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Katholische Kirche: Papst ernennt umstrittenen Deutschen zum Kardinal

Erzbischof Gerhard Ludwig Müller darf sich schon bald Kardinal nennen. Das gab Papst Franziskus im Vatikan bekannt. Doch es gab wohl deutsche Bischöfe, die die Ernennung Müllers verhindern wollten.

Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof und Präfekt der Glaubenskongregation, wird in den Kardinalsstand erhoben. Müller ist unter den 19 Erzbischöfen, die Papst Franziskus bei einem Konsistorium am 22. Februar zu Kardinälen machen will. Die neuen Kardinäle stammten aus zwölf Ländern und allen Teilen der Welt, teilte der Papst am Sonntag am Ende des Angelusgebetes mit.

Franziskus führt auch eine Tradition seiner Vorgänger fort: 16 der neuen Kardinäle sind mögliche Papstwähler - doch zusätzlich erhebt Franziskus drei weitere verdiente Kirchenmänner in den Kardinalsstand, die bereits mehr als 80 Jahre alt sind. Sie könnten damit bei einer eventuellen Papstwahl nicht mit abstimmen.

Ernennung nur eine Frage der Zeit

Für den aus Mainz stammenden ehemaligen Bischof von Regensburg, seit Mitte 2012 einer der Nachfolger Joseph Ratzingers als Präfekt der mächtigen Glaubenskongregation im Vatikan, war die Ernennung zum Purpurträger nur eine Frage der Zeit. In das Gremium der wichtigsten Berater des Papstes steigt auch der von Franziskus im vergangenen Jahr ernannte neue Staatssekretär Pietro Parolin auf.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte dem neuen deutschen Purpurträger. "Deine Erhebung in den Kardinalsstand hat sicherlich ihren ersten Bezugspunkt in Deinem hohen Amt als Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre", schrieb er. "Sie ist aber auch eine persönliche Auszeichnung, mit der Dein Wirken als Theologe gewürdigt wird." Zollitsch erinnerte an Müllers mehr als 400 wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Theologie.

Bischöfe wollten Ernennung verhindern

Aus Kirchenkreisen gab es nach einem Bericht der "Passauer Neuen Presse" bis zuletzt Bemühungen, die Ernennung von Müller zum Kardinal zu verhindern. Einer oder mehrere deutsche Bischöfe sollen demnach versucht haben, beim Papst Stimmung gegen ihn zu machen, wie das Blatt in seiner Montagsausgabe schreibt. Dem Kirchenoberhaupt seien zwei Zeitungsveröffentlichungen vorgelegt worden, in denen Müllers Rolle negativ bewertet wird und die ihn unter anderem als Widersacher des Papstes beschreiben. Der Papst habe sich den Angaben zufolge über die Einwände hinweggesetzt.

Mit Müller gibt es künftig zehn deutsche Kardinäle. Es handelt sich um den Kölner Joachim Meisner, den Mainzer Karl Lehmann, Reinhard Marx aus dem Erzbistum München und Freising, dessen Amtsvorgänger Friedrich Wetter sowie den Berliner Rainer Maria Woelki. Dazu kommen die römischen Kurienkardinäle Walter Kasper, Paul-Josef Cordes, Walter Brandmüller und P. Karl Becker.

Drei der neuen Kardinäle kommen aus Lateinamerika, dem Heimatkontinent des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio. Zum Kardinal ernannt wird auch der Erzbischof von Westminister, Vincent Nichols.

tkr/DPA / DPA