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Kinder in Pizzeria ausgesetzt: Mutter entschuldigt sich

"Was ich getan habe, tut mir unendlich leid." Mit diesen Worten hat sich Ina R. dafür entschuldigt, dass sie ihre Kinder vor knapp zwei Wochen in einer Pizzeria im italienischen Aosta-Tal zurückgelassen hat. Ihre Anwältin hat eine Erklärung verlesen, nach der die 26-Jährige sich schämt und die Gründe für ihr Verhalten nennt.

Die Mutter der vor knapp zwei Wochen in einem italienischen Lokal zurückgelassenen Kinder hat sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland für ihr Verhalten entschuldigt. "Was ich getan habe, tut mir unendlich leid", heißt es in einer Erklärung, die die Anwältin der 26-jährigen Ina R. verlesen hat. Sie wisse nicht, wie sie ihren Kindern jemals wieder in die Augen blicken könne. "Ich möchte versuchen, wieder ein normales Verhältnis zu meinen Kindern aufzubauen, auch wenn ich mich unendlich schäme."

Die Frau aus dem sauerländischen Finnentrop war Anfang April zusammen mit ihrem 24 Jahre alten Freund zu einer Reise aufgebrochen und ohne Geld im norditalienischen Aosta gestrandet. "Wir waren bereits einige Tage in Italien unterwegs, als ich aus Geldnot nicht mehr wusste, wie ich meine Kinder ernähren kann", ließ die 26-Jährige mitteilen. Vom letzten Geld habe sie Milch für den jüngsten Sohn gekauft: "Dann wusste ich nicht mehr weiter." Sie habe keinen anderen Ausweg gesehen, als ihre Kinder zurückzulassen, weil sie davon ausgegangen sei, dass man sich gut um sie kümmern würde, heißt es in der Erklärung.

Diese Gedanken bezeichnete sie jetzt selbst als "naiv“. Heute sei ihr auch klar, dass sie in Italien Hilfe bekommen hätte, wenn sie darum gebeten hätte: "Jedoch war ich einfach so verzweifelt und mit der ganzen Situation überfordert, dass ich kaum einen klaren Gedanken fassen konnte."

Ihre Mandantin sei am Dienstag nach Deutschland zurückgekehrt, sagte Anwältin Lisa Odebralski. Sie könne im Moment aber nicht in ihre Wohnung zurück, weil ihr dort von den Medien "aufgelauert" werde. Derzeit werde die 26-Jährige gut versorgt. Wo ihre Kinder untergebracht sind, wisse sie nicht. "Das ist in Sorgerechtsstreitigkeiten aber nicht unüblich", so die Anwältin weiter. Der Mutter der beiden zehn Monate und sechs Jahre alten Jungen und eines vierjährigen Mädchens gehe es gesundheitlich gut.

Sie wolle auch mit der Siegener Staatsanwaltschaft in Kontakt treten, die derzeit prüft, ob die Frau durch das Zurücklassen ihrer Kinder eine Straftat begangen hat. "Wir hoffen, dass da nichts bei rauskommt", sagte Odebralski. Über den Zustand des Begleiters ihrer Mandantin könne sie nichts sagen. Der 24-jährige Häftling war vor der Reise nicht aus einem Freigang in die JVA Bielefeld zurückgekehrt und hatte vor einer Woche in einem italienischen Gefängnis einen Selbstmordversuch unternommen.

Mit dem Jugendamt des Kreises Olpe, dem nach dem Verschwinden der Mutter die Vormundschaft über die Geschwister übertragen worden war, wolle sie sich gütlich einigen. "Sie hofft, dass sie bald zumindest ein kleines Umgangsrecht bekommt und ihre Kinder vielleicht in den Räumen des Jugendamtes sehen kann", sagte die Anwältin.

DPA / DPA
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