VG-Wort Pixel

Noch keine 14 und schon verheiratet Deutschen Behörden sind hunderte Kinderehen bekannt

Junge afghanische Bräute bei einer kollektiven Eheschließung in Afghanistan
Junge afghanische Bräute bei einer kollektiven Eheschließung in Afghanistan
© Naweed Haqjoo/Epa/dpa
Betroffen sind vor allem Mädchen – in Deutschland leben mittlerweile hunderte Minderjährige in Ehen. Im Ausländerzentralregister sind sie ganz offiziell als "verheiratet" registriert.

Den Behörden in Deutschland sind hunderte Kinderehen bekannt. Ende Juli waren 361 ausländische Kinder unter 14 Jahren im Ausländerzentralregister als "verheiratet" gespeichert, heißt es in einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Insgesamt waren demnach 1475 Minderjährige als verheiratet registriert. Diese hohe Zahl erkläre sich auch durch den Zuzug von Flüchtlingen.

Kinderehe: betroffen sind viele syrische Mädchen

Laut der Aufstellung des Innenministeriums, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag und über die am Freitag zuerst die Funke-Zeitungen berichtet hatten, handelt es sich bei den meisten minderjährig Verheirateten um Syrer - hier waren 664 Fälle bekannt. Weitere Herkunftsstaaten waren Afghanistan (157 Fälle), Irak (100 Fälle), Bulgarien (65 Fälle), Polen (41 Fälle), Rumänien (33 Fälle) und Griechenland (32 Fälle).

Unter den minderjährig Verheirateten waren mit 1152 deutlich mehr Mädchen als Jungen. Nur 26 der registrierten Betroffenen haben den Angaben zufolge ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Am Montag hatte erstmals eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu Kinderehen getagt, die noch in diesem Jahr ihre Ergebnisse vorlegen will. Die Arbeitsgruppe soll darüber diskutieren, inwiefern die Vorschriften zur Ehemündigkeit im deutschen Recht geändert werden sollen. Außerdem soll die konkrete Praxis der Anerkennung von Auslandsehen mit minderjährigen Partnern thematisiert werden. Dieses Problem hatte sich durch den Zuzug von Flüchtlingen verschärft.

Bei manchen Fällen haben die Behörden einen Ermessensspielraum

 In Deutschland sollen Ehen nicht vor der Volljährigkeit geschlossen werden. Ausnahmen sind möglich, wenn einer der Partner volljährig, der andere mindestens 16 Jahre alt ist. Komplizierter ist die Rechtslage beim Umgang mit im Ausland geschlossenen Ehen. Bisher werden Kinderehen in Deutschland dann nicht anerkannt, wenn ein Partner jünger als 14 Jahre ist. Bei Ehen, die mit 14-jährigen oder älteren Minderjährigen geschlossen wurden, haben die Gerichte einen Ermessensspielraum.

"Niemand darf zu einer Ehe gezwungen werden, erst recht keine Kinder", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). "Wir müssen alles tun, um Kinder und Jugendliche vor Missbrauch und Zwangsheirat besser zu schützen. Zwangsehen dürfen wir nicht dulden, sondern müssen entsprechende Schutzmechanismen für die Betroffenen noch umfänglicher in Gang setzen."

Die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katja Dörner warnte allerdings vor "Schnellschüssen". Mit Blick auf etwaige gesetzliche Regelungen müsse das Wohl der Kinder und Jugendlichen oberste Richtschnur sein. "Von den 1475 in Deutschland lebenden verheirateten ausländischen Minderjährigen sind 994 älter als 16 Jahre. Dies lässt auch das deutsche Recht in Ausnahmefällen zu."

anb AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker