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Körperschaftsrecht: Gericht stellt muslimische Gemeinde deutschen Kirchen gleich

Jetzt gehört auch der Islam zu Deutschland: Ein hessisches Gericht hat erstmals einer muslimischen Gemeinde das Recht erteilt als Körperschaft aufzutreten. Damit darf sie zum Beispiel Steuern erheben.

Hessen hat erstmals in Deutschland eine muslimische Vereinigung als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Das teilte die Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) am Donnerstag in Frankfurt/Main mit. Die AMJ steht in Hessen damit rechtlich auf gleicher Ebene wie die großen christlichen Kirchen und könnte auch eigene Steuern erheben. "Das haben wir in absehbarer Zeit aber nicht vor", sagte Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Gemeinde in Deutschland. Man wolle den Status zum Beispiel nutzen, um islamische Friedhöfe im Rhein-Main-Gebiet und in Hamburg einzurichten. Die Entscheidung des hessischen Kultusministeriums war den Angaben zufolge bereits Ende April gefallen.

Die AMJ gilt als eine gemäßigte muslimische Reformbewegung. Sie ist nach eigenen Angaben in Deutschland seit den 1950er Jahren aktiv, hat etwa 225 Gemeinden und mehr als 35.000 Mitglieder, 15.000 davon im Rhein-Main-Gebiet. Bundesweit unterhalte sie 36 Moscheen mit Minarett und Kuppel, im Juni sollen drei weitere in Flörsheim und Fulda sowie im rheinland-pfälzischen Neuwied eingeweiht werden. In Hessen begleitet die AMJ vom nächsten Schuljahr an den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht an Grundschulen.

ono/DPA / DPA
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