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Report des Deutschen Kinderhilfswerks: "Kinderrechte sind kein Gedöns"

Vor 25 Jahren ist die UN-Kinderrechtskonvention in Kraft getreten, doch was sie beinhaltet, weiß in Deutschland kaum jemand. Claudia Roth fordert eine Verankerung der Rechte im Grundgesetz.

Kinder wollen mehr mitbestimmen - und wünschen sich darum mehr Zuspruch und Unterstützung von Erwachsenen

Kinder wollen mehr mitbestimmen - und wünschen sich darum mehr Zuspruch und Unterstützung von Erwachsenen

Nur jeder Fünfte in Deutschland weiß über Kinderrechte halbwegs Bescheid. Was die vor 25 Jahren in Kraft getretene UN-Konvention genau umfasst, kann nicht einmal jeder 20. sagen. Das geht aus dem Kinderreport hervor, den das Deutsche Kinderhilfswerk am Donnerstag in Berlin vorstellte. "Die Ergebnisse zeigen, dass wir in Deutschland eine Bildungsoffensive in Sachen Kinderrechte brauchen, die Kinder und Erwachsene erreicht", sagte Thomas Krüger, Präsident des Kinderhilfswerks. "Kinderrechte sind kein Gedöns."

Die insgesamt 1000 befragten Kinder (ab 10), Jugendlichen und Erwachsenen vergaben vor allem in puncto Mitbestimmungsmöglichkeiten für junge Menschen in Kommune und Bundespolitik schlechte Noten (4,3 und 5). In der Familie werden Kinder offensichtlich eher gehört: immerhin Note 2,4. Um mehr Mitbestimmung durchzusetzen, wünscht sich der Nachwuchs mehr Zuspruch und Unterstützung von Erwachsenen.

Teilhabe wichtiger als Geld

Mit Blick auf die etwa 2,5 Millionen armen Kinder in Deutschland halten die jungen Befragten Teilhabe für wichtiger als Geld: Schulessen, Bücher, Lehrmittel und Freizeitaktivitäten sollten allen kostenlos offenstehen, forderten sie an erster Stelle. In Sachen Freizeitgestaltung landeten nach den gleichaltrigen Freunden Familie und Internet weit oben (74 Prozent, je 67 Prozent). Dabei sind die Kinder durchaus problembewusst: Im Internet sehen sie sowohl den größten medialen Freizeitspaß, aber auch die größte Gefahr.

Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) forderte, Kinderrechte endlich im Grundgesetz zu verankern. "Und jedes Kind sollte diese zehn Rechte schon in der Grundschule kennen." Unicef-Sprecherin Helga Kuhn betonte: "Viel stärker als bislang wäre der Staat in der Verantwortung, sich am Vorrang des Kindeswohls zu orientieren. Das gilt etwa bei der Planung von Wohnvierteln, beim Straßenbau oder der Ausgestaltung des Lehrplans in der Schule."

kup/DPA / DPA