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Katholikentag Mehr als 60.000 Gläubige feiern in Mannheim


Beim 98. Katholikentag in Mannheim treffen sich tausende Gläubige, um am Himmelfahrts-Wochenende gemeinsam mit Gleichgesinnten zu feiern. Neben Erzbischof Robert Zollitsch nimmt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Veranstaltung teil.

Der Friede des Herrn sei mit Dir", sagt eine Nonne zu einer jungen Frau und drückt ihr dabei fest die Hand. Tausendfach geben sich die Teilnehmer des Katholikentags am Donnerstagmorgen diesen Friedensgruß mit auf den Weg. "Diese Gemeinschaft ist das Schönste", sagt die Nonne beim Himmelfahrts-Gottesdienst. 17 000 Gläubige haben sich bei strahlendem Sonnenschein vor dem Mannheimer Schloss versammelt. Es ist ein perfekter Auftakt für die ausgelassene Katholikentags-Stimmung. Die Predigt von Erzbischof Robert Zollitsch wird - das kennt man sonst gar nicht aus der Kirche - immer wieder von Applaus unterbrochen.

Mehr als 60 000 Katholiken feiern in Mannheim bis zum Sonntag ein riesiges Glaubensfest. In der ganzen Stadt wird gesungen und gebetet, es gibt Andachten und Bibelarbeiten. "Ich möchte einfach abschalten und mich mittragen lassen von der guten Stimmung hier", erzählt eine Frau. Eine andere fügt hinzu: "Es ist toll, mit so vielen verschiedenen Menschen zusammenzukommen, zu sehen, was andere begeistert." Überall in der Stadt sieht man die orangenen Schals und die roten Katholikentags-Rucksäcke. Einige ziehen mit Pilger-Stäben durch die Straßen. Die Turnhallen der Mannheimer Schulen haben sich zu riesigen Schlaf-Quartieren verwandelt. Vor allem die jungen Kirchentagsbesucher haben dort ihre Schlafsäcke ausgerollt.

Helmut Seitz aus dem Schwarzwald, der als Helfer bei dem Laientreffen mitarbeitet, will vor allem Veranstaltungen mit hochkarätiger Besetzung besuchen - etwa mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). "Wenn man mal die Möglichkeit hat, diese Leute zu sehen, dann kann man sie doch auch nutzen." Möglichkeiten gibt es in dem fast 600 Seiten dicken Veranstaltungsheft genug. "Wir haben sooo ein Programm. Wir werden uns das beste rauspicken", sagt eine Frau.

Mehr als 1200 Veranstaltungen

Doch es geht nicht nur um die gute Stimmung. Die Laien wollen bei ihrem Treffen vor allem über die Probleme ihrer Kirche und über Reformen diskutieren. Denn gerade bei den jungen Katholiken wächst der Unmut über die Kirche. In den Gemeinden fehlen Priester, und viele Reform-Bemühungen scheitern am Widerstand aus Rom. "Es geht auch um die neue Sortierung der katholischen Kirche, weil ja so viele Priester fehlen", sagt eine Frau.

Bei mehr als 1200 Veranstaltungen soll es noch bis zum Sonntag unter anderem um mehr Einbindung von Frauen in die Seelsorge, die Ehelosigkeit der Priester oder die Situation von Menschen gehen, die in zweiter Ehe leben und deshalb von der Eucharistie ausgeschlossen sind. Maritess Vollrath liegt außerdem der Dialog der Religionen sehr am Herzen. "Gerade dafür ist das multikulturelle Mannheim ein guter Ort", sagt die 20-Jährige aus der Nähe von Tauberbischofsheim.

Auch wenn der Katholikentag unter dem Motto "Einen neuen Aufbruch wagen" läuft, haben längst nicht alle Teilnehmer noch die Hoffnung, dass die Diskussionen über Reformen in der katholischen Kirche wirklich etwas bringen. Der 54-jährige Andreas Grimm jedenfalls bleibt vorsichtig, ob es tatsächlich zu einem Aufbruch kommt. "Man wird sehen", meint das Kolping-Mitglied.

Ihre Laune verderben lassen von der reformkritischen Haltung der Amtskirche wollen sich die Katholiken aber auf keinen Fall. "Ich versuche, mich nicht über Missstände in den Kirchen zu ärgern. Das Wichtigste ist das Gebet und die Verbindung zu Gott", sagt eine Rentnerin.

jat/DPA DPA

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