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Krefelderin beweist Zivilcourage: Wie eine Fotoladen-Mitarbeiterin einen Pädophilen überführte - und gefeuert wurde

Die Fotos von nackten Kindern kamen ihr gleich verdächtig vor, doch der Chef wollte lieber keinen Ärger. Sara Dahlem ging trotzdem zur Polizei - und verlor ihren Job. Nun wird sie als Heldin gefeiert.

Zunächst war es ein Auftrag wie jeder andere, wenn auch ein großer. 1000 Fotos waren auf dem USB-Stick, den der Kunde in dem Krefelder Fotogeschäft vorbeibrachte. Doch als die Bilder am Computer durchliefen, wurde Sara Dahlem, die in dem Fotoladen jobbte, stutzig. Sie zeigten vor allem zwei Kinder, nackt, und verdächtig oft war das Geschlechtsteil im Mittelpunkt des Bildes. "Ich hatte direkt ein komisches Bauchgefühl und habe meinen Chef hinzugezogen", erzählte Dahlem der WDR-Lokalzeit. Doch der Chef will lieber keinen Ärger. Schließlich ist kein direkter Missbrauch zu sehen, kein Grund, den guten Kunden zu verprellen.

Doch die 24-jährige Krefelderin lassen die Bilder nicht los. Sie hat das Gefühl, dass hier großes Unrecht geschieht. Daher geht sie gegen den Willen ihres Chefs mit den Bildern zur Polizei. Die nimmt die Sache sehr ernst und leitet Ermittlungen ein. Die Beamten bescheinigen Sara Dahlem, alles richtig gemacht zu haben. Doch das sieht ihr Chef anders.

Als sie am übernächsten Tag wieder zur Arbeit geht, bekommt sie von ihm die Kündigung. "Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sah mein Chef als nicht mehr gegeben an. Womit er natürlich Recht hatte", sagte Dahlem der Westdeutschen Zeitung. Doch damit nicht genug. Zudem bescheinigt er ihr auch noch, Daten gestohlen und das Vertrauen missbraucht zu haben, sodass sie Probleme mit dem Arbeitsamt bekommt. Zum Glück hilft ihr die Polizei, die die Hintergründe kennt, und stellt die Dinge richtig.

Erst entlassen, dann geehrt

Nun, rund acht Monate nach dem Vorfall, kann sich Sara Dahlem endgültig rehabilitiert fühlen. Sie wurde soeben vom Krefelder Oberbürgermeister Gregor Kathstede und dem Polizeipräsidenten Rainer Furth für ihre Zivilcourage ausgezeichnet. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Pädophilen liegt jetzt bei der Staatsanwaltschaft, wie die Krefelder Polizei bestätigt.

Sara Dahlem ist jetzt offiziell eine Heldin. Auf ihrer Facebookseite wird sie von Freunden und Bekannten abgefeiert. "Ich zieh den Hut vor dir" oder "Hast du gut gemacht, bin stolz auf dich" lauten die Kommentare. Ein Foto zeigt sie mit dem Krefelder Oberbürgermeister, der ihr einen großen Blumenstrauß überreicht. Entsprechend überwältigt ist sie vom Lob und der Anerkennung, die ihr nun entgegen gebracht werden. Auf ihrer Facebookseite schreibt sie: "Ich möcht kurz sagen das ich NIE erwartet hätte was hier passiert. Ich habe über 500 Nachrichten in den letzten 4 Stunden erhalten. In den meisten steht: 'du hast echt Eier'. Danke. Ich bin glücklich das so viele Menschen genauso gehandelt hätten."

Sara Dahlem hat nicht nur die zwei Kinder auf den Fotos vor möglicherweise Schlimmerem bewahrt. Auch in ihrem neuen Job macht sie Kinder glücklich. Sie arbeitet als Kursleiterin für Kindertanz in einer Tanzschule.

bak
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Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?