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Kardinal Meisner: "Eine katholische Familie ersetzt mir drei muslimische"

Joachim Meisner hat mit einer Äußerung für Entsetzen gesorgt. Eine katholische Familie sei ihm lieber als drei muslimische, sagte der Kölner Kardinal vor Anhängern einer konservativen Gruppierung.

Der Kölner Kardinal Meisner während einer Predigt Ende Januar - schon mehrfach hat der Würdenträger mit seinen Aussagen provoziert

Der Kölner Kardinal Meisner während einer Predigt Ende Januar - schon mehrfach hat der Würdenträger mit seinen Aussagen provoziert

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit einer Äußerung über muslimische Familien für Aufregung gesorgt. "Eine Familie von euch ersetzt mir drei muslimische Familien", sagte Meisner während einer Veranstaltung der konservativ-katholischen Gruppierung Neokatechumenalen Weg. Von dem Auftritt existiert ein Video, während des umstrittenen Satzes ist Gelächter aus dem Publikum zu hören.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warf daraufhin Meisner laut "Frankfurter Allgemeine" vor, dass er Ressentiments und islamfeindliche Stimmungen bediene. Auch Bekir Alboga von der Türkisch-Islamischen Union (Ditib) übte gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger" Kritik: "Man stelle sich vor, ein muslimischer Würdenträger in vergleichbarer Position würde diesen Satz formulieren - ein Empörungsschrei ginge durch die Gesellschaft." Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), versuchte die Wogen zu glätten. Zwar könne sie die Meinung Meisners nicht verstehen. Da es sich aber seine Privatmeinung handele, werde sie diese nicht kommentieren, sagte die Politikerin dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Meisner bedauert "Irritationen"

Meisner hatte im Dezember seinen 80. Geburtstag gefeiert und hat bereits sein Rücktrittgesuch an den Papst in Rom gestellt. Er sprach anlässlich einer Buchvorstellung des Gründers des Neokatechumenat, Kiki Argüello, ein Grußwort. Zuvor hatte der spanische Künstler die Fruchtbarkeit seiner Anhänger gelobt und behauptet, sie bekämen "mehr Kinder als die Muslime". Die Gruppierung gilt als autoritär geführt.

Immerhin scheint die Kritik den Kardinal nicht kalt zu lassen. "Es war keineswegs meine Absicht, Menschen anderen Glaubens damit zu nahe zu treten", versicherte er in einer Stellungnahme am Mittwoch. Er bedauere, dass seine Aussage zu Irritationen geführt habe. "Meine Wortwahl war in diesem Fall vielleicht unglücklich. Ich habe schon verschiedentlich gesagt, dass muslimische Familien unserer überalternden Gesellschaft in manchem ein Beispiel geben."

she/DPA / DPA