. Versperrt war das fensterlose Verlies mit einer massiven Stahlbetontür. Sie sei mit einem Elektromotor versehen und nur per Fernbedienung mit Zahlencode zu öffnen gewesen, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA.

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Montag, 12.55 Uhr: Natascha Kampusch (20), die selbst acht Jahre lang in der Gewalt eines Entführers leben musste, will im Fall der 24 Jahre lang eingesperrten Elisabeth F. und ihrer drei mit ihr eingesperrten Kinder helfen. Da sie die Situation der völligen Isolation aus eigener Erfahrung kenne, biete sie der heute 42-jährigen Frau sowohl finanzielle Unterstützung als auch ein Gespräch an, hieß es in einer Erklärung. Finanzielle Hilfe will Kampusch der Familie aus den Spendengeldern zukommen lassen, die sie nach ihrer Flucht von ihrem Peiniger für einen geplanten Hilfsfonds erhielt.

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Montag, 12.30 Uhr: Der Vater soll gestanden haben, die Leiche eines der sieben Kinder, die aus dem inzestuösen Missbrauch hervorgingen, kurz nach der Geburt im Heizkessel des Hauses im niederösterreichischen Amstetten verbrannt zu haben.

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Montag, 12.20 Uhr: Als "kritisch, aber stabil", bezeichnete Albert Reiter, Leiter der Intensivstation des Krankenhauses Amstetten, gegenüber APA den Zustand der 19-Jährigen. Sie wird laut Reiter auf der Intensivstation beatmet, erhält Antibiotika und bekommt wegen einer Nierenschädigung eine Dialyse. Elisabeth F. sowie ihre fünf Kinder sind ebenfalls in ärztlicher Behandlung. Alle sieben Patienten seien traumatisiert und geschockt.

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Montag, 11.55 Uhr: Unter anderem soll F. zugegeben haben, dass er seine Tochter Elisabeth jahrzehntelang in seinem Keller eingesperrt und sie sexuell missbraucht hat.

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Montag, 11.30 Uhr: Nach Polizeiangaben gibt sich Josef F. geständig. "Er ist im Wesentlichen geständig, schwächt aber in Details ab", berichtete Chefinspektor Leopold Etz vom Landeskriminalamt Niederösterreich

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Montag, 11 Uhr: Die Polizei setzt die Vernehmung von Josef F. fort.

DPA/AP/Reuters/web / AP / DPA / Reuters