Johannes Paul II. Vatikan erwägt rasche Heiligsprechung


Die Kardinäle sind uneins darüber, wie schnell Papst Johannes Paul II. heilig gesprochen werden sollte. Manche unterschreiben eine Unterschriftenliste für ein rasches Vorgehen. Andere verweisen auf die "weisen Regeln".

Papst Johannes Paul II. könnte nach Einschätzung des Vatikans rasch heilig gesprochen werden. Eine "erhebliche Anzahl" von Kardinälen habe eine Unterschriftenliste für ein schnelleres Vorgehen als üblich unterzeichnet, berichtete die italienische Zeitung "Corriere della Sera". Der Prozess könne bereits im Oktober auf einer Bischofssynode in Rom eingeleitet werden, sagte der Sekretär der Kongregation für die Heiligsprechung, Edward Nowak, der italienischen Zeitung.

Während der Trauerfeier am Freitag war der verstorbene Papst von der Menge auf dem Petersplatz in Sprechchören immer wieder als "Santo", als Heiliger, gefeiert worden. Auf Transparenten war die Forderung nach einer schnellen Heiligsprechung Johannes Pauls zu lesen: "Santo Subito".

"Weise Regeln" verlangen zeitlichen Abstand

Er habe diese Reaktion nicht erwartet, finde sie aber großartig, sagte Erzbischof Nowak. Es erinnere an die Akklamation von Heiligen, wie sie früher üblich gewesen sei. Heute gibt es allerdings strenge Kriterien für eine Heiligsprechung. Viele Kardinäle riefen deshalb dringend dazu auf, die so genannten "weisen Regeln" der Kirche zu beachten. Diese verlangen ein umsichtiges Vorgehen und einen klaren zeitlichen Abstand. Das Kirchenrecht macht eine Heiligsprechung davon abhängig, dass zuerst eine Seligsprechung erfolgt. Dieser Vorgang kann frühestens fünf Jahre nach dem Tod eingeleitet werden. Für die Seligsprechung ist zudem ein "Wunder" nachzuweisen - meist handelt es sich um eine wissenschaftlich unerklärliche Heilung. Für die Heiligsprechung wird dann ein weiteres "Wunder" verlangt. Nur in außergewöhnlichen Fällen kann ein Mensch auch sofort heilig gesprochen werden, wie der Fall der 1997 verstorbenen Mutter Teresa zeigt. Ob auch für Johannes Paul eine solche Ausnahme gemacht werde, müsse laut Nowak der neue Papst entscheiden.

Missbrauchsopfer kritisieren US-Kardinal Law

Währen sich in Rom das Kardinalskollegium erneut zu Beratungen über das kommende Woche beginnende Konklave traf, kam es in den USA zu massiven Protesten gegen den Erzbischof von Boston, Kardinal Bernard Law. Der Kardinal hatte heute die tägliche Messe für Johannes Paul im Petersdom zelebriert. Zuvor war jedoch bekannt geworden, dass er der Versetzung von Priestern zustimme, die Kinder sexuell missbraucht hatten.

Der Skandal um sexuellen Missbrauch durch katholische Priester hatte die katholische Kirche in den USA tief erschüttert. Die Diözese erklärte sich später zur Zahlung von 85 Millionen Dollar Schmerzensgeld an jugendliche Missbrauchsopfer bereit. Dass jetzt Kardinal Law die Messe für den verstorbenen Pontifex zelebrieren durfte, sei schmerzlich für die Opfer und beschämend für die katholische Kirche, kritisiert eine Unterstützergruppe für die Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester in den USA.

AP/DPA AP DPA

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