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Zu Weihnachten: Kirche: Zwischen Selbstkritik und einer Krippe, die die heilige Familie als Bootsflüchtlinge zeigt

Der Papst verteilt seinen Segen und lobt Toleranz und Verschiedenheit, manch ein Bischof spricht selbstkritisch die Versäumnisse bei Missbrauchsskandalen an - und eine Kirche in Duisburg stellt die Heilige Familie als zeitgenössische Flüchtlinge im Ruderboot dar. Ein Überblick über die Botschaften der Kirche zu Weihnachten.

Papst Franziskus bei seiner Heiligabend-Messe, am Weihnachtstag überbrachte er zudem beim Urbi et Orbi den Weihnachtssegen

Papst Franziskus bei seiner Heiligabend-Messe, am Weihnachtstag überbrachte er zudem beim Urbi et Orbi den Weihnachtssegen

DPA

Zu Weihnachten, dem Fest der Geburt Jesu, stehen die Kirchen besonders im Blickpunkt. Der Papst hält seine Ansprache, die Bischöfe die ihren, und dazu senden Kirchen allüberall Signale aus. Die Reden und Signale im Jahr 2018, sie drehten sich häufig um Toleranz und auch Selbstkritik. In Duisburg setzte eine Kirche sogar ganz besonderes Zeichen.

Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft angesichts von Konflikten und Kriegen zu Toleranz und Zusammenhalt zwischen den Menschen aufgerufen. "Unsere Verschiedenheit schadet uns (...) nicht, sie bedeutet keine Gefahr; sie ist vielmehr ein Reichtum", sagte das Katholikenoberhaupt am ersten Weihnachtsfeiertag von der Loggia des Petersdoms vor rund 50 000 Menschen auf dem Petersplatz in Rom. "Es ist wie bei einem Künstler, der ein Mosaik gestalten will: Es ist besser, Steine mit vielen Farben zur Verfügung zu haben, als nur mit wenigen Farben zu arbeiten!"

"Alle sind Geschwister"

Die universale Botschaft von Weihnachten sei, dass "wir alle Geschwister sind", sagte der Argentinier am Dienstagmittag. "Ohne die Geschwisterlichkeit, die Jesus uns geschenkt hat, behalten all unsere Bemühungen um eine gerechtere Welt einen kurzen Atem, und selbst die besten Vorhaben drohen seelenlose Strukturen zu werden." Trotz Verschiedenheiten und Uneinigkeiten halte ein "unauflösliches Band" die Menschen in ihrer Vielfalt der Ethnien, Sprachen und Kulturen zusammen.

Einige Bischöfe haben in ihren Weihnachtspredigten dagegen selbstkritisch die Institution Kirche betrachtet. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte im Mainzer Dom, Weihnachten sei der Moment für eine persönliche Entscheidung zur Wahrheit oder zur Lüge. Auch die Kirche müsse sich entscheiden. "Wir stehen heute vor der erschreckenden Tatsache, dass es eine dunkle Seite dieser Kirche gibt", sagte Kohlgraf. Das Licht Christi müsse neu in diese dunkle Zone hereingelassen werden. "Sünde und Schuld müssen ans Licht. Ich habe in den letzten Monaten neu gelernt, dass wir zu banalisierend über Sünde reden."

Auch Würzburger Bischof thematisiert sexuellen Missbrauch

Im September hatte die Deutsche Bischofskonferenz eine Studie über sexuellen Missbrauch katholischer Kleriker an Kindern und Jugendlichen vorgestellt. Dabei wurden Personalakten zwischen 1946 und 2014 untersucht: Im Ergebnis sollen mindestens 1670 katholische Geistliche 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben.

Auch der Würzburger Bischof Franz Jung thematisierte die Fälle des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. "Mit Schrecken musste man sich schließlich eingestehen, dass selbst Heiligstes missbraucht werden kann wie der Schutzraum der Beichte", sagte Jung laut Mitteilung beim Pontifikalamt im Würzburger Kiliansdom. "Auch die priesterliche Lebensform, die nach außen hin den Eindruck besonderer Sicherheit erweckte, garantierte keinen verlässlichen Schutz."

Papst Franziskus hingegen sparte das Thema Missbrauch bei den Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan aus. Er äußerte aber die Hoffnung: "Das kleine frierende Kind, das wir heute in der Krippe betrachten, möge alle Kinder auf dieser Welt und jeden schwachen, wehrlosen und ausgeschlossenen Menschen beschützen."

Kirche in Duisburg: Heilige Familie als Bootsflüchtlinge

Neben den Botschaften des Papstes und der Bischöfe erhielt auch die Botschaft der St. Dionysius-Kirche in Duisburg-Walsum große Aufmerksamkeit. Die Kirche dekorierte die Krippe mit einem Schlauchboot und stellte die heilige Familie darin dar. 

 Die Botschaft der Kirche: "Es wird dargestellt an der Hand der unzähligen Flüchtlinge, die immer noch in den Meeren der Welt ertrinken und von den Wohlstandsgesellschaften und ihrem geschäftlichen oder rassistischen Treiben, überhört werden." Bei Twitter wurde der Tweet von der Journalist Carolin Buchheim tausendfach retweetet und mit einem Herzen versehen. Die Kirche traf mit ihrer eindeutigen Botschaft offenbar den Nerv vieler Leute.

feh / DPA / AFP