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Kopfgeld für Enttarnung: Bischofskonferenz soll Jagd auf kreuz.net-Macher unterstützen

kreuz.net hat den verstorbenen Dirk Bach übelst verunglimpft. Ein Verlag setzte deswegen eine Prämie für die Enttarnung der kreuz.net-Macher aus - und bittet die Bischofskonferenz um Mithilfe.

Von Lutz Kinkel

Offiziell weiß der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz von nichts. Der Brief des Verlages sei noch nicht eingetroffen, daher könne nicht darauf reagieren, sagt Matthias Kopp zu stern.de. Das Angebot, ihm eine Kopie des Schreibens zugänglich zu machen, lehnt er ab.

Im Netz ist der Brief bereits zu finden, er steht in voller Länge auf der Homepage des Absenders, des Bruno-Gmünder-Verlags. Die Unterzeichner - es sind die drei Geschäftsführer - fordern die Deutsche Bischofskonferenz darin auf, ihren Kampf gegen das Internetportal kreuz.net zu unterstützen. "Eine eindrucksvolle Möglichkeit wäre, die angesetzte Belohnung so zu erhöhen, dass die Macher dieser Seite ausfindig gemacht und der Staatsanwaltschaft übergeben werden können", heißt es. Der Gmünder-Verlag hatte für die Enttarnung der kreuz.net-Hintermänner 15.000 Euro zur Verfügung gestellt. Anlass war die Berichterstattung über den Tod des Comedians Dirk Bach, den das Portal in einem Artikel als "Homo-Gestörten" und "Kinderhasser" schmähte. "Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle", hieß es. Die Empörung über diese brutale Verunglimpfung des populären Comedian schlug im Netz hohe Wellen.

Bischofskonferenz kritisiert "Feigheit der Anonymität"

Kreuz.net ist für solche Hasstiraden berüchtigt. Im Namen eines vermeintlich reinen katholischen Glaubens werden vor allem Schwule, aber auch Juden attackiert. Die Autoren bleiben zumeist anonym, die Hintermänner sind es sowieso: Das Impressum nennt nur einen Briefkasten in El Sugando, USA. Eine weit verbreitete Spekulation besagt, dass die Macher im Umfeld der erzkonservativen Piusbruderschaft zu finden seien, belegt ist dies aber nicht. Klar ist nur: Die Seite ist populär. Sie liegt im Alexa-Ranking weit vor kath.net, einem anderen privat betriebenen, papsttreuen Portal, und kilometerweit vor den offiziellen Seiten der deutschen Kirche, katholisch.de und evangelisch.de.

Die Amtskirche grenzt sich scharf gegen kreuz.net ab. Sprecher Matthias Kopp schickte auf Nachfrage von stern.de diese Stellungnahme zu: "Die Deutsche Bischofskonferenz hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach und in aller Deutlichkeit von dem inakzeptablen Machwerk kreuz.net distanziert und tut dieses auch in diesen Tagen. Kreuz.net hat nichts mit der katholischen Kirche zu tun. Hier wird der Begriff 'katholisch' auf das gröbste missbraucht. Kreuz.net ist ein gefährliches antisemitisches, volksverhetzendes und menschenverachtendes Portal, das keine Existenzberechtigung hat. Es wäre günstig, wenn diese Seite möglichst bald abgeschaltet werden muss. Wir bemühen uns seit längerer Zeit, die Betreiber ausfindig zu machen und haben juristische Maßnahmen eingeleitet. Kreuz.net wäre gut beraten, aus der Feigheit der Anonymität endlich herauszutreten."

Über 1000 Strafanzeigen gegen kreuz.net

Hinreichend findet David Berger, Mitinitiator der Kopfgeld-Kampagne und der Website www.stopptkreuznet.de, die Stellungnahme nicht. "Die deutsche Bischofskonferenz distanziert sich von allem bei kreuz.net, nur nicht von der Homophobie", sagt er stern.de. Obendrein biete sie keine Lösungen an. "Einem Kriminellen zu sagen, er solle sich stellen und zur Polizei gehen, ist ja ganz schön. Aber er wird es nicht tun." Selbst den von der Bischofskonferenz eingeleiteten "juristischen Maßnahmen" misstraut Berger. Seinen Angaben zufolge gibt es bereits weit über 1000 Strafanzeigen gegen kreuz.net. Der Effekt sei gleich null.

Nach dem Tod von Dirk Bach, der unsäglichen Reaktion auf kreuz.net sowie der Empörung darüber wusste Berger, dass nun der richtige Moment gekommen war, die Öffentlichkeit gegen das Hetz-Portal zu mobilisieren. Berger, ehemaliger Top-Theologe des Vatikans, der nach seinem Outing in Ungnade fiel, ist selbst Opfer einer kreuz.net-Kampagne. Das Portal veröffentlichte seine Adresse sowie sein Profil bei einer Schwulen-Community und wies rechten Schwulenhassern damit den Weg zu seiner Haustür. Alle Maßnahmen, die Berger daraufhin gegen kreuz.net ergriff, nutzen wenig. Deshalb kam er auf die Idee mit "Kopfgeld". "Im Grunde genommen machen wir nichts anderes als Aktenzeichen XY", sagt er.

Katholiken und der Gmünder-Verlag

Natürlich hält es auch Berger für ziemlich unwahrscheinlich, dass die Deutsche Bischofskonferenz mit dem Bruno-Gmünder-Verlag kooperiert. Der Verlag bringt Literatur für Schwule heraus und verkauft Sexspielzeug, auf der eigenen Homepage vornehm "Lifestyle-Produkte" genannt. Andererseits ist Berger von der "Kopfgeld"-Idee überzeugt. Es seien bereits hunderte Mails eingetroffen, die auch heiße Spuren zu den Hintermännern von kreuz.net lieferten, sagt er. Er hoffe, der Staatsanwaltschaft schon kommende Woche einige relevante Informationen geben zu können.