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Klimaforscher Rahmstorf: "Gore-Film stimmt im Wesentlichen"

Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" war nun auch in der Vorstandsetage von EnBW zu sehen. Im Anschluss daran diskutierte der angesehene Klimaforscher Stefan Rahmstorf über den aktuellen Stand der Klimadebatte. stern-Reporter Markus Grill war dabei.

Abgewetzte schwarze Jeans, offenes blaues Hemd, dunkelbraunes Sakko - so leger präsentiert sich einer der bedeutendsten deutschen Klimaforscher: Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Mit-Autor des IPCC und somit auch Nobelpreisträger. Kein Verständnis brachte er für die aktuelle Entscheidung eines britischen Gerichts auf, wonach der Gore-Film an Schulen nur noch mit einem Kommentar gezeigt werden dürfe, weil er neun Ereignisse als sicher schildert, die aber allenfalls nur wahrscheinlich sind. Grund war wissenschaftliche Genauigkeit, die ein britischer Kläger vor Gericht, erfolgreich, einforderte.

Rahmsdorf sagt, er habe gerade erst in der S-Bahn die Gründe der Gerichtsentscheidung durchgelesen, aber einige davon könne er nicht nachvollziehen, sie entsprächen nicht dem Stand der Forschung. Rahmstorf betonte, dass der Gore-Film in seinen Grundaussagen (Erde wird wärmer, CO2-Emissionen tragen zur Erwärmung bei, und sind vor allem menschengemacht) vollständig zutreffend sei. "Die CO2-Emissionen sind die entscheidenden Gase, weil sie durch Energie ausgesondert werden und der Energieverbrauch weltweit wächst." Die Europäer müssten bei den Klimazielen vorangehen: "Wir müssen zeigen, dass man wachsenden Wohlstand bei fallenden Emissionen erreichen kann, nur so können wir auf Länder wie China eine Vorbildfunktion ausüben." Bundeskanzlerin Angela Merkel habe seiner Meinung nach, die Wichtigkeit des Klimaschutzes verstanden.

Manche Medien führen Gespensterdebatten

Für Rahmstorf vollzieht sich die Klimadebatte in Wellen: Aufgerüttelt wurde die Fachwelt 1972 durch einen Artikel in der Wissenschaftszeitschrift "Nature", 1979 gefolgt von einem Bericht der US-Akademie der Wissenschaften. Erst 1992 dann legte sich die Rio-Konferenz auf Klimaziele fest und 2007 ist das Thema auf allen Gipfeltreffen gegenwärtig. Das neue, so Rahmstorf, dass auch die Wirtschaft auf das Thema aufspringe, dass Unternehmen langsam eine Vorstellung von den Kosten der globalen Erwärmung gewinnen, dass sie in regenerative Energie investieren und selbst Energiekonzerne wie EnBW sich als Vordenker in Sachen Klimaschutz profilieren wollen. So veranstaltet EnBW in wenigen Tagen den "Zweiten Deutschen Klimakongress" in Berlin zu dem auch der frischgekürte Friedensnobelpreisträger Al Gore sein Kommen zugesagt hat um zwischen Dinner und Dessert über Klimapolitik zu reden.

Auch wenn es in der Wissenschaft selbst einen common sense über Ausmaß und Gefahr der globalen Erwärmung gebe, führen manche Medien auch heute noch Gespenster-Debatten. Der "Spiegel" titelte noch im Mai "Die große Klima-Hysterie", in den Buchhandlungen liegen Titel wie "Der Klima-Schwindel" oder "Die Klima-Lüge" und Channel 4 produzierte einen gleichlautenden Film, der, so Rahmstorf, nur so vor Fehlern strotze, im deutschen Fernsehen aber schon mehrfach wiederholt wurde.

"Redakteure haben keine Erfahrung"

Rahmstorf sagt, er könne sich diese seltsamen intellektuellen Rückfälle nur dadurch erklären, dass heute mit dem Klima-Thema auch Redakteure befasst seien, denen im Unterschied zu früher oft das Fachwissen fehle. "Für die klingen die Thesen der Klima-Skeptiker neu und interessant und sie fragen sich nicht, nach der wissenschaftlichen Seriosität vieler Aussagen."