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Komapatientin: Terri Schiavo erhält Letzte Ölung

Die Komapatientin Terri Schiavo hat die Sterbesakramente erhalten. Floridas Gouverneur Jeb Bush hat abgelehnt, in dem Fall einzugreifen.

In Vorbereitung auf ihren Tod hat die amerikanische Koma-Patientin Terri Schiavo die Sterbesakramente erhalten. Der Priester Thaddeus Malanowski erteilte der 41-Jährigen die Kommunion, indem er ihr einen Tropfen Wein auf die Zunge träufelte. Anschließend empfing sie die Letzte Ölung und den Segen. Schiavo hatte die Sakramente zuletzt am 18. März erhalten, als ihr auf Antrag ihres Ehemannes die Magensonde entfernt worden war.

Protestaktion vor dem Weißen Haus

Schiavo habe keine Hostie zu sich nehmen können, da ihre Zunge zu trocken gewesen sei, sagte Malanowski am Sonntag. Schiavos Ehemann Michael hatte zunächst seine Einwilligung zu der Kommunion verweigert, schließlich aber doch zugestimmt. Ein anderer Priester, Patrick Mahoney, der Schiavo ebenfalls im Krankenbett besucht hatte, erklärte, ihr Tod stehe unmittelbar bevor. Mahoney kündigte eine Protestaktion vor dem Weißen Haus in Washington an.

Der Franziskanermönch und Sprecher von Schiavos Eltern Paul O’Donnell sagte, Terri Schiavo habe am Sonntag während eines Besuchs ihres Vaters gelächelt, die Hände gehoben und kehlige Laute von sich gegeben. Die Koma-Patientin hat seit zehn Tagen keine Nahrung mehr zu sich genommen. Der Anwalt der Eltern, David Gibbs, sagte im Fernsehsender CBS, der Punkt sei erreicht, "an dem sie körperlich nicht mehr in der Lage ist, sich wieder zu erholen". Ein Sprecher der Familie von Bob und Mary Schindler wies diese Einschätzung vor Journalisten zurück.

Jeb Bush hält sich raus

Der Gouverneur von Florida, Jeb Bush, sieht nach eigenen Angaben keine Möglichkeit mehr, die Wiederaufnahme lebenserhaltender Maßnahmen zu erreichen. "Ich kann nicht gegen eine gerichtliche Anordnung verstoßen", sagte der Bruder von Präsident George W. Bush am Sonntag dem Fernsehsender CNN. "Ich habe keine Vollmachten von der US-Verfassung oder, in diesem Fall, der Verfassung Floridas, die mir erlauben würde, nach einer getroffenen Entscheidung zu intervenieren."

Die künstliche Ernährung wurde am 18. März eingestellt. Nach Angaben von Ärzten kann Terri Schiavo danach noch ein bis zwei Wochen leben. Ihr Mann Michael hatte in dem 15 Jahre langen Rechtsstreit gesagt, seine Frau habe ihm gesagt, sie würde nicht künstlich am Leben erhalten werden wollen.

Schiavos Eltern zweifeln Diagnose an

Ärzte haben in dem langen Instanzenweg immer wieder einen dauerhaft vegetativen Zustand diagnostiziert. Demnach wurde die Hirnrinde infolge einer 1990 erlittenen Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr bei einem Herzstillstand massiv geschädigt. In der Hirnrinde befinden sich die komplexen Zellstrukturen, die Gedanken, Empfindungen, Erinnerungen und Gefühle kontrollieren. Schiavos Eltern zweifeln diese Diagnose an.

Zwei weitere Berufungsanträge stehen noch aus. Ihnen werden jedoch kaum Chancen auf Erfolg eingeräumt, da das zuständige Gericht ähnliche Anträge bereits zurückgewiesen hat. Es war nicht klar, wann das Gericht entscheiden würde.

Deutsche Bischöfe lehnen aktive Sterbehilfe ab

Angesichts des Rechtstreits über Schiavo sprachen sich die deutschen Bischöfe in ihren Osterbotschaften strikt gegen aktive Sterbehilfe aus. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, bezeichnete den Streit um Schiavos Ernährung als "schlimmes Schauspiel". Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, nannte das Leben ein Geschenk Gottes, über das "weder an seinem Beginn noch an seinem Ende" verfügt werden dürfe.

Mike Schneider/AP / AP
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