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Israeli in U-Bahn angegriffen: "Ich bin nicht euer Kanal für noch mehr rassistischen Mist"

Es waren offensichtlich sieben arabischstämmige Männer, die in der Silvesternacht in Berlin einen Israeli verprügelt haben. Doch der junge Mann reagiert ganz anders als erwartet.

Von Sophie Albers Ben Chamo

"Ich würde ohne Angst mit einem goldenen Davidstern, der an meinem beschnittenen Schniedel baumelt, durch die Stadt spazieren, wenn das mein Ding wäre."

"Ich würde ohne Angst mit einem goldenen Davidstern, der an meinem beschnittenen Schniedel baumelt, durch die Stadt spazieren, wenn das mein Ding wäre."

Ein junger Israeli wird in der Silvesternacht in der Berliner U-Bahn von sieben jungen Männern offensichtlich arabischer Herkunft verprügelt. In einem vollen Wagen hatten er und zwei Mitreisende diese vorher gebeten, damit aufzuhören, antisemitische Parolen zu singen. Als sie es nicht taten, sondern pöbelten und drohten, filmte der 26-Jährige sie mit seinem Mobiltelefon. Schließlich stiegen er und ein paar Freunde aus. Die Truppe folgte ihnen und forderte die Löschung des Videos. Als der junge Mann sich weigerte, bespuckten und schlugen sie ihn. Sicherheitspersonal war nicht vor Ort. Schließlich konnten er und seine Freunde sich in einen einfahrenden Zug retten. Kurz darauf rief er die Polizei an, erzählt Shahak Shapira im Gespräch mit dem stern.

Die Tat ist unerträglich für Berlin und ein Politikum in Israel. Doch mit dem Mut und dem politischen Selbstverständnis des Angegriffenen dürften die wenigsten gerechnet haben - erst recht nicht die Angreifer, gegen die nach Auswertung der Überwachungsvideos und der Aufnahmen von Shapira der Staatsschutz ermittelt.

"Ich will nicht benutzt werden"

Auf Facebook hat Shahak Shapira, der seit insgesamt zwölf Jahren in Deutschland lebt, davon sechs in Berlin, sofort klar gemacht, dass er eines nicht will: "Ich will nicht euer Kanal für noch mehr rassistischen Mist gegen Araber sein." Der Vorfall sei nicht repräsentativ für Berlin. Damit reagierte der 26-Jährige auf den geschwollenen Kamm eines israelischen Politikers, der in der Attacke einen Beweis für die "neue Qualität des Antisemitismus" in Berlin sieht, dem mit "harter Hand" zu begegnen sei, wie "Times of Israel" berichtete.

"Ich will nicht, das irgendjemand meinen Fall dazu benutzt, um den Nationalismus in Israel zu stärken", zitierte die israelische Zeitung "Yedioth Ahronoth" Shapira, der in Berlin als Art-Director arbeitet. "Ich will nicht, dass es aussieht, als sei Berlin voll mit blutrünstigen Arabern, die Juden töten. Ich will kein Kanal für den extrem rechten Flügel sein." Er wolle aber auch nicht, dass die Angreifer damit durchkommen, sagte Shapira im Gespräch mit dem stern. "Die Polizei weiß, wie sie aussehen. Sie kriegen sie." Am meisten schockiert habe ihn allerdings, dass in dem vollbesetzten U-Bahn-Waggon sonst niemand eingeschritten sei.

"Jeder kann ein rassistisches Arschloch sein"

Während die israelische Presse mit dieser Verweigerung klarkommen muss, beruhigt Shapira auf Facebook seine Freunde: "Es geht mir gut. Ich bin nicht ernsthaft verletzt. Berlin ist immer noch fantastisch. Ich würde ohne Angst mit einem goldenen Davidstern, der an meinem beschnitteten Schniedel baumelt, durch die Stadt spazieren, wenn das mein Ding wäre. Sorgt dafür, dass zuerst euer eigenes Land weniger rassistisch wird." Und als Beruhigung für die Zukunft fasst er zusammen, dass Fremdenhass keine Frage der Herkunft sei, jeder könne jederzeit ein "rassistisches Arschloch" sein.

Deutschland sei kein rassistisches Land, betont Shapira. Allerdings gebe es hier ein Problem mit arabisch-geprägtem Judenhass. "Das ist der rosa Elefant im Raum, über den keiner sprechen mag." Auf der Polizeiwache habe der zuständige Polizist zu ihm gesagt, dass eine Anzeige wegen Volksverhetzung weit weniger Chancen habe als eine Anzeige wegen Körperverletzung. Damit will Shapira sich nicht zufrieden geben.

Shapiras Großvater gehörte als Trainer zum israelischen Sportler-Team, das bei den Olympischen Spielen 1972 in München von palästinensischen Terroristen gekidnappt und beim Befreiungsversuch getötet worden ist. "Man muss sich nicht verstecken, die Zeiten sind vorbei", zitiert Shahak Shapira seine Mutter. "Ich bleibe in Berlin."