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Notbetreuung und Corona-Sorgen Extreme Belastung für Erzieher: "Bei Arbeit mit Kleinkindern kann man keine Maske tragen"

Sehen Sie im Video: Belastende Situation für Erzieher – "Nur durchgeimpfte Kitas sind sicher".






Toben, tanzen und spielen - was nach normalem Kita-Alltag aussieht, ist aufgrund der Corona-Pandemie eigentlich nur eine Notbetreuung, erklärt Erik Jäckel, Bereichsleiter im Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin. Allerdings gibt es im aktuellen, zweiten Lockdown keine Eindeutige Vorgaben der Stadtverwaltung, was zu Spannungen zwischen Eltern und Erziehern führt. "Das ist die alleinige Entscheidung bei den Eltern. Es muss ein außerordentlicher Betreuungsbedarf vorliegen. Die Eltern sollen selber entscheiden und nach Möglichkeit entscheiden, dass sie die Kinder nicht bringen. Aber auch ein drohender Verlust an Einkommen ist schon ein außerordentlicher Grund für einen Betreuungsbedarf. Und da liegt eigentlich die große Herausforderung, dass Eltern sehr oft nachfragen, ob sie ihre Kinder bringen können, Kita-Leitungen den Auftrag haben, möglichst wenige Kinder in den Kitas zu haben und dann nachfragen, ob der Bedarf wirklich groß ist. Eltern fühlen sich dann ausgefragt, nicht verstanden, nicht ernst genommen. Kitaleitung ebenso, so dass es zu einer sehr belastenden Situation zwischen Eltern und Kitas kommt momentan." Momentan sei die Kita zu 20 bis 30 Prozent ausgelastet, aber man nähere sich der 50-Prozent-Grenze, was dann schon fast dem Regelbetrieb gleichkomme. "Kinder haben auch ein Recht darauf, mit anderen Kindern zusammen zu sein. Kinder haben ein Recht auf Bildung. Deswegen ist unser Ansatz zu sagen: Wir müssen alles dafür tun, dass die Kinder möglichst bald alle wieder in der Kita sind, brauchen dafür aber einen sicheren Ort, dass wir nicht die Gesundheit gefährden. Wir haben in den Kitas die Herausforderung, dass die ErzieherInnen praktisch ungeschützt sind. Bei der Arbeit mit den Kleinkindern kann man keine Maske tragen. Ganz viel Kommunikation läuft über Mimik und Gestik. Man kann auch keinen Abstand halten. Kinder brauchen einfach Körperkontakt. Den brauchen sie untereinander. Den brauchen sie auch bei den ErzieherInnen." Für die ist die aktuelle Situation allerdings auch sehr belastend. "Das ist eine hohe psychische Belastung, weil sie wissen, sie können sich nicht schützen. Wenn ein Kind mit Corona in die Kita kommt, dann werden sie sich anstecken, da sie ohne Schutzmaßnahmen arbeiten müssen und andererseits natürlich in Sorge um ihre eigene Gesundheit und die ihrer Familie sind. Und wir sind da oft im Gespräch. Welche Schutzmaßnahmen sind sinnvoll?" Denn Maske zu tragen, im Umgang mit kleinen Kindern sei unmöglich, zu viel laufe bei der Kommunikation mit den ganz Kleinen durch Gestik und Mimik, sagt Jäckel. Für ihn gibt es daher nur eine folgerichtige Forderung: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas müssen bei der Impfstrategie mehr Priorität bekommen. "Und aus dem Grund brauchen wir erstens eine Test-Strategie, dass wir möglichst unkompliziert und sehr regelmäßig in den Kitas testen können. Und wir erwarten auch, dass ErzieherInnen eher geimpft werden, als es jetzt gerade in der Strategie hinterlegt ist, weil wir nur mit durchgeimpften Erzieher-Teams eine sichere Kita schaffen können."
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Ein Berliner Kita-Leiter erklärt, die psychische Belastung für ErzieherInnen sei hoch, der Kontakt untereinander für Kinder wichtig, daher hofft er auf bevorzugte Impfungen in seinem Bereich.

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