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IWF-Chef Strauss-Kahn unter Vergewaltigungsverdacht: DSK droht auch in Frankreich Klage

Für IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn wird es eng: Nach seiner Festnahme in New York hat ihn das Zimmermädchen identifiziert. Und in Frankreich droht eine weitere Klage.

Nach der Anklage gegen den Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, wegen versuchter Vergewaltigung in den USA erwartet den 62-Jährigen nun auch in Frankreich eine Klage. "Wir planen eine Klage. Ich arbeite mit ihr daran", sagte der Anwalt der Journalistin Tristane Banon, die nach eigener Darstellung 2002 von Strauss-Kahn sexuell belästigt wurde, am Montag der Nachrichtenagentur AFP. Die 31-Jährige hatte schon 2007 in einer Fernsehsendung von dem Vorfall berichtet. Damals war der Name von DSK, wie der frühere sozialistische Hoffnungsträger in Frankreich genannt wird, durch einen Piepton unkenntlich gemacht worden. Laut ihrem Anwalt David Koubbi brachte Banons Mutter, die sozialistische Lokalpolitikerin Anne Mansouret, ihre Tochter damals davon ab, gegen den IWF-Chef zu klagen.

In den USA steckt DSK tief in Schwierigkeiten: Nach seiner Festnahme in New York war Strauss-Kahn von dem Zimmermädchen identifiziert worden, das er sexuell angegriffen haben soll. Die 32-Jährige habe den Franzosen bei einer Gegenüberstellung auf einer Wache in Manhattan erkannt, berichtete die Zeitung "New York Daily News".

Der Franzose stimmte einer Untersuchung auf mögliche DNA-Spuren seines angeblichen Opfers an seinem Körper zu. "Er hat weiteren gerichtsmedizinischen Untersuchungen auf Bitten der Behörden freiwillig zugestimmt", betonte sein Anwalt William Taylor nach einem Bericht von figaro.fr am Montag. Dabei soll unter anderem geklärt werden, ob Strauss-Kahn Kratzer oder DNA-Spuren des mutmaßlichen Opfers an sich trage, etwa unter den Fingernägeln.

Am Montag um 10.30 Uhr Ortszeit (16.30 Uhr MEZ) soll Strauss-Kahn einem Richter vorgeführt werden. Dieser kann entscheiden, ob der IWF-Chef gegen eine Kaution freigelassen wird. Die "New York Times" schätzte die Höhe einer möglichen Kaution auf mehrere Millionen Dollar. Der IWF betonte nach Medienberichten, Strauss-Kahn habe sich nicht dienstlich in New York aufgehalten. Er genieße keine diplomatische Immunität, sagte ein Polizeisprecher.

In Handschellen in Harlem

Da die von der Polizei beantragte Untersuchung noch am späten Sonntagabend stattgefunden habe, sei ein erster Gerichtstermin, bei dem die Anklage verlesen und möglicherweise über eine Kaution entscheiden werden sollte, auf Montagmorgen verschoben worden, sagte Anwalt William Taylor nach Berichten des US-Senders CNN. Strauss-Kahn verließ das Polizeirevier in Harlem am Abend nach 30 Stunden in Gewahrsam in Handschellen. Zwei Beamte fassten ihn rechts und links unter den Armen. Der 62-Jährige wirkte erschöpft und sagte kein Wort zu den zahlreichen Journalisten.

Nach Medienberichten wurde er anschließend zu weiteren Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht. Die Strauss-Kahn zur Last gelegten Delikte können in den USA mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bestraft werden.

Verfolgungsjagd in der 3000-Dollar-Suite

Die Polizei schilderte laut CNN den Fall so: Das Zimmermädchen habe am Samstag die für 3000 Dollar pro Nacht vermietete Luxussuite betreten - ohne zu wissen, dass sich dort jemand aufhielt. In diesem Moment sei Strauss-Kahn nackt aus dem Badezimmer gekommen, auf sie zugerannt und habe sie ins Schlafzimmer gezerrt. Dort habe er begonnen, sie zu attackieren.

