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Katholische Kirche: Papst bedauert Kindesmissbrauch

Papst Benedikt XVI. hat den Missbrauch von Kindern innerhalb der katholischen Kirche bedauert. Einige Mitglieder der Kirche hätten "in verschiedenen Fällen" die Würde und Rechte von Minderjährigen verletzt.

Papst Benedikt XVI. hat am Montag die Verletzung der "Rechte des Kindes" verurteilt. Die Kirche habe im Laufe der Jahrhunderte den Schutz von Rechten und Würde der Minderjährigen betrieben und vorangetrieben. "Leider haben dennoch auch einige Kirchenmitglieder diese Rechte verletzt", sagte Benedikt am Montag bei einer Versammlung des vatikanischen Familienrats anlässlich des 20. Jahrestags des Inkrafttretens der UN-Kinderrechtskonvention.

"Die Kirche wird niemals aufhören, dies zu bedauern und zu verurteilen", betonte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Einen direkten Bezug zum aktuellen Skandal um den sexuellen Missbrauch von Schülern an deutschen katholischen Schulen in den 70er und 80er Jahren zog der Papst nicht.

94 Verdachtsfälle auf Kindesmissbrauch

Der Vatikan hatte sich zuvor hinter die Bitte um Entschuldigung des deutschen Jesuiten-Chefs Stefan Dartmann gestellt, diese sei "umfassend". Man werde sich daher nicht noch in einer eigenen Stellungnahme äußern, sei aber in "völliger Übereinstimmung" mit dem, was Dartmann gesagt habe. Dieser hatte vor einer Woche im Namen des Ordens bei den "Opfern von Übergriffen unserer ehemaligen Mitbrüder" um Entschuldigung gebeten.

Verantwortlich sein sollen drei Pater des katholischen Ordens, die jahrzehntelang an verschiedenen Orten als Lehrer und Jugendseelsorger tätig waren. Bislang meldeten sich bundesweit etwa 30 potenzielle Opfer der Beschuldigten, die ihre Taten teilweise einräumten. Die Leitung der Jesuiten gab zu, dass der deutsche Orden schon in den 80er Jahren Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle hatte. Die Ordensführung habe keine Anzeigen erstattet und versucht, das Problem intern zu regeln. Einer Umfrage des Nachrichtenmagazines "Spiegel" unter allen 27 deutschen Bistümern zufolge hat es in der katholischen Kirche in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren mindestens 94 Verdachtsfälle auf Kindesmissbrauch gegeben.

Übergriffe auch in in anderen Ländern

Auch in anderen Ländern haben Skandale um pädophile Geistliche die katholische Kirche erschüttert. Im Dezember entschuldigte sich Benedikt XVI. für den sexuellen Missbrauch von Kindern durch Priester in Irland. Ein Bericht der irischen Regierung hatte zuvor aufgedeckt, dass vier frühere Erzbischöfe von Dublin systematisch katholische Geistliche schützten, die sich des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatten. In der Vergangenheit hatte sich der Papst bereits für die Misshandlungen von Kindern durch Priester in den USA, Australien und Kanada entschuldigt.

DPA/AFP / DPA