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Kachelmann-Prozess: Heftiger Streit um Exklusivvertrag

Ein Exklusivvertrag sorgt für Aufregung im Gerichtssaal: Eine Ex-Freundin von Kachelmann hatte die Öffentlichkeit vor ihrer Aussage ausschließen lassen. Mit einer Illustrierten plaudert sie hingegen ungeniert - gegen Geld.

Im Prozess gegen Jörg Kachelmann ist es zu einer heftigen Auseinandersetzung um die Rolle der Medien gekommen. Anlass ist ein Exklusivvertrag, den eine Zeugin vor ihrer Vernehmung mit der Illustrierten "Bunte" abgeschlossen hat. Vor ihrer Aussage am Montag hatte sie die Öffentlichkeit aus dem Gerichtssaal ausschließen lassen. Vermeintlich, um pikante und intime Details nicht den Journalisten in die Blöcke diktieren zu müssen. Allerdings hatte die 29-Jährige Försterin bereits zuvor mit der Presse gesprochen - und dieses Gespräch sollte bis zum Erscheinen der Ausgabe exklusiv bleiben.

Spiele mit den Medien von beiden Seiten

Dies sei eine "Unverschämtheit und Missachtung des Gerichts", empörte sich nun Kachelmanns Verteidiger Klaus Schroth. Indirekt bezweifelte er die Glaubwürdigkeit der Zeugin. Das wiederum brachte den Staatsanwalt Lars-Torben Oltrogge auf. Denn auch von der Seite des Angeklagten sei versucht worden, die Presse zu instrumentalisieren. Ein "medialer Berater" Kachelmanns habe ihm bereits vor der Anklageerhebung mitgeteilt, dass die Verteidigung im Falle einer Anklage an die Presse gehen werde - "zum Teil auch auf dem Rücken der Nebenklägerin". Der Staatsanwalt sagte, die Zeugin habe am Montag korrekt auf die Fragen der Verteidigung geantwortet. Es sei ihr überlassen, ob und welche Verträge sie mit einer Illustrierten aushandle oder nicht.

Trotz aller Exklusivität war am Mittwoch dann doch einiges über die Vernehmung der Ex-Geliebten vom Montag zu erfahren. Die Försterin hatte darin unter Ausschluss der Öffentlichkeit unter anderem über ein Telefonat berichtet, das Kachelmann am Tag nach der angeblichen Tat mit ihr geführt hatte. Nun sagte die Freundin der Försterin aus, diese habe am Telefon gesagt: "Du, ich habe mit Jörg telefoniert und das war ganz komisch." Kachelmann habe "total bedrückt und fahrig" gewirkt - so gab es die Freundin aus zweiter Hand in der öffentlichen Sitzung wieder.

Kachelmanns Verteidiger plauderten aus, dass die frühere Geliebte dem Angeklagten während seiner Untersuchungshaft Kondome und eine Intim-Waschlotion als Geburtstagsgeschenk in das Mannheimer Gefängnis geschickt. Dies sei "eine Geschmacklosigkeit", zumal die Zeugin nach der Verhaftung Kachelmanns zunächst ihre Loyalität in einer E-Mail an den Moderator bekundet habe, wie der Verteidiger betonte.

Die Freundin der Försterin erscheint vor Gericht

Die Beziehung zwischen Kachelmann und der Försterin sei zwischenzeitlich recht angespannt gewesen. "Bei so viel Anspannung ist es nur logisch, dass es irgendwann zum Knall kommt", sagte die Freundin der Försterin. Doch welche Spannungen sie genau meinte, blieb unklar. Im Januar dieses Jahres hatte sich die Försterin von Kachelmann getrennt, war aber weiter mit ihm in Kontakt geblieben. Das Telefonat am Tag nach der möglichen Tat könnte als belastendes Indiz gewertet werden.

Zu Kachelmanns Verhalten sollen am Mittwoch auch die Kollegen des Wettermoderators angehört werden. Am Morgen nach der angeblichen Tat war Kachelmann zu den Olympischen Spielen nach Vancouver geflogen, um von dort aus über das Wetter zu berichten.

Einen weiteren Tag später schrieb Kachelmann eine Mail an den Mitteldeutschen Rundfunk. Darin sagte er "auf ärztlichen Rat" eine geplante Fortsetzung der MDR-Talksendung "Kachelmann Spätausgabe" ab. Er wolle nicht als "Deisler reloaded" enden oder als Heulsuse oder Schlimmeres, schrieb er in der Mail, die in der Sitzung vorgelesen wurde. Der Fußballspieler Sebastian Deisler hatte seine vielversprechende Karriere wegen psychischer Probleme beenden müssen. Die Verteidigung verlas jedoch eine weitere Mail, in der Kachelmann schon im Januar angekündigt hatte, er wolle keine weiteren Talksendungen moderieren.

Gynäkologin bestätigt Hämatome

Ebenfalls am Mittwoch vernommen wurde die Frauenärztin, die das mutmaßliche Opfer untersuchte. Die Gynäkologin der Heidelberger Frauenklinik sagte, die Partientin habe am Morgen nach der mutmaßlichen Tat beginnende Hämatome an beiden Oberschenkeln gehabt. Ähnliche Verletzungen habe sie bei Vergewaltigungsopfern gesehen. Außerdem sei die Patientin am Hals verletzt gewesen, "ähnlich einer Kratzspur". Die Frau sei "sehr ruhig und gefasst" gewesen. Sie habe damals weder den Namen des mutmaßlichen Täters noch Genaueres über den Tathergang berichtet. Die Patientin habe gesagt, dass es am Abend Streit mit ihrem Freund gegeben habe und er sie gegen 2.00 Uhr vergewaltigt und mit einem Messer bedroht habe. Bei den Untersuchungen seien ihr keine Verletzungen aufgefallen, sagte die Ärztin. Dies sei aber nicht ungewöhnlich, da Vergewaltigungsopfer nicht zwangsweise innere Verletzungen aufweisen müssten.

Kachelmann wird vorgeworfen, eine 37-jährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Das mutmaßliche Opfer wurde bereits ausführlich vernommen. Kachelmann weist die Vorwürfe zurück und spricht von einer einvernehmlichen Trennung von seiner langjährigen Freundin.

Inzwischen gehen die Prozessbeteiligten davon aus, dass das Urteil erst 2011 fallen wird. Bisher war der 21. Dezember 2010 als letzter Verhandlungstag geplant.

be/sal/swd/DAPD/DPA / DPA