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Zum Gedenken an den Holocaust: AfD-Mitglieder dürfen umsonst ins Kino - und regen sich darüber auf

Im rheinland-pfälzischen Hachenburg gibt es für AfD-Mitglieder ein besonderes Angebot: Ende Januar können sie sich im Kino einen Film ansehen - und zwar umsonst. Doch das Angebot findet in der Partei keine Zustimmung.

Menschen, die in einem dunklen Kinosaal sitzen

Kostenlos einen Film ansehen - und trotzdem ist die AfD sauer. (Symbolbild)

DPA

Das "Cinexx" in Hachenburg hat sich etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Anlässlich des jährlich stattfindenden Internationalen Gedenktags an die Opfer des Holocaust zeigt das Lichtspielhaus am 27. Januar den mehrfach ausgezeichneten Filmklassiker "Schindlers Liste".

 In dem Film geht es um den deutsch-mährischen Industriellen Oskar Schindler, der im Zweiten Weltkrieg etwa 1200 Juden aus den besetzten Ländern Polen und Tschechoslowakei in seinen Rüstungsbetrieben beschäftigte und damit vor dem Tod im Vernichtungslager Auschwitz rettete.

Der Clou dieser Aktion: Anstelle des veranschlagten Ticketpreises von sieben Euro ist der Eintritt für AfD-Mitglieder vollkommen frei.

AfD findet die Aktion nicht so witzig

Während ein kostenloser Kinobesuch für den einen oder anderen sicher ein Grund zur Freude wäre, fühlt sich die AfD von dieser Aktion eher beleidigt. In einem Facebook-Beitrag der AfD-Paderborn ist wenig später von "Diskriminierung und Verleumdung politisch Andersdenkender" die Rede.

Wieder ein Beispiel für die Diskriminierung und Verleumdung politisch Andersdenkender: "Schindlers Liste - freier Eintritt für AfD-Mitglieder"

Gepostet von AfD-Paderborn am Montag, 24. Dezember 2018

Das lassen die Betreiber des "Cinexx" allerdings nicht auf sich sitzen. In einem Statement auf ihrer Homepage erklären sie, dass sie sich als Ort der Begegnung sehen und gesellschaftliche Diskussionen anregen. Weiter heißt es: "Wir behaupten überhaupt nicht, AFD Wähler seien Nazis - ob Sie geschichtliche Aufklärung benötigen, liegt in ihrem eigenen Ermessen. Nach unserer Einschätzung lässt das AFD-Parteiprogramm allerdings doch stark auf eine Verharmlosung der damaligen Ereignisse schließen. [...] Mit der Aktion möchten wir einen Ort zum Gespräch anbieten. Nach dem Film wird es dazu die Möglichkeit geben."

Drohungen aus dem rechten Milieu

Dass das "Cinexx" Aufführungen mit freiem Eintritt anbietet, ist dabei durchaus üblich, beispielsweise für Pädagogen. Inzwischen hat das Lichtspielhaus als Resultat auf die AfD-Aktion handfeste Drohungen erhalten.  Stattdessen erhält das Lichtspielhaus sogar Morddrohungen. Die Programmverantwortliche Karin Leicher sagt dazu in einem Telefoninterview mit "Bento": "Schweineköpfe' und 'Rotfaschisten' haben sie uns geschimpft. Ein offensichtlich rechter YouTuber hat in einem Video gesagt, es gebe 'ne Menge Bekloppte da draußen und ein Sprengsatz ist schnell gelegt".

Am 31.12. habe sie wegen der Drohungen die Polizei eingeschaltet. Ob diese auch bei der Vorführung zugegen sein wird, ist offen.

pawlo