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Kieler Woche: Prächtige Windjammerparade auf der Förde

Maritimer Höhepunkt an der deutschen Ostseeküste: Bei der großen Windjammerparade zum Ende der Kieler Woche präsentierten sich am Sonnabend rund 120 Großsegler und andere Schiffe.

Gespanntes Warten, dann wird die rot-weiße Flagge am Mast hochgezogen. Damit gibt die "Alexander von Humboldt II" am Sonnabend das Startsignal für die traditionelle Windjammerparade zur Kieler Woche. Die neu gebaute Dreimastbark führt den Schiffskorso von rund 100 Groß- und Traditionsseglern sowie knapp 20 Dampf- und Begleitbooten in diesem Jahr an, mit rund 150 Gästen an Bord. Die Windjammerparade ist das maritime Highlight kurz vor Ende der weltgrößten Segelsportveranstaltung. Mit einem großen Feuerwerk sollte die Kieler Woche am Sonntagabend ausklingen.

Es ist leicht bewölkt an diesem Samstag, aber die Sonne scheint immer wieder, der Wind weht, und Crew und Passagiere sind bester Stimmung. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident, Torsten Albig (SPD), fährt mit. "Ein schönes und edles Schiff", lobt er den rund 65 Meter langen Großsegler, das 2011 fertiggestellte Nachfolgeschiff der mehr als 100 Jahre alten "Alexander von Humboldt", bekannt für ihre grünen Segel.

"Aber die Gorch Fock fehlt uns schon", meint Albig. Eigentlich übernimmt das Segelschulschiff der Deutschen Marine traditionell die Führung der Parade. In diesem Jahr fehlt es, weil es noch in der Reparatur ist. "Die deutsche Marine hat uns aber zugesagt, dass die Gorch Fock im nächsten Jahr wieder dabei ist", sagt Albig und blickt begeistert auf den Korso. Das Segelkreuzfahrtschiff "Star Flyer" und Großsegler wie die russische "Mir" und die "Sedov" fahren in dem rund acht Kilometer (fünf Seemeilen) langen Törn auf der Kieler Förde mit. Die "Sedov" gilt als der größte Windjammer der Welt und wurde vor knapp hundert Jahren in Kiel gebaut. "So viel an Geschichte schwingt da mit", sagt der bisherige Kieler Oberbürgermeister. Er bedauert, dass er noch nicht den Segelschein gemacht hat. "Ich segle aber immer fleißig irgendwo mit", erzählt er.

Zehntausende Zuschauer bestaunen die Parade

Auch der Kieler Bürgermeister Peter Todeskino (Grüne) zeigt sich "fasziniert" von der Parade. Er kommt allerdings zu spät und wird nachträglich im Rettungsboot an Bord der "Alex II" gebracht. Sonst läuft alles glatt. "Das Wetter ist ziemlich optimal", sagt Stefan Borowski, als Paradedirektor zuständig für die gesamte Formation. Anfangs liegen die Windstärken bei drei bis vier, Richtung offene Ostsee bläst der Wind dann kräftiger. "Da können wir keine vollen Segel setzen, sonst werden wir zu schnell", sagt Borowski. Aber die "Alex II" hisst immerhin einige Segel, andere Schiffe auch. "Die Zuschauer wollen gerne, dass die ganze Parade weiß ist. Das klappt leider nicht ganz", sagt Borowski.

Zehntausende Menschen haben sich an den Ufern versammelt, um das rund zweistündige Schauspiel zu beobachten. Mit rund vier Knoten (etwa 7,5 Kilometer pro Stunde) gleitet die "Alex II" an ihnen vorbei. Deutlich langsamer als sie könnte. "Das ist ein schnelles Schiff. 15 Knoten schafft sie locker", schwärmt Kapitän Peter Burhorn. Auch Mitglieder der ehrenamtlichen Stammcrew sind von dem Schiff begeistert. Florian Luft genießt es, in die Takelage zu klettern. "Das ist ein schönes Gefühl, weil man so weit gucken kann", sagt er - warnt aber: "Man darf keine Höhenangst haben." Vom höchsten Punkt bis zur Wasserlinie seien es 35 Meter. Manche Gäste freuen sich vor allem über den Hauch von Fernweh und Abenteuer, der sie an Bord umweht.

Manchen fehlt der Charme des Vorgängerschiffs

"Man denkt an all die Reisen, die das Schiff unternommen hat und noch machen wird", sagt Dirk Trompeter, der extra aus Hessen angereist ist und Lust aufs Mitsegeln bekommt. Thorsten Tennstedt fuhr schon auf der "alten Alex" mit und meint: "Beim Segeln bekommt man diese Naturgewalten mit. Wenn man mal so einen Sturm miterlebt hat, ist das eine faszinierende Geschichte." So wie er finden viele Passagiere die "Alex II" "viel größer und moderner" als die alte.

Manche können sich aber gerade damit nicht so richtig anfreunden. "Hier kann man auch in hellen Hosen herumlaufen, ohne dreckig zu werden. Hier ist kein Rost, keine Schmiere", beschreibt Monika Lang, und eigentlich fehlt ihr etwas. So wie Eckhard von Otte: "Mir ist das zu schick. Der Charme der alten Alex, diese Patina, der fehlt. Vielleicht kommt der noch." Die nächsten Ziele der "Alex II" sind etwa Frankreich, Portugal, Irland und Island.

Silke Fokken, DPA / DPA