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Kritik an Benedikt XVI.: Deutsche mögen den Papst nicht mehr

Im kommenden Jahr will Benedikt XVI. Deutschland besuchen. Würde er jetzt schon kommen, müsste er sich auf eine unangenehme Reise einrichten. Nur noch 42 Prozent der Deutschen sind einer Umfrage zufolge mit "ihrem" Papst zufrieden. Unterdessen macht die erzkonservative Pius-Bruderschaft neuen Ärger.

Die Zustimmung für Papst Benedikt XVI. in der deutschen Bevölkerung scheint nach dem Eklat um den Bischof und Holocaust-Leugner Richard Williamson zu bröckeln. Hatten beim Amtsantritt von Joseph Ratzinger als Papst im April 2005 noch fast zwei Drittel der Deutschen (63 Prozent) von einer guten Wahl gesprochen, so sind jetzt nur noch 42 Prozent mit seiner Arbeit sehr zufrieden oder zufrieden. Dies ergab eine repräsentative Umfrage von Infratest dimap Anfang der Woche im Auftrag der ARD-"Tagesthemen". Aller Kritik in seinem Heimatland zum Trotz will der Pontifex im kommenden Jahr Deutschland besuchen.

Anlass für den Besuch sollen die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit sein. "Ich gehe davon aus, dass es im nächsten Jahr einen Besuch des Heiligen Vaters in Deutschland geben wird", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, in der ZDF-Sendung "Berlin Direkt". Es werde einen offiziellen Staatsbesuch in Berlin geben "und, ich hoffe, auch bei uns in Freiburg", ergänzte der Freiburger Erzbischof.

Bis zum Besuch Stimmung wieder besser?

"Ich denke, dass bis dorthin auch vieles wieder so ruhig geworden ist, dass wir ihn wirklich mit Freude und Begeisterung empfangen können", ergänzte er mit Blick auf die öffentliche Kritik wegen der Rehabilitierung erzkonservativer Bischöfe, darunter auch Bischof Williamson.

Bis zu einer größeren Zustimmung zum Papst ist es derzeit allerdings noch ein weiter Weg. Auf großes Unverständnis stieß bei den 1000 für die ARD befragten Bundesbürgern die Entscheidung des Papstes, die Exkommunikation von Williamson und dreier weiterer Bischöfe der erzkonservativen Piusbruderschaft aufzuheben. Fast zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) sprachen sich dafür aus, Williamson wieder aus der katholischen Kirche auszuschließen. Lediglich jeder vierte (27 Prozent) sagte, er könne in der Kirche bleiben, dürfe aber kein Amt ausüben.

Williamson bestreitet öffentlich die historische Tatsache, dass in den Gaskammern der Nazis sechs Millionen Juden ermordet wurden. Der päpstlichen Forderung nach Widerruf ist der Brite, der sich derzeit in einem Kloster bei Buenos Aires aufhalten soll, bisher nicht nachgekommen.

Erzbischof Zollitsch kritisierte trotz seiner Hoffnung, dass sich bis zum kommenden Jahr die Wogen wieder geglättet haben, den mangelnden Informationsfluss im Vatikan. Bei der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons habe man "den Papst leichtfertig ins Messer laufen lassen", sagte Zollitsch in der ZDF- Sendung "Maybrit Illner". Der den Papst beratende Kardinal Hoyos hätte sich vergewissern müssen, "was für Personen" die betroffenen vier Mitglieder der Piusbruderschaft seien. Dass dies nicht geschehen und der Papst nicht informiert worden sei, sei "ein offenes Versagen". Zollitsch rechnet mit einem Bruch der Kirche mit der Bruderschaft, deren Einlenken nicht zu erwarten sei.

Bestätigt wird die Einschätzung des Erzbischofs durch die Aktivitäten der Pius-Bruderschaft, die unverändert auf Konfrontationskurs zum Vatikan geht. Der deutsche Distrikt der ultrakonservativen Vereinigung bestätigte der Nachrichtenagentur AP am Freitag, dass weitere Priesterweihen angesetzt sind. Diese sind den vier abtrünnigen Bischöfen aber verboten - sie waren bereits selbst ohne Erlaubnis des Vatikans geweiht. Der deutsche Distrikt der Vereinigung bestätigte einen Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers", wonach für Ende Juni der nächste Termin für Priesterweihen angesetzt ist. Zudem hat das Oberhaupt, der Schweizer Bischof Bernard Fellay, am vergangenen Sonntag angehenden Geistlichen "niedere Weihen" gespendet. Fellay gehört zu jenen vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft, die 1988 exkommuniziert wurden. Damit haben sie das Recht verloren, Sakramente zu empfangen und kirchliche Ämter auszuüben. Dieses Recht wurde ihnen auch durch die jetzige Rehabilitierung nicht wieder zuerkannt.

Unterdessen wurden auch Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kurie zum Fall Williamson deutlich. Vatikansprecher Lomabardi bezeichnete die Leugnung des Holocausts als "absolut inakzeptabel". Sie müsse widerrufen werden. Dagegen nannte der vatikanische Gesundheitsminister, Kardinal Javier Lozano Barragàn, Williamsons Äußerungen eine "Dummheit", für die niemand exkommuniziert werden müsse. Der 76-jährige Mexikaner sagte der spanischen Zeitung "El Mundo" auf die Frage, wie es sein könne, dass der Papst nichts von den Thesen Williamsons gewusst habe und ob dies nicht bedeute, dass in der Kurie und im Umfeld von Benedikt XVI. etwas nicht funktioniere: "Wir haben eben kein FBI."

AP/DPA / AP / DPA