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Katholikentag in Regensburg: Ruf nach Reformen in der Kirche

Mehr Frauen in Führungspositionen, Sakramente für geschiedene Wiederverheiratete: Zehntausende Christen haben beim Deutschen Katholikentag gemeinsam gefeiert und auch kontroverse Themen diskutiert.

Zwei Ordensschwestern beim Katholikentag in Regensburg

Zwei Ordensschwestern beim Katholikentag in Regensburg

Gut ein Jahr nach der Wahl von Papst Franziskus haben Zehntausende Christen beim Deutschen Katholikentag neben der Feier ihres Glaubens auch Reformen in Kirche und Gesellschaft verlangt.

Das Zentralkomitee der Katholiken (ZdK) als Laiengremium und die Bischöfe werteten das fünftägige Treffen von 53.000 Gläubigen in Regensburg als hoffnungsvolles Signal des Aufbruchs und der Zuversicht für ihre unter Reformdruck stehende Kirche.

"Der Franziskus-Effekt ist da", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, zum Abschluss am Wochenende. "Es gibt mehr Bereitschaft zum Dialog, Konfliktthemen werden freier und offener diskutiert", bilanzierte ZdK-Präsident Alois Glück.

Papst Franziskus sorgt in der katholischen Kirche für ein neues Klima der Offenheit und weckt bei vielen der gut 24 Millionen Katholiken in Deutschland Hoffnung auf Veränderungen. Auf Podien in Regensburg wurden auch kontroverse Themen diskutiert wie die Sexualmoral der Kirche, der Umgang mit Menschen, die nach der Scheidung nochmals geheiratet haben, die Schwangerenkonfliktberatung oder die Kirchenfinanzen. Zudem feierten und beteten die Pilger gemeinsam.

Marx zog ein positives Fazit des größten Laientreffens. "Man konnte eine große Zuversicht erfahren, eine große Bereitschaft, sich als katholische Kirche auf den Weg zu machen", sagte der Münchner Erzbischof. "Es war nach einigen schwierigen Jahren ein erfreulicher, ein Mut machender Katholikentag, der uns ermutigt, mit christlicher Hoffnung weiterzugehen."

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der sein Bistum eher konservativ leitet, behält das Glaubensfest in positiver Erinnerung. "Wir haben einen frohen, weitgehend harmonischen, unverkrampften Katholikentag erlebt." Es habe keine "verbissene und kämpferische Stimmung" gegeben, dennoch sei es ein Katholikentag des Dialogs gewesen. "Alle strittigen Themen sind angesprochen worden, es konnten sich aber natürlich nicht alle strittigen Fragen in Luft auflösen."

Am Samstag gab es nochmals Bibelarbeiten, Diskussionen, Workshops und Konzerte. Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode machte wiederverheirateten Geschiedenen in der katholischen Kirche Hoffnung: "Wir sind da wirklich heiß dran." Im Oktober werde die Bischofssynode in Rom darüber beraten. Bisher sind Katholiken, die nach einer Scheidung erneut heiraten, vom Empfang der Sakramente ausgeschlossen.

Der vor einer Woche in Passau zum Bischof geweihte Stefan Oster sprach sich für mehr Frauen in kirchlichen Führungspositionen aus. Für ein Priestertum für Frauen sieht er dagegen keine Möglichkeit. "Ich bin der tiefen Überzeugung, dass das nicht gehen wird."

Marx kritisierte die Millionengehälter von Managern als "Verirrung" und verlangte eine Neubewertung. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) forderte, dass Bonuszahlungen nicht mehr als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden können. Die aktuelle Regelung sei "zum Teil obszön", denn: "Damit bezahlt der Steuerzahler einen Teil der hohen Managergehälter."

Alt-Bundespräsident Horst Köhler prangerte die Politik des Westens gegenüber Entwicklungsländern an. "Dass der Westen erst Bomben auf Libyen wirft und dann die europäischen Außengrenzen verstärkt werden, damit die Flüchtlinge (...) an der Einreise gehindert werden - das ist ungerecht."

car/DPA / DPA