Es sei ihr jedoch zunächst gelungen, ihn abzuwehren und wegzulaufen, sagte die 32-Jährige laut CNN der Polizei. Doch im Badezimmer habe Strauss-Kahn die Frau wieder erwischt und versucht, ihr die Unterhose herunterzureißen. "Ich habe gehört, sie ist aufgewühlt, aber soweit in Ordnung", sagte ein Kollege des Zimmermädchens der "New York Daily News".

Aus der 1. Klasse in Gewahrsam

´Wie die "New York Times" unter Berufung auf nicht näher genannte Polizeiquellen berichtete, hatten die Ermittler zunächst eine gerichtliche Anordnung zur Untersuchung des Verdächtigen beantragt. Da sich abgezeichnet habe, dass der IWF-Chef gegen Kaution freikommen könnte, habe man befürchtet, dass er sich mit den möglichen Spuren an seinem Körper ins Ausland absetzten könne, hieß es. Polizeisprecher John Grimpel sagte, die Beamten seien Strauss-Kahn auf die Spur gekommen, nachdem dieser kurz vor dem Abflug im Hotel angerufen habe, um nach seinem Handy zu fragen. Er habe den Hotelangestellten dann gesagt, wo er sei, damit sie ihm das Handy bringen könnten.

Strauss-Kahn soll am Samstag in einem New Yorker Luxushotel nackt über das Zimmermädchen hergefallen sein und versucht haben, die Frau zu Oralsex zu zwingen. Polizisten holten den IWF-Chef auf dem New Yorker Flughafen aus der ersten Klasse einer Air-France-Maschine - wenige Minuten vor dem Abflug nach Europa.

Strauss-Kahn war auf dem Weg zu Merkel

Der Franzose, der eines "kriminellen sexuellen Akts" und der "versuchten Vergewaltigung" beschuldigt wird, hatte eigentlich am Sonntag Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin treffen wollen. Am Montag war er bei der Tagung der EU-Finanzminister in Brüssel erwartet worden. Wegen des Skandals geraten nun auch die Verhandlungen über Hilfen für die angeschlagenen Euro-Länder Portugal und Griechenland unter Druck.

Der IWF-Aufsichtsrat wollte ursprünglich am Sonntag in Washington zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Wie das "Wall Street Journal" berichtete, wurde das Treffen aber wegen der Verzögerungen beim Gerichtstermin in New York ebenfalls verschoben. Vorerst übernahm IWF-Vize John Lipsky die Amtsgeschäfte. Unklar ist aber offenbar, wer bei einem Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe am Montag den IWF vertritt. Ein EU-Diplomat sagte, er wisse nicht, wer auf dem Stuhl von Strauss-Kahn Platz nehmen werde. Bei dem Treffen in Brüssel soll unter anderem das 78-Milliarden-Euro-Rettungspaket für Portugal gebilligt werden. Der IWF soll ein Drittel des Finanzpakets tragen. Auch über das hoch verschuldete Griechenland soll diskutiert werden. Strauss-Kahn hatte sich in der Vergangenheit stets persönlich für Finanzhilfen an bedrohte Eurostaaten stark gemacht.

In Frankreich löste die Festnahme Strauss-Kahns Bestürzung aus. Die Führungsfiguren der größten Oppositionspartei PS zeigte sich schockiert über die Anschuldigungen gegen ihren Genossen, der als aussichtsreichster linker Kandidat für die Präsidentschaftswahlen 2012 galt. Vereinzelt gab es die ersten Forderungen nach einem schnellen Rücktritt von seinem Chefposten beim IWF. Die französische Regierung rief zunächst nur dazu auf, das Prinzip der Unschuldsvermutung zu respektieren.

ben/swd/DPA/AFP / DPA