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Jahnsdorf in Sachsen: Mit Soldaten in Nazi-Uniform für Karnevalsfeier geworben - Verantwortliche rudern zurück

Nachdem ein sächsischer Verein mit einem Plakat, das drei Soldaten zum Teil mit Stahlhelmen und in Wehrmachtsuniform vor einem Stacheldrahtzaun zeigt, für seine Karnevalsfeier warb, hagelte es Kritik. Nun reagierten die Verantwortlichen.

In der erzgebirgischen Gemeinde Jahnsdorf in Sachsen ist ein Werbeplakat für eine Karnevalsveranstaltung mächtig nach hinten losgegangen. Auf einem Flyer zur großen Karnevalsparty Anfang März, der auch im Amtsblatt der Gemeinde abgedruckt wurde, hatte der Jahnsdorfer Carnevalsverein unter dem Motto: "Uns're Party hat 'ne Norm, dieses Jahr in Uniform." für die Feier geworben. Illustriert war die Reklame, die inzwischen sowohl auf Facebook wie auch auf der Homepage der Gemeinde gelöscht wurde, mit einer Foto-Collage aus der US-amerikanischen Satire-TV-Produktion "Ein Käfig voller Helden": Vor Zäunen mit Stacheldraht standen drei Soldaten zum Teil mit Stahlhelm und in Wehrmachtsuniform.

Der Verband Sächsischer Carneval verurteilte die Werbeaktion inzwischen scharf. "Wir distanzieren uns von dieser Art der Präsentation für eine Karnevalsveranstaltung", sagte Verbandssprecher Michael Rohde am Mittwoch. Mit diesem kritischen Geschichtsthema sollten auch Karnevalisten sehr feinfühlig umgehen. Verbandschef Jörg Weiser fand gegenüber der "Freien Presse" ebenfalls deutliche Worte. "Ich weiß nicht, was sich die Leute dabei gedacht haben, gerade in dieser Zeit", wird Weiser zitiert. Mit Stacheldraht und Uniformen könne er nichts anfangen, auch, weil sie nicht ausdrückten, "worum es beim Fasching geht: Freude, Spaß und Frohsinn", führte er aus.

Der Karnelvalsverein bezog auf Facebook Stellung. Man habe nicht bedacht, dass es Menschen gebe, die die US-Serie nicht kennen und "unseren klaren komödiantischen Charakter missdeuten könnten. Bei all diesen Menschen möchten wir uns in aller Form entschuldigen." Und weiter: "Es war in keinster Weise unsere Absicht, ein Politikum los zu treten oder irgendjemanden zu verstören." 

Jahnsdorfer Bürgermeister ruderte nach erster Zustimmung zurück

Auch der Bürgermeister von Jahnsdorf, Albrecht Spindler, ruderte nach einer ersten Zustimmung und womöglich auch durch die Berichterstattung diverser Medien inzwischen zurück. Zuvor hatten mehrere Medien über den Fall berichtet. Der Bürgermeister der Gemeinde Albrecht Spindler (parteilos), hatte die Werbung auf der Titelseite des Gemeindeblattes zunächst gebilligt, ruderte inzwischen aber zurück. "Ich habe es anfangs als erkennbare Satire eingeschätzt und daher zugelassen", sagte er am Mittwoch. Nach Gesprächen mit Bürgern sei ihm aber klar geworden, dass dieses Werbefoto Grenzen überschritten habe. "Im Nachhinein muss ich sagen: Ich hätte sensibler reagieren und die Veröffentlichung untersagen müssen."

Quelle: "Freie Presse"

mod / DPA