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Kardinäle Brandmüller und Marx Zwei neue Purpurträger aus Bayern


Papst Benedikt XVI. beantwortet die Kardinalsfrage: Gleich 24 neue Purpurträger will das Oberhaupt der katholischen Kirche im kommenden Monat ernennen, darunter den Münchener Erzbischof Reinhard Marx und den Kirchenhistoriker Walter Brandmüller.

Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und der bayerische Kirchenhistoriker Walter Brandmüller erhalten die Kardinalswürde. Papst Benedikt XVI. verlas am Mittwoch bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom die Namen von 24 künftigen Kardinälen. Sie sollen am 20. November in den Kardinalsstand erhoben werden. Damit steigt die Zahl der deutschen Kardinäle auf acht. Kirchenvertreter und Politiker gratulierten Marx und Brandmüller zu ihrer Berufung.

Marx sieht in seiner Ernennung Ansporn und Herausforderung zugleich. "Ein Kardinal steht in Treue fest zum Heiligen Vater und hat ihn in seinem Dienst mit ganzem Einsatz zu unterstützen. Das will ich gerne und mit Freude tun", sagte er.

Gerade in der gegenwärtigen Zeit Kardinal zu sein, sei eine große Herausforderung. "Die Erschütterungen der letzten Monate müssen Ausgangspunkt einer geistlichen Vertiefung unseres Glaubens und eines neuen Mutes zur Evangelisierung nach innen und nach außen werden", sagte der 57-Jährige. Mit der Ernennung unterstreiche der Papst auch "seine Verbundenheit mit seinem Heimatbistum, dem er selber fast fünf Jahre vorgestanden hat". Benedikt XVI. war der Vorvorgänger von Marx auf dem Bischofsstuhl.

Marx' Ernennung keine Überraschung

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, wertete die Berufung von Marx als besondere Würdigung von dessen "vielfältigem Wirken" als Weihbischof in Paderborn, als Bischof von Trier und nun als Erzbischof von München und Freising. Von Anfang an habe Marx "auch in unserer Bischofskonferenz ein gewichtiges Wort mitgeredet und manche Weichen gestellt". Der Trierer Bischof Stephan Ackermann betonte, die Diözese freue sich mit ihrem früheren Bischof und sei stolz auf ihn.

Die Bewegung "Wir sind Kirche" appellierte an den künftigen Kardinal, seine sehr guten Beziehungen zum Papst nicht nur im Gehorsam zu verstehen, sondern auch den Mut zu finden, den "seit langem aufgestauten Reformbedarf" der Kirche anzusprechen. Bayerns evangelischer Landesbischof Johannes Friedrich zeigte sich erfreut über die Auszeichnung: Sie würdige Marx' "beherztes Handeln, auch gegen erheblichen Widerstand, in einer Zeit der Lähmung".

Die Ernennung von Marx war bereits seit längerem erwartet worden. Die Erzbischöfe von München und Freising sind nach Angaben der Erzdiözese seit dem Jahr 1914 in ununterbrochener Reihenfolge mit der Kardinalswürde ausgezeichnet worden.

Brandmüller nicht wahlberechtigt

Brandmüller, der unter anderem an der Universität Augsburg Kirchengeschichte lehrte, war lange Jahre Präsident der Päpstlichen Kommission für Geschichtswissenschaft und damit Chefhistoriker des Vatikans. Wegen seines Alters von 81 Jahren ist der gebürtige Mittelfranke bei einer künftigen Papstwahl nicht mehr wahlberechtigt.

Zollitsch betonte, mit Brandmüllers Ernennung zum Kardinal werde dessen "vielfältiges und herausragendes Wirken für die Geschichtswissenschaft" gewürdigt. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick wertete die Berufung als Würdigung von Brandmüllers "kompetentem und engagiertem Eintreten für die unverfälschte Tradition der Kirche". Es sei auch für die Erzdiözese Bamberg "eine große Ehre, dass einer ihrer Priester in den Kardinalsstand erhoben wurde".

"Tag der Freude für Bayern"

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, die Ernennung der beiden Kardinäle sei ein "Tag der Freude, der Ehre und des Stolzes für ganz Bayern". Zusammen mit dem früheren Münchner Erzbischof Friedrich Wetter kämen damit künftig drei der acht deutschen Kardinäle aus dem Freistaat. Der bayerische SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher sprach von einem Zeichen "der besonderen und engen Verbundenheit von Papst Benedikt mit seinem Heimatland Bayern".

Unter den 24 Neuernannten sind mehrere wichtige Funktionäre aus dem Vatikan, darunter der neue Ökumeneminister des Vatikans, der Schweizer Kurt Koch, der Präsident des Päpstlichen Rats Cor Unum, Robert Sarah, sowie die Präfekten der Kongregationen für Heiligsprechungen und für den Klerus, Angelo Amato und Mauro Piacenza.

Nach Angaben von Radio Vatikan erhöht sich die Zahl der "Purpurträger" im November damit auf 203. Zur Papstwahl wären von ihnen derzeit 121 berechtigt, da zum Konklave nur Kardinäle zugelassen sind, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Petr Jerabek, APN APN

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