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Jubiläum der Deutschen Welthungerhilfe: Eine 50-jährige Suche nach neuen Spendern

Die Deutsche Welthungerhilfe, eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland, wird 50 - und muss sich auch im Jubiläumsjahr mal wieder neu orientieren.

Eine der dringlichsten Fragen für die Deutsche Welthungerhilfe (DWHH) hat sich in den vergangenen 50 Jahren nicht geändert: Wie kommen wir an Spenden? Zum Jubiläum an diesem Freitag (14. Dezember) stellte die Präsidentin der Organisation, Bärbel Dieckmann, einmal mehr fest: "Die Menschen bleiben spendenbereit, werden aber kritischer." Man müsse jüngere Menschen ansprechen - mit deren Sprache und mit deren Bildern.

Das ist nicht so einfach. Die bisherige Akquise über Postwurfsendungen, Werbebroschüren, Star-Galas oder die mit viel Werbeaufwand betriebene "Woche der Welthungerhilfe" unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten sprechen vornehmlich die Generationen über 50 an. Und auch diese Spender wurden in den vergangenen Jahren immer wieder durch Skandale und Skandälchen bei verschiedenen Hilfsorganisationen abgeschreckt.

Die Jungen haben ein anderes Spendenverhalten. Sie lassen sich eher für überschaubare Kleinprojekte gewinnen als für die der großen Player auf dem Spendenmarkt. Und sie bewegen sich im Internet - hier wollen sie angesprochen und abgeholt werden. Der ganze Spendenmarkt ist also zur Zeit im Umbruch.

"Überparteilich" und doch der Politik sehr nahe

Das Spendenaufkommen der Welthungerhilfe lag laut Dieckmann in den vergangenen Jahren stabil bei durchschnittlich 32 Millionen Euro. In etwa das Dreifache kommt über öffentliche Zuwendungen in die Kasse der Hilfsorganisation, vor allem von EU-Kommission, Entwicklungsministerium und Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen. Trotz dieser Unterstützung war das Verhältnis zur Politik und insbesondere zum Entwicklungsministerium immer wieder angespannt.

Die Organisation nennt sich nicht konfessionell gebunden und überparteilich. Doch sie ist aufgrund ihrer Nähe zur Politik sehr politisch. Das zeigen schon die Namen der drei letzten Chefinnen: Bärbel Dieckmann (seit 2008), ehemalige Bonner SPD-Oberbürgermeisterin, Ingeborg Schäuble (1996-2008), die Frau des heutigen Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU), und die Ende 1995 tödlich verunglückte Frau des früheren CDU/CSU-Fraktionschefs Rainer Barzel, Helga Henselder-Barzel (1984-1995).

Regelmäßig sorgte etwa der zusammen mit dem Hilfswerk terre des hommes veröffentlichte Bericht zur Wirklichkeit der Entwicklungshilfe für Streit. Mitte der 1990er Jahre gerieten deswegen Henselder-Barzel und der damalige Entwicklungsminister Carl-Dieter Spranger (CSU) aneinander. Von "Kampfschrift" war die Rede und von "mangelndem entwicklungspolitischem Profil" der Hilfsorganisation. Damals wurde die Angst geschürt, die Welthungerhilfe könnte bei den Projektmittelvergaben hintenüberfallen.

Engagement vornehmlich in ländlichen Regionen

Ingeborg Schäuble hatte bei Amtsantritt Mühe, die Wogen zu glätten und auch die Querelen innerhalb der Organisation auszuräumen. Die Kritik an der Entwicklungspolitik der Bundesregierung blieb, allerdings nicht in der gleichen Schärfe. Die Welthungerhilfe unter der SPD-Frau Bärbel Dieckmann wird vom heutigen FDP-Ressortchef Dirk Niebel als Partner in der Entwicklungszusammenarbeit ganz offensichtlich geschätzt.

Das dürfte unter anderem damit zu tun haben, dass die Arbeit der Welthungerhilfe und deren pragmatischer Ansatz den Plänen des Ministers etwa in Afghanistan entgegenkommen. Andere Organisationen schrien auf, als Niebel in dem Bürgerkriegsland eine Zusammenarbeit der privaten Helfer mit der Bundeswehr verlangte. Dieckmann dagegen hält eine Koordination des militärischen und zivilen Einsatzes für sinnvoll. Ohne Militär geht es noch nicht, sagte sie 2010 bei einem Besuch mit Niebel in Afghanistan.

Und auch in den Dürregebieten am Horn von Afrika ist das Know-How der vornehmlich in der ländlichen Entwicklung tätigen Organisation gefragt. Dort müssen Hunderttausende von Hungerflüchtlingen aus Somalia versorgt werden, und die Entwicklungspolitik unter Niebel hat dafür den Wert des ländlichen Raumes entdeckt. Zumindest in diesem Punkt also günstige Aussichten für die Deutsche Welthungerhilfe 50 Jahre nach ihrer Gründung.

Ruppert Mayr und André Stahl, DPA / DPA