HOME

Konklave-Fakten: Blitzwahlen und jahrelange Sitzungen

Das Konklave beginnt, ob sich die Kardinäle schnell einig werden? In der Vergangenheit gab es immer wieder außergewöhnliche Papstwahlen. Auch die Bürger stiegen den Kardinälen schon aufs Dach.

Das erste Konklave: Die Wahl von Coelestin IV. im Jahr 1241 durch eingeschlossene Kardinäle in Rom gilt als erstes Konklave in der Papstgeschichte. Nach anderen Quellen beansprucht die mittelitalienische Stadt Perugia das erste Konklave für sich. Dort sollen sich bereits im Jahr 1216 Kardinäle - angeblich aus Angst vor Übergriffen durch die Bevölkerung - eingeschlossen und Honorius III. zum Papst gewählt haben.

Das längste Konklave

: Es begann 1268 in Viterbo rund 100 Kilometer nordwestlich von Rom und dauerte zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage. Die Kardinäle konnten sich auch nach einer drastischen Kürzung der Lebensmittel nicht auf einen Papst einigen. Erst als die Stadtväter das Dach über dem Wahlraum abtragen ließen und die Purpurträger unter freiem Himmel herbstlichem Regenwetter ausgesetzt waren, wurde im September 1271 Papst Gregor X. gewählt. Zuletzt gab es 1831 eine besonders lange Wahl, aus der Gregor XVI. erst nach 50-tägigem Konklave als Papst hervorging.

Das kürzeste Konklave

: Am 1. November 1503 war in Rom bereits nach wenigen Stunden - die genaue Zeit ist nicht überliefert - Papst Julius II. gewählt. Bestechung soll die Abstimmung beschleunigt haben. Mit einer Dauer von nur 20 Stunden zählt auch die Wahl von Pius XII. 1939 zu den kürzesten Konklaven der Geschichte. Bereits 26 Stunden nach dem Einzug des Kardinalskollegiums in die Sixtinische Kapelle wurde 2005 Benedikt XVI. gewählt.

Das dramatischste Konklave:

Im Jahr 1314 eskalierte eine Papstwahl im südfranzösischen Carpentras. Ungeduldige Massen steckten den Bischofspalast in Brand, so dass die Purpurträger die Flucht ergreifen mussten. 1316 wurde die Wahlgesellschaft dann im Dominikanerkloster von Lyon eingeschlossen. Nach weiteren 40 Tagen wurde dann endlich am 7. August 1316 Johannes XXII. zum neuen Papst bestimmt.

Dauer der letzten Konklaven:

Ein Blick ins 20. Jahrhundert zeigt, dass die Papstwahlen zuletzt alle relativ schnell über die Bühne gingen: Kein Konklave dauerte länger als vier Tage. Besonders schnell einigten sich die Kardinäle im Fall Pius' XII., der am 2. März 1939 nach nur 24-stündigen Beratungen im dritten Wahlgang als neues Oberhaupt der katholischen Kirche feststand.

Ablauf der aktuellen Wahl

: Am Eröffnungstag des Konklaves ist nur ein Wahlgang vorgesehen. An den folgenden Tagen gibt es jeweils vier Wahlgänge, zwei am Vormittag und zwei am Nachmittag. Nach drei Wahltagen ist eine maximal eintägige Pause vorgesehen, "für das Gebet, für ein zwangloses Gespräch unter den Wählern und für eine kurze Ansprache durch den ranghöchsten Kardinal aus der Ordnung der Diakone". Nach sieben weiteren Wahlgängen folgt erneut eine Pause. Danach werden weitere sieben Wahlgänge gemacht, Pause, und wiederum sieben Wahlgänge. Danach - also spätestens nach dem 34. Wahlgang - kommt es zur Stichwahl der beiden Namen mit den meisten Stimmen. Auch dabei ist eine Zweidrittel-Mehrheit nötig. Benedikt XVI. hatte das so festgelegt.

Herkunft der Kardinäle:

Von den 115 wahlberechtigten Kardinälen kommen 28 aus Italien, 32 aus anderen europäischen Ländern, 19 aus Latein- und 14 aus Nordamerika. Elf von ihnen stammen aus Afrika, zehn aus Asien und einer aus Ozeanien. Einer Mehrheit von insgesamt 67 der teilnehmenden Kardinäle wurde die Kardinalswürde während der knapp achtjährigen Amtszeit Benedikts XVI. verliehen, die am 28. Februar um 20.00 Uhr zu Ende ging. Die restlichen wurden während des Pontifikats Johannes Pauls II. in den Kardinalsstand erhoben.

Der jüngste Kardinal

ist der 53-jährige Isaac Cleemis Thottunkal aus Indien.

Der älteste Kardinal

im Konklave ist der Deutsche Walter Kasper. Er ist am 5. März 80 Jahre geworden und darf nur wählen, weil sein Geburtstag in die Sedisvakanz - also die Zeit ohne Papst - fiel. Kasper war von 2001 bis 2010 oberster Ökumene-Beauftragter der katholischen Kirche und zählt zu deren profilierten liberalen Köpfen.

Die deutschen Kardinäle

sind neben Walter Kasper der 76-jährige Mainzer Bischof Karl Lehmann, der 79-jährige Kölner Erzbischof Joachim Meisner, der 59 Jahre alte Chef des Erzbistums München-Freising, Reinhard Marx, der 78-jährige Paul Josef Cordes sowie der mit 56 Jahren Drittjüngste im Konklave, Rainer Maria Woelki, Leiter des Erzbistums Berlin.

bak/DPA/AFP / DPA