HOME

Kostenexplosion und Täuschungsvorwurf: Limburger Bischof meidet die Öffentlichkeit

Die nochmals gestiegenen Baukosten für den Limburger Bischofssitz verschärfen die Kritik an Bischof Tebartz-van Elst. Rücktrittsforderungen werden laut. Die Protzerei missfällt auch Papst Franziskus.

Kritiker aus der katholischen Kirche setzen den umstrittenen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst wegen der Kostenexplosion für seinen neuen Bischofssitz unter Druck. Die Ausgaben für die neue Bischofsresidenz "übersteigen alle bisherigen Befürchtungen", sagte der Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius aus Frankfurt/Main, Werner Otto.

Die am Vorabend bekanntgewordene Summe von 31 Millionen Euro sei moralisch nicht vertretbar: "Solch hohe Kosten für die Wohn- und Arbeitsräume eines einzelnen Menschen sind den Gläubigen nicht zu vermitteln." Mit dieser "Eskalation" habe er nicht gerechnet, betonte der Pfarrer. Tebartz-van Elst werde nun einiges zu erklären haben.

Einer der Initiatoren des kirchenintern kritischen "Hofheimer Kreises", Pfarrer Ludwig Reichert, forderte den Bischof am Dienstag zum Rücktritt auf. "Ich denke, dass die Glaubwürdigkeit schwer erschüttert ist", sagte Reichert im Hessischen Rundfunk. Auf die Frage, ob Tebartz-van Elst zurücktreten solle, sagte er: "Ja, ich denke, dass es inzwischen so weit ist."

"Wir sind hinter das Licht geführt worden"

Noch erschreckender als die stark gestiegenen Kosten sei, dass der Bischof offenbar den Vermögens- und Verwaltungsrat des Bischöflichen Stuhls getäuscht habe, erklärte Otto. "Wenn das zutrifft und er die Haushalte nicht vorgelegt hat, dann ist sein Amt extrem beschädigt." Das Amt des Bischofs lebe von seiner Glaubwürdigkeit. Ein Sprecher des Vermögensrats hatte nach Bekanntwerden den neuen Zahlen gesagt: "Wir sind hinter das Licht geführt worden."

Die Kritik am Limburger Bischof scheint Wirkung zu zeigen: Tebartz-van Elst hat einen öffentlichen Termin in Wiesbaden abgesagt. Er hätte eigentlich am Dienstagnachmittag in der hessischen Landeszentrale für politische Bildung Bücher über die beiden gegensätzlichen Päpste Benedikt XVI. und Franziskus vorstellen sollen. Das Bistum habe darum gebeten, den Termin zu verschieben, sagte eine Mitarbeiterin der Landeszentrale der Nachrichtenagentur DPA.

Das Bistum hatte am Montagabend mitgeteilt, dass die Kosten für den neuen Bischofssitz weit höher als bisher angenommen liegen. Zuletzt war von mehr als 10 Millionen Euro die Rede, nun wurde die Summe auf rund 31 Millionen Euro nach oben korrigiert.

Tebartz-van Elst steht seit längerem in den eigenen Reihen wegen seiner Amtsführung in der Kritik, ihm werden autoritärer Stil und Verschwendung vorgeworfen. Die Situation in seinem Bistum wurde auch vom Vatikan als problematisch eingeschätzt. Papst Franziskus, der für Bescheidenheit und Hinwendung zu den Armen steht, hatte deshalb im September eigens einen Gesandten nach Limburg geschickt.

tkr/DPA / DPA