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Krippenplätze: Die Knackpunkte beim Kita-Ausbau

Zu wenig Erzieher, zu wenig Platz, keine Gebäude - im Sommer 2013 sollen Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz haben. Doch es fehlen immer noch knapp 130.000 Kitaplätze.

Von Christiane von Hardenberg, Berlin

Der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz kommt im August 2013. Daran lässt Familienministerin Kristina Schröder (CDU) keinen Zweifel. Derzeit fehlen noch 130.000 Plätze, damit jedes dritte Kinder unter drei Jahren eines Jahrgangs unterkommt. Mit einem Zehn-Punkte-Plan will die Ministerin das Projekt beschleunigen. Hier finden Sie die größten Baustellen und wie die Regierung sie in den Griff bekommen kann.

Erzieher/Innenmangel

Das ist das größte Problem des geplanten Krippenausbaus. Das Deutsche Jugendinstitut in München geht von 20.000 fehlenden Erzieherinnen und Erziehern aus. "Tatsächlich dürfte die Zahl noch weit darüber liegen", sagt Bernhard Nagel vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München.

Denn in den nächsten Jahren werden gerade in Ostdeutschland sehr viele Erzieherinnen in Rente gehen. "Allein durch die Ausbildung von neuen Erzieherinnen werden wir das Problem nicht lösen können", sagt Anette Stein, Bildungsexpertin bei der Bertelsmann Stiftung. Derzeit arbeitet rund die Hälfte aller Angestellten Teilzeit.

Meistens jedoch nicht aus freien Stücken: Oft vergeben Kommunen nur noch Teilzeitstellen, um ihr finanzielles Risiko klein zu halten. "Die Länder und Kommunen müssen dafür sorgen, dass diese Stellen in Vollzeitplätze umgewandelt werden", fordert Stein. "Ein Teilzeitgehalt kann sich nur leisten, wer noch einen zweiten Verdiener in der Familie hat", sagt Stein. Für junge Männer sei der Beruf daher oft keine Option.

Immobilien

Vor allem in innerstädtischen Lagen mangelt es an geeigneten Immobilien. Familienministerin Schröder kündigte bereits vor Wochen an, Normen, die nicht pädagogisch oder für die Sicherheit relevant seien, zeitweilig auszusetzen. Bildungsexpertin Stein steht der Idee skeptisch gegenüber. "Hinter den meisten Vorschriften steckt eine pädagogische Idee", sagt sie.

Auch wenn es um die richtige Höhe der Waschbecken gehe. "Wer entscheidet, welche Standards wichtig sind und welche nicht?", so Stein. Sinnvoller sei es, mehr Personal für die Bearbeitung der Bauanträge einzustellen. "Das würde den Krippenausbau erheblich beschleunigen."

Finanzierung

Seit der Rechtsanspruch 2007 festgenagelt wurde, sind die Kosten deutlich gestiegen. Statt der veranschlagten 12 Milliarden Euro geht der Deutsche Städte- und Gemeindebund mittlerweile von knapp 20 Milliarden Euro aus. Die Bundesregierung steuert bis 2013 4 Milliarden Euro bei: 2,15 Milliarden Euro für Investitionen wie Erweiterungsbauten bestehender Kindergärten und 1,85 Milliarden Euro für Betriebskosten.

Viele Kommunen fürchten aber die hohen Folgekosten. Zudem kommen die Länder ihren finanziellen Verpflichtungen oft nicht nach. "Bund und Länder müssen die Ausbaumittel deutlich aufstocken", fordert der Deutsche Städte- und Gemeindebund daher.

Zusammenarbeit

Das Zusammenspiel zwischen Bund, Ländern und Kommunen ist allenfalls mäßig. Schröder spricht auch gerne vom "Schwarzer-Peter-Spiel", Schuld ist demnach immer der Andere. Wie schlecht die Kooperation läuft, ist schon daran zu erkennen, dass Zahlen zum Stand des Ausbaus nur mit Monaten Verzögerung nach Berlin gelangen, da Kommunen und Länder diese nicht an den Bund weiterreichen. Das macht eine Kontrolle nur schwer möglich.

Auch bei der Ausbildung der Erzieherinnen macht jedes Land, was es will. Eine bessere und engere Zusammenarbeit wäre dringend notwendig, sagt Stein. "Der Krippenausbau ist aber emotional so sehr aufgeladen, dass an eine bessere Zusammenarbeit derzeit nicht zu denken ist."

FTD
  • Christiane von Hardenberg