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Johannes Paul II.: Papst-Beisetzung im Petersdom

Ab Nachmittag kann die Öffentlichkeit vom aufgebahrten Johannes Paul II. Abschied nehmen. Der verstorbene Papst soll am Freitag in der Krypta des Petersdoms beigesetzt werden.

Papst Johannes Paul II. wird am Freitag in der Krypta des Petersdoms beigesetzt. Das teilte Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls nach der ersten Sitzung des Kardinalskollegiums am Montag mit. In den Händen dieses Gremiums liegt bis zur Wahl des neuen Papstes die Leitung der katholischen Kirche. Zu den ersten Aufgaben der Kardinäle gehört die Vorbereitung der Trauerfeierlichkeiten für den am Samstagabend verstorbenen Papst. Der Leichnam Johannes Pauls sollte am Nachmittag im Petersdom aufgebahrt werden.

Beisetzung frühestens vier Tage nach dem Tod

Das Regelwerk "Universi Dominici Gregis" aus dem Jahr 1996 legt fest, dass ein Papst frühestens am vierten und spätestens am sechsten Tag nach seinem Tod beigesetzt wird. Beobachter hatten es für möglich gehalten, dass der in Polen geborene Karol Wojtyla testamentarisch eine Beisetzung in seinem Heimatland verfügt hat. Diesen Spekulationen setzte die Erklärung des Vatikans nun ein Ende.

Auch wenn die Bestattung fern seiner polnischen Heimat stattfindet, wird er nicht ohne Heimaterde zur letzten Ruhe gebettet. Zur Beerdigung am Freitag bringt die Bürgermeisterin seines Geburtsortes Wadowice in Südpolen ein Säckchen Erde mit, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP meldet. Ewa Filipiak wird mit rund 100 Einwohnern aus Wadowice, wo auch am Montag hunderte in den Kirchen des Ortes für den Papst beteten, nach Rom reisen.

Trotz kalter Nacht harrten Gläubige auf dem Petersplatz aus

In der zweiten Nacht nach dem Tod von Papst Johannes Paul II. sind nur noch einige Dutzend Gläubige bis in die frühen Morgenstunden auf dem Petersplatz geblieben. Trotz der sehr kalten Nacht schliefen einige unter den Kolonnaden rund um den Platz, eine Gruppe von Polen hielt am Montagmorgen noch um ihre Landesflagge geschart Wache. Zur Seelenmesse für den Verstorbenen waren am Sonntag rund 100.000 Menschen zusammengekommen.

Pilger aus aller Welt haben in den kommenden Tagen Gelegenheit, dem Papst die letzte Ehre zu erweisen. Sein Leichnam sollte am Montagnachmittag vom Apostolischen Palast in den Petersdom übergeführt und dort öffentlich aufgebahrt werden.

Zu den Trauerfeierlichkeiten werden bis zu zwei Millionen Pilger in Rom erwartet. An der Beisetzung nehmen auch Staats- und Regierungschefs aus aller Welt teil, unter anderen Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Zum Schutz der Trauergäste werden die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärft. Koordiniert werden die Vorbereitungen vom Leiter der Zivilschutzbehörde, Guido Bertolaso. Er war bereits in den vergangenen Jahren für alle Großveranstaltungen in Italien zuständig, darunter für den Weltjugendtag 2000, zu dem mehr als eine Million junge Katholiken nach Rom kamen.

Die breite Straße, die zum Petersdom führt, ist bereits seit Tagen für den Privatverkehr gesperrt. Die Polizei fährt verstärkt Streife, Krankenwagen stehen für Notfälle bereit. Shuttlebusse verkehren zwischen dem Vatikan und den beiden großen Bahnhöfen Roms. Sonderzüge und zusätzliche Parkplätze sollen helfen, den Pilgerstrom zu bewältigen. Vor den Toren der Stadt wird ein riesiger Campingplatz eingerichtet. Der Flughafen Leonardo da Vinci wird vermutlich beim Eintreffen der Staatsgäste aus aller Welt teilweise geschlossen.

Konklave beginnt spätestens 20 Tage nach dem Tod

Das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes beginnt 15 bis 20 Tage nach dem Tod Johannes Pauls, also frühestens am Sonntag in einer Woche. Wahlberechtigt sind 117 Kardinäle - alle bis auf drei wurden von Johannes Paul II. ernannt. Als mögliche Nachfolger gelten rund ein Dutzend Kardinäle.

Zwei Kardinäle aus der Karibik sprachen sich dafür aus, dass der nächste Papst aus Lateinamerika kommt. Nicolas de Jesus Lopez Rodriguez aus der Dominikanischen Republik verwies darauf, dass die Hälfte der weltweit eine Milliarde Katholiken in Lateinamerika lebt. "Wer immer gewählt wird, sollte sein Augenmerk besonders auf diesen Kontinent richten", sagte er. Auch der puertoricanische Kardinal Luis Aponte Martinez erklärte, es spreche viel dafür, dass ein Geistlicher aus Mittel- oder Südamerika die Nachfolge von Johannes Paul II. antrete.

AP/Reuters / AP / Reuters