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"Wir waren zum Abschuss freigegeben": Fünf Tage als Geisel: Wie zwei Überlebende die Qualen an Bord der "Landshut" erlebten

Im Oktober 1977 wird die "Landshut" von palästinensischen Terroristen entführt. Die Bundesregierung entscheidet, sich nicht erpressen zu lassen – und setzt damit das Leben der 91 Geiseln aufs Spiel. Unter ihnen: Birgitt Röhll und ihr Sohn Stephan.

Von Rolf-Herbert Peters

Entführter "Landshut"-Flug 1977: Zwei Überlebende erinnern sich

Palma de Mallorca, Donnerstag, 13. Oktober 1977. Birgitt Röhll, 35, und ihr Sohn Stephan, 10, müssen nach einer unbeschwerten Woche bei Freunden wieder heimreisen. Die "Landshut", eine Boeing 737, steht bereit. Flug LH 181 nach Frankfurt, von dort aus weiter nach Berlin. Mit ihnen werden weitere 84 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder an Bord gehen. Noch ahnt niemand, dass ihnen die schlimmste Flug-Odyssee der deutschen Geschichte bevorsteht.

Stephan: Wir kommen auf den letzten Drücker am Gate an. Meine Mutter musste noch ein Paar Stiefel in Palma abholen. Zwei Männer und zwei Frauen hetzen heran. Was wir da noch nicht wissen: Es sind unsere späteren Geiselnehmer. Bei der Sicherheitskontrolle werden wir nur lasch gecheckt. Die vier haben Waffen, Handgranaten und Sprengstoff offenbar irgendwie in ihren Kosmetikkoffern, Keksschachteln und einem Radio versteckt. Der Sprengstoff hätte wohl ausgereicht, um einen ganzen Jumbo zu zerlegen. Der letzte Bus jagt mit uns übers Rollfeld zum Flieger. Irre, die Kidnapper wären fast zu spät zur Entführung gekommen.

Die "Landshut" landet in Rom

Birgitt: Als wir um kurz vor 14 Uhr starten, verläuft alles normal. Stephan und ich sitzen in der Mitte, Reihe 11, nahe dem Notausgang. Die drei Stewardessen haben gerade das Mittagessen serviert. Dann wird es plötzlich sehr laut. Von hinten stürmt ein Mann mit einer Waffe durch den Gang, gefolgt von drei Personen. Ich denke, die versuchen einen Psychopathen einzufangen. Sie dringen ins Cockpit ein. Bald darauf meldet sich eine Stimme in schlechtem Englisch aus dem Bordlautsprecher: "Hier spricht Captain Martyr Mahmud. Das Flugzeug steht jetzt unter meinem Kommando! Wer meinen Anweisungen nicht folgt, wird sofort erschossen." Ich kann das erst nicht für Ernst nehmen. Ein deutsches Flugzeug – entführt? So etwas hat es ja noch nie gegeben! Zwei beleibte weibliche Passagiere müssen das Geschirr abräumen, sie sortieren Leute um, damit die stärksten Männer eingepfercht an den Fenstern sitzen. Dann gehen die Schikanen los. Eine der Kidnapperinnen, Soraya, steht vor der ersten Klasse und streckt zwei Handgranaten in die Luft. Wir müssen die Hände hinter den Kopf nehmen und dürfen keinen Mucks sagen. Stundenlang? Ach, ich weiß es nicht. Mein Zeitgefühl schwindet. Schließlich nehmen sie uns das Handgepäck weg. Nur die Zigaretten dürfen wir behalten.

Birgitt Röhll und Sohn Stephan. Beide leben noch immer in Berlin.

Birgitt Röhll und Sohn Stephan. Beide leben noch immer in Berlin.

Um 14.38 Uhr meldet die französische Flugsicherung: Flug LH 181 ist vom Kurs abgewichen. In der Bundeshauptstadt Bonn wird sofort der Krisenstab einberufen. Die "Landshut" landet am Nachmittag in Rom. Bundeskanzler Helmut Schmidt lässt die italienische Regierung ersuchen, sie nicht wieder starten zu lassen. Sie tut es doch. Schmidt weist die Antiterroreinheit GSG 9 an, ihr nachzufliegen. Aber: Darf der Staat das Leben seiner Bürger aufs Spiel setzen? Für den Erhalt seiner Macht?

