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Kommentar: Über alle Gebühr

Kostenlose Bildung gehört für Studenten der Vergangenheit an. Dass sie an Gebühren nicht vorbeikommen, haben die meisten von ihnen mittlerweile auch akzeptiert. Doch nun sollten sie für ihr Geld auch etwas mehr verlangen, als überfüllte Hörsäle und Wartelisten.

Von Catrin Boldebuck

Die Studenten müssen weiter zahlen, das entschied das Oberverwaltungsgericht in Münster. Studiengebühren verstoßen nicht gegen den UN-Sozialpakt. Das Urteil überrascht nicht, seit zwei Jahren ziehen Studenten vergeblich vor Gericht. Die meisten haben sich ohnehin schon mit den Gebühren arrangiert - nur ein paar Tausend der knapp zwei Millionen Studenten sind viel zu spät auf die Straße gegangen.

Und an vielen Unis mussten die Boykott-Aufrufe im Sommersemester abgebrochen werden, weil die meisten Studenten die 500 Euro brav überwiesen hatten. 80 Euro mehr oder weniger pro Monat fürs Studium nehmen die meisten offensichtlich klaglos in Kauf. Nur an der Hamburger Kunsthochschule riskieren 140 Studenten mit ihrem Gebühren-Boykott nach wie vor den Rausschmiss.

Wo gehen die Gebühren hin?

Wenn sie nun schon zahlen müssen, dann sollten die Studenten genau darauf achten, was sie für ihr Geld bekommen. Denn die Gebühren sorgen nicht automatisch dafür, dass die Lehre besser wird und zum Beispiel mehr Tutorien angeboten werden. So hat der Rechenschaftsbericht der Uni Köln, die seit einem Jahr den Höchstsatz von 500 Euro von ihren Studenten nimmt, nach wie vor große Lücken. Und der Asta konnte bisher nicht bis ins letzte Detail klären, wofür die einzelnen Institute das Geld ausgegeben haben.

Auch haben viele Unis und Fachhochschulen viel zu spät begonnen, zu überlegen, wofür sie das Geld ausgeben wollen. Das bedeutet im Klartext: Wer jetzt studiert, zahlt dafür, dass es spätere Studenten mal besser haben werden. Außerdem fließt nur ein Teil des Geldes in die Uni, in Nordrhein-Westfalen gehen zum Beispiel 23 Prozent in den so genannten "Ausfallfonds" des Landes. Sie dienen als Rücklage, falls später nicht alle Studenten ihren Kredit zurückzahlen können. Die reichen Studenten finanzieren so all die, die von den Gebühren ausgenommen werden.

Die Studenten sollten jetzt endlich bessere Studienbedingungen einklagen - schließlich zahlen sie dafür. Am Ende wird es sich trotz Gebühren für sie auszahlen, denn die Aussichten für Akademiker sind glänzend: Ihre Arbeitslosenquote liegt seit langem unter vier Prozent.

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