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Legalisierungsdebatte: Kiffen verboten! Geht's eigentlich noch?

61 Prozent der Deutschen sind immer noch gegen die Legalisierung von Haschisch. Unser Autor ist schwer genervt von den Genussfeinden und ihren Gesetzen. Er fordert: Öfter mal den Vormund halten!

Ein Kommentar von Tim Sohr

Immer noch sind 61 Prozent der Deutschen gegen die Legalisierung von Haschisch - warum bloß?

Weltweit gehen die Menschen für die Legalisierung von Gras und Haschisch auf die Straße - so wie dieser Demonstrant in Paris

Eines vorweg: Ich kiffe nicht. Also, ich habe es hin und wieder mal ausprobiert. Aber während um mich herum alle besonders witzig oder philosophisch wurden, saß ich nur da und wartete auf die Wirkung, die sich nicht einstellen wollte. Ich bin wahrscheinlich der unlustigste Kiffer der Welt, damit aber immer noch lustiger als die 61 Prozent der Deutschen, die gegen die Legalisierung von Haschisch sind - nach Jahren der nicht zielführenden Debatte. Was ist los mit diesen Leuten?

Ich könnte an dieser Stelle die immer gleichen, immer gleich guten Argumente zur Legalisierung aufzählen: Dass Alkohol mindestens so schädlich ist wie Haschisch, zum Beispiel. Ich könnte auch auf eine Bevormundungshauptstadt wie Los Angeles verweisen, wo man sich den nächsten Joint einfach verschreiben lassen kann - ganz legal, versteht sich. Wohlgemerkt in Los Angeles, wo es in den meisten Fußgängerzonen schon verboten ist, eine schnöde Zigarette zu rauchen.

Aber diese Diskussion sollen andere vertiefen. Denn das Kiffen ist gar nicht das Hauptproblem.

Vielmehr ist die Umfrage ein weiterer Beleg für die radikal genussfeindliche Zeit, in der wir leben. Das Ergebnis hält uns den Spiegel vor das verkniffene Gesicht. Wir merken das bloß gar nicht mehr, bei all den Regeln und Gesetzen und guten Menschen überall - wir gehen lieber gleich mit der Zigarette vor die Tür, ernähren unsere Kinder vegan und wundern uns nicht mal, wenn der Furor der politischen Korrektheit plötzlich ein harmloses Opfer wie Alpha Kevin fordert. Ja, ich schmeiße alles in einen Topf. Weil die Sittenwächter es genau so machen. Und wir nehmen es einfach hin.

Anstatt uns zu fragen, mit welchem Recht die 61 Prozent die Erhaltung des Verbots fordern. Es darf bezweifelt werden, dass sie in ihrem Alltag von Menschen belästigt werden, die sich dem übermäßigen Genuss von Haschisch hingeben. Kiffer fallen im Gegensatz zu Alkoholikern nicht durch aggressive Aussetzer auf und bleiben ohnehin lieber unter sich. Das gerne vorgebrachte Argument des Passivrauchens greift hier also auch nicht. Darüber hinaus ist die eigene Gesundheit Privatsache und geht die breite Mehrheit nichts an - völlig unabhängig davon, welche Folgen der Konsum weicher Drogen wirklich haben kann.

Bevormunden und bevormundet werden

Vielleicht kann man den 61 Prozent gar keinen Vorwurf machen, sie kennen es nicht mehr anders: Bevormunden und bevormundet werden - anders funktioniert das Miteinander für sie nicht. Individualität - die eigene oder die der Anderen - ist ihnen schnuppe, solange sie munter verbieten können, was ihnen gerade nicht passt. Also ziehen sie ins Szeneviertel und beschweren sich wegen der Lautstärke, wenn um 22 Uhr noch Leute auf der Terrasse sitzen und plaudern. Oder zeigen den Opa aus der Nachbarwohnung an, weil sein Pfeifenrauch in den Hausflur zieht. Alles und jeden haben sie im moralischen Würgegriff.

Solche Menschen sind schlimm, und sie sollten öfter mal ihren Vormund halten. Aber viel schlimmer ist, dass wir ihren Wahnsinn willenlos über uns ergehen lassen. Es wird Zeit, mehr Respekt einzufordern für unsere Freiheiten. Denn: Sich alles vorschreiben zu lassen, ist die schlimmste Form der Faulheit. Genauer gesagt: Die schlimmste Form der Dummheit.

Themen in diesem Artikel
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