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Kairo: Ägyptische Kopten bestimmen ihren neuen Papst

Erstmals seit mehr als 40 Jahren müssen die Kopten in Ägypten einen Papst bestimmen. Nach einer ersten Wahlrunde wird der Nachfolger von Schenuda III. per Los bestimmt.

In Ägypten haben die koptischen Christen unter massiven Sicherheitsvorkehrungen ihre Kandidaten für die Nachfolge des verstorbenen Papstes Schenuda III. bestimmt. Bei einer vom Staatsfernsehen übertragenen Synode in der Markus-Kathedrale in Kairo wählten die mehr als 2000 Geistlichen und Laien von fünf Bewerbern drei aus, die in die Endrunde am Sonntag kommen. Dann entscheidet das Los, wer das 118. Oberhaupt der größten christlichen Gemeinde im Nahen Osten wird.

Die meisten Stimmen erhielten bei der Abstimmung Bischof Raphael aus Kairo und Bischof Tawadros aus dem Nil-Delta sowie der Mönch Raphael Afamena, mit 70 Jahren der älteste unter den Kandidaten. Deren Namen werden in der Endrunde auf jeweils einen Zettel geschrieben und in einer Urne auf dem Altar der Kathedrale platziert. Ein Kind mit verbundenen Augen zieht einen der Zettel heraus und bestimmt damit den nächsten Papst. So zählt nach Meinung der in Kairo versammelten Kopten letztendlich auch "Gottes Wille". Das neue Kirchenoberhaupt soll am 18. November feierlich eingesetzt werden.

Papst Schenuda III. war im März nach langer Krankheit im Alter von 88 Jahren gestorben. Er hatte der koptisch-orthodoxen Kirche 40 Jahre lang vorgestanden. In Ägypten leben etwa acht Millionen Kopten. Sie machen zehn Prozent der Bevölkerung aus. Immer wieder gibt es religiöse Unruhen zwischen Muslimen und Kopten auch mit tödlichem Ausgang.

Tausende Kopten sind bereit Ägypten zu verlassen

So waren Anfang 2011 vor einer Kirche in der Hafenstadt Alexandria in der Silvesternacht mehr als 20 Menschen bei einem Bombenanschlag getötet worden. Im Oktober desselben Jahres kamen bei blutigen Zusammenstößen zwischen Kopten und Muslimen in Kairo 26 Menschen, überwiegend Christen, ums Leben.

Seit dem politischen Aufstieg der Muslimbruderschaft häufen sich außerdem Meldungen über die Vertreibung von Kopten aus ägyptischen Dörfern und Städten. Zuletzt tauchten im Grenzort Rafah auf der Sinai-Halbinsel Flugblätter mit dem Aufruf auf, alle Christen zu verjagen. Für Aufsehen sorgte auch die vorübergehende Festnahme zweier christlicher Kinder wegen Gotteslästerung. Sie sollen einen Koran beschädigt haben.

Nach Angaben des Bischofs der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, sind inzwischen zigtausende Kopten bereit, Ägypten zu verlassen. Viele fühlten sich bedroht und von den neuen Machthabern im Stich gelassen. Für den künftigen Papst wird das wohl die größte Herausforderung werden. Damian sagte: "Wir brauchen nicht nur einen Theologen, sondern auch einen tröstenden Vater."

DPA / DPA
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