Birgitt: Wir wissen nicht mehr, wo wir sind. Dauernd müssen wir die Rollos herunterziehen. Die Zeit verrinnt irgendwie. Ich stehe einfach auf, gehe zu Soraya und sage: "I have to go to the toilet." Sie guckt mich wütend und verständnislos an: "You bloody daughter of a bitch, go back to your seat!" Ich insistiere: "Sorry, I have to go to the toilet!" Da schlägt sie mir ihre Granaten so fest auf die Oberarme, dass die Hämatome noch Wochen später zu sehen sind. Konsterniert kehre ich zurück zu meinem Platz. Mahmud sagt dann durch, wer auf Toilette müsse, solle sich melden. Es melden sich fast alle. Meine Blase drückt. Trotzdem lassen sie mich bis zuletzt warten.

Am Abend landet die "Landshut" auf Zypern. Die Kidnapper diktieren später ihre Forderungen: Freilassung von elf RAF-Häftlingen und zwei in der Türkei inhaftierten Palästinensern sowie 15 Millionen Dollar Lösegeld. Ultimatum: Sonntag, 16. Oktober. Austauschen oder nicht – in Bonn wird heftig gestritten. Bundeskanzler Schmidt schreibt später: "Wir hatten zu fragen: Was ist Recht. Aber ebenso auch: Was kommt danach?" Einerseits gilt für jede der 91 Geiseln das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Dieses Grundrecht ist unveräußerlich. Nach den Jahren des staatlichen Terrors und Mordens im Nazi-Reich hatten es die Mütter und Väter des Grundgesetzes festgeschrieben, auf dass ein deutscher Staat nie wieder für Macht und Ideologie töten könne. Andererseits aber muss eine Regierung souverän handeln und eine Entscheidung mit Blick auf das Gemeinwohl der gesamten Gesellschaft fällen. Was also ist richtig? Rechtlich. Moralisch. Menschlich.

Stephan mit seinem Lebensretter Ulrich Wegener, Gründer und erster Kommandeur der GSG 9. Der Polizist verstarb 2017.

Stephan mit seinem Lebensretter Ulrich Wegener, Gründer und erster Kommandeur der GSG 9. Der Polizist verstarb 2017.

Birgitt: Warum wir entführt werden? Was die Kidnapper verlangen? An so etwas denke ich noch gar nicht. Gott sei Dank bin ich durch und durch Optimistin. Ich glaube fest daran, dass der Spuk zu Ende ist, sobald wir irgendwo landen. Wir wissen zu dieser Zeit nichts über die politischen Hintergründe, können uns nicht miteinander austauschen. Die Entführer sagen immer nur: "Niemand schert sich um euch!" Jeder im Flugzeug ist mit sich selbst beschäftigt. Stephan ist gefasst. Er sitzt neben mir und flüstert: "Mama, wir kommen hier wieder raus." Mein kleiner Sohn tröstet mich! Mein Gott, denke ich, er ist zehn, was hat er denn verbrochen, um das hier erleben zu müssen? Zwei der drei Stewardessen stehen unter Schock. Nur die jüngste, Gabriele Dillmann, ist ununterbrochen für uns im Einsatz, tröstend und beruhigend.

Die "Landshut" hebt auf Zypern ab

Stephan: Immer wieder werden wir umgesetzt, damit sich niemand absprechen kann. Irgendwann werde ich von meiner Mutter getrennt.

Birgitt: Ich sitze nun zwei Reihen hinter ihm und sehe, wie er mit einem anderen Jungen an den Rollos fummelt. Mir bleibt das Herz stehen. Mahmud hat gedroht: Wer sie öffnet, wird sofort erschossen.

In Bonn legt Bundeskanzler Schmidt seine Position fest: Der Staat lässt sich nicht erpressen. Es werde nicht ausgetauscht. Die Regierung zeigt Härte – genau so wie bei Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer, der sich seit dem 5. September in der Hand von RAF-Terroristen befindet. Der Kanzler wird geleitet vom Begriff der "Staatsräson". Sie besagt, dass ein Staat im Ausnahmezustand seine Interessen auch unter Verletzung der Rechte des Einzelnen durchsetzen darf. Aber rechtfertigt sie es, das Leben von 91 Bürgern für einen Machtkampf zwischen Regierung und Terroristen aufs Spiel zu setzen? Die "Landshut" hebt auf Zypern vollgetankt ab und landet gegen sechs Uhr früh in Dubai. In der folgenden Nacht reist Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski an.

Stephan: Die Geiselnehmer haben mal