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Kriegsveteran gegen Rassismus Muslime haben mich gerettet - Weiße haben mich angespuckt


Eigentlich wollte Chris Herbert nur ein bisschen Dampf ablassen. Doch nach einem wütenden Posting gegen Rassisten, die meinen, als Kriegsveteran müsse er Muslime hassen, wurde der Brite zum Social-Media-Star.  
Von Sophie Albers Ben Chamo

Wenn man sich durch die öffentlichen Fotos auf der Facebookseite des britischen Kriegsveteranen Chris Herbert klickt, wird eines schnell klar: Der 28-jährige Eventmanager ist ein lebenslustiger, nimmermüder Partylöwe. Seit Dienstag ist er außerdem ein Social-Media-Held.

Herbert war 19 Jahre alt, als er damit klarkommen musste, den Rest seines Lebens ohne sein rechtes Bein auszukommen. 2007 war er im Irak stationiert. In der Nähe von Basra geriet sein Fahrzeug in einem Militärconvoy in eine Sprengfalle. Sein bester Freund starb, ein Soldat hatte Granatsplitter in beiden Beinen, ein anderer verlor seine Hand. Herberts Bein wurde oberhalb des Knies amputiert.

Knapp 70.000 Shares in 23 Stunden

Und deshalb gibt es nun offensichtlich Leute, die meinen - auch angesichts der zunehmend aggressiven Diskussion über Flüchtlinge aus muslimischen Ländern -, dass Herbert Moslems notwendigerweise hassen müsse. Das sieht der Mann aus Portsmouth allerdings anders und schrieb folgendes Posting, das in 23 Stunden bereits 60.887 Mal geteilt wurde.

Getting frustrated by some people expecting racism from me, because I got blown up. Here it is:Yes. A Muslim man blew...

Posted by Chris Herbert on Tuesday, 8 December 2015

 

Es nervt mich langsam, dass bestimmte Leute Rassismus von mir erwarten, weil ich in die Luft gesprengt wurde. Zur Klarstellung:

Ja, ein Moslem hat mich in die Luft gesprengt, und ich habe mein Bein verloren. Ein Moslem in britischer Uniform hat am selben Tag seinen Arm verloren. Ein muslimischer Sanitäter war in dem Hubschrauber, der mich weggebracht hat. Ein muslimischer Chirurg hat mich operiert und mir das Leben gerettet. Eine muslimische Krankenschwester gehörte zu dem Team, das sich um mich gekümmert hat, als ich wieder in Großbritannien war. Ein muslimischer Gesundheitsberater gehörte zu dem Team, das sich um meine tagtäglichen Bedürfnisse sorgte, als ich wieder laufen gelernt habe. Ein muslimischer Taxifahrer wollte kein Geld von mir, als ich das erste Mal wieder mit meinem Vater ein Bier trinken gegangen bin. Ein muslimischer Doktor hat meinen Vater im Pub getröstet und beraten, als er nicht wusste, wie er mit meinen ganzen Medikamenten und den Nebeneffekten umgehen soll.

Dagegen hätten ihn "weiße" Briten sehr schlecht behandelt:

Ein weißer Brite hat meiner Freundin ins Gesicht gespuckt, weil sie 'einen Krüppel fickt" anstatt ihn. Ein weißer Brite hat meinen Rollstuhl zur Seite gestoßen, um als erster in den Fahrstuhl zu kommen. Ein weißer Brite hat meinen Vater angeschrien, als er auf einem Behindertenparkplatz geparkt hat, um mich abzuholen.

"Fuck off! Ich weiß, wen ich mag und wen nicht"

Erstaunlicherweise ist Herbert trotzdem nicht der Humor ausgegangen:

Ich hasse auch keine weißen Briten! hahaha. Viele hätten ihm bei der Genesung geholfen. 

Aber die Sache sei die, fährt Herbert fort: "Fuck off. Ich weiß, wen ich mag und wen nicht. Ich weiß, wen ich schätze und wen nicht. Wenn ihr einen ganzen Menschenschlag von Männern und Frauen hassen wollt, für das, was ein paar Arschlöcher getan haben, bitte sehr. Aber zwängt mir eure Ansichten nicht auf, weil ihr glaubt, ich sei ein einfaches Ziel, weil ein Idiot beschlossen hat, es sei mein Tag zu sterben. 

Alle Muslime für die Taten von Gruppen wie IS und die Taliban zu verurteilen, wäre das Gleiche wie alle Christen zu verurteilen, für das, was der KuKluxKlan tut oder die Westboro Baptist Church.
Kriegt euer Leben in den Griff, umarmt eure Familien und geht wieder an die Arbeit.

"Das reicht erstmal"

Nach wenigen Stunden hatte die "Ladbible" Herberts Post aufgenommen, und das Social-Media-Rad fing an, sich immer schneller zu drehen. Zu schnell für Herbert. "Ich glaube, das war genug Internet für heute", postete er am Dienstagabend.
    

I think that might be enough internet for today...

Posted by Chris Herbert on Tuesday, 8 December 2015

Derweil feiern ihn seine Freunde und posten, wo sie seine starke Botschaft noch überall gefunden haben. 

You're on buzzfeed now!! Taking over the damned internet Herby 󾍘xx

Posted by Lucie Rose on Tuesday, 8 December 2015

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