Johannes Paul II. Gespanntes Warten auf das Testament


Noch immer strömen Gläubige in die Stadt, um dem Papst die letzte Ehre zu erweisen - darunter auch US-Präsident George W. Bush. Die meisten kommen vergeblich, der Zugang zum Petersdom wurde geschlossen. Mit Spannung wird die Veröffentlichung des Testaments erwartet.

Einen Tag vor der Beisetzung von Johannes Paul II. herrscht in Rom weiter Chaos: Auch am Donnerstagmorgen standen noch immer hunderttausende Menschen in der kilometerlangen Warteschlange, um den im Petersdom aufgebahrten Leichnam des Papstes zu sehen. Jedoch hatte der Zivilschutz am Mittwochabend entschieden, keine weiteren Gläubigen zu der Schlange hinzu zu lassen. Damit sollte verhindert werden, dass unzählige Menschen viele Stunden lang umsonst warten: Die Basilika wird am Abend für Besucher geschlossen, um die Vorbereitungen für die Beisetzung am Freitag einzuleiten. Die Wartezeit in der noch mehrere hunderttausend Menschen zählenden Schlange betrug zuletzt bis zu 24 Stunden.

Die italienischen Behörden haben Pilger am Mittwoch aufgefordert, nicht in das Zentrum von Rom zu reisen. Die Stadt sei bereits überfüllt. Der Sicherheitsbeauftragte Guido Bertolaso forderte die Pilger auf, ein eigens für sie eingerichtetes Zeltlager am Rande Roms aufzusuchen. "Die Innenstadt kann die Ankunft von weiteren Gläubigen nicht mehr bewältigen", sagte Bertolaso. "Jeder, der heute Nacht oder morgen ankommt, wird keine Gelegenheit haben, das Begräbnis im Petersdom mitzuverfolgen."

Die Abriegelung am Ende der Schlange war für 22.00 Uhr angekündigt worden. Es dauerte jedoch mehr als eine Stunde länger, ehe die Absperrungen errichtet waren. Die Abgewiesenen Pilger reagierten enttäuscht. Eine Gruppe von etwa 150 Personen hinter der Absperrung rief im Chor “öffnen, öffnen“. Bis Mittwochabend zogen mehr als eine Million Menschen am Leichnam des am Samstag gestorbenen Papstes vorbei.

Bush, Clinton und Bush senior beteten

Unter den Trauernden war am Mittwochabend auch US-Präsident George W. Bush. Er suchte unmittelbar nach seiner Ankunft in Rom den Petersdom auf. Bush sowie die Expräsidenten Bill Clinton und George Bush senior knieten wenige Meter neben dem Toten nieder und beteten. Auch Bushs Frau Laura und US-Außenministerin Condoleezza Rice waren anwesend.

Bush ist der erste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten, der an Trauerfeierlichkeiten für einen Papst teilnimmt. Zuvor hatte Bush den gestorbenen Johannes Paul II. als eine der größten moralischen Führungspersönlichkeiten in der Geschichte gewürdigt. An diesem Freitag nimmt er an der Beisetzung des Papstes in Rom teil. Der US-Präsident war während seiner Amtszeit insgesamt drei Mal persönlich mit Johannes Paul II. zusammengetroffen.

Papst Johannes Paul II. hatte die amtierende US-Regierung unter Bush zuletzt öffentlich wegen des Irak-Krieges sowie des Folter- und Misshandlungsskandals im US-Militärgefängnis von Abu Ghoreib bei Bagdad kritisiert. Der Papst war außerdem offener Gegner der Todesstrafe, die von Bush als Form der Abschreckung befürwortet wird. Mit Ex-Präsident Clinton stritt der gestorbene Pontifex vor allem über Abtreibungsfragen.

Veröffentlichung des Testaments

Das Testament des Papstes soll am Donnerstag veröffentlicht werden. Bisher ist lediglich bekannt, dass es 15 Seiten lang ist und in polnischer Sprache verfasst wurde. Einige Passagen hat der Pontifex schon 1979 geschrieben, nur wenige Monate nach seiner Wahl.

Die in Rom versammelten Kardinäle bestimmten unterdessen den 18. April als Termin für das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes. Die Wahl beginnt damit am 16. Tag nach dem Tod Johannes Pauls. Das Kirchenrecht bestimmt, dass das Konklave frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach dem Todestag beginnen soll. An ihr werden wahrscheinlich nur 116 Kardinäle teilnehmen. Die philippinische Botschaft beim Vatikan gab am Mittwoch bekannt, dass Kardinal Jaime Sin zu krank sei, um nach Rom zu fliegen.

Letzte Vorbereitungen für die Beisetzung

Die Prälaten trafen auch letzte Vorbereitungen für die Beisetzung von Johannes Paul am Freitag. Dazu werden mehr als 200 Staats- und Regierungschefs sowie Würdenträger aller Religionen erwartet. Auch die Zeremonien der Beisetzung wurden festgelegt. Das Gesicht von Johannes Paul wird nach Angaben Marinis mit einem weißen Seidentuch bedeckt. Sein Körper wird in liturgische Gewänder gehüllt, der Kopf wird mit einer weißen Mitra bedeckt.

Entsprechend der Tradition werden die sterblichen Überreste in drei Särge gebettet - zwei aus Holz und dazwischen einer aus Zink. Dies soll den Verwesungsprozess verlangsamen. Dem Leichnam wird eine kleine Tasche mit Gedenkmedaillen beigelegt, ebenso ein versiegeltes Dokument mit einer auf Latein verfassten Lebensbeschreibung des Verstorbenen.

AP/DPA AP DPA

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