Katholische Kirche am Scheideweg Mixa, Missbrauch, Zölibat


Während die Missbrauchsvorwürfe die Führungsetage der katholischen Kirche erreicht haben, spekuliert der Bamberger Erzbischof Schick über eine Lockerung des priesterlichen Enthaltsamkeitsgebots.

Die deutschen Katholiken haben die Ablösung des unter Missbrauchsverdacht stehenden Augsburger Bischofs Walter Mixa als Schritt zur Klarheit und Chance zu einem Neuanfang begrüßt. Papst Benedikt XVI. akzeptierte am Samstag das Rücktrittsgesuch Mixas, der nach anfänglich geleugneten Prügel-Vorwürfen um die Entbindung vom Amt gebeten hatte. Zuletzt war zudem der Verdacht publik geworden, der Bischof habe einen Minderjährigen sexuell missbraucht. Hochrangige Katholiken sprachen sich angesichts der Krise der Kirche für eine Debatte über des Pflichtzölibats aus.

"Die Vorgänge der letzten Zeit haben das gesamte Bistum Augsburg und auch die katholische Kirche in Deutschland sehr belastet", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch. Der dadurch erlittene Verlust der Glaubwürdigkeit wiege schwer. "Die zügige Entscheidung des Papstes schafft die notwendige Klarheit. Sie gibt allen Beteiligten die Chance zum Neuanfang."

Noch am Samstag wählte das Augsburger Domkapitel den Weihbischof Josef Grünwald zum Diözesan-Administrator, der die Bistumsleitung übernehmen soll, bis vom Papst ein neuer Bischof ernannt wird. Grünwald kündigte an, "an der zügigen und besonnenen, klaren und transparenten Aufarbeitung" der Vorwürfe gegen den Bischof mitzuwirken. Nur so könne ein wirklicher Neuanfang gelingen.

Die Kirchenvolksbewegung "Wir sind Kirche" nahm die Entscheidung des Papstes "mit Erleichterung" zur Kenntnis. "Um den durch das lange Taktieren von Bischof Mixa entstandenen Ansehens- und Glaubwürdigkeitsverlust der katholischen Kirche weit über das Bistum hinaus nicht noch zu vergrößern, bleibt es notwendig, alle Vorwürfe umfassend und möglichst schnell aufzuklären", teilte die Gruppe mit.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick sprach sich im "Spiegel" dafür aus zu überlegen, ob man einfachen Pfarrern die Ehe erlaube. "Ich wäre dafür, dass man ernsthaft darüber nachdenkt", sagte er. Auch in der Kirchenführung werde darüber gesprochen: "Ich bin nicht der Einzige." Das Zölibat gehöre aber zur Kirche und müsse nach seiner Meinung von Bischöfen, Ordensleuten und Domkapitularen gelebt werden. Laut dem ehemaligen Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, ist derzeit zwar der falsche Zeitpunkt für eine Debatte über den Pflichtzölibat. Er glaube aber, dass der Papst längst über das Thema nachdenke, sagte Lehmann im ZDF.

Weitere Verdachtsfälle in Würzburg und Freiburg

Wähenddessen wurden am Wochenende weitere Verdachtsfälle bekannt. Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat zwei Priester wegen des Verdachts auf sexueller Übergriffe mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Gegen die beiden Geistlichen ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft. "Die Beurlaubung ist keine Vorverurteilung, sondern ein Signal, dass die Diözese die gegen die beiden Priester erhobenen Vorwürfe ernst nimmt und alles fördern will, was einer zügigen Aufklärung dient", betonte Generalvikar Karl Hillenbrand am Sonntag in Würzburg.

Außerdem hat die Erzdiözese Freiburg einen Seelsorger beurlaubt, weil er gegen seine Auflage verstoßen haben soll, Kindern nicht zu nahe zu kommen. Der 68 Jahre alte Priester sei 2003 schon einmal wegen des Verdachts des Missbrauchs beurlaubt worden, teilte das Erzbistum am Sonntag mit. Die Staatsanwaltschaft habe das Ermittlungsverfahrens aber eingestellt und der Seelsorge sei daraufhin in den Dienst zurückgekehrt. Der Priester habe damals die Auflage bekommen, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten. Dagegen soll er nun verstoßen haben.

APN, DPA, Reuters DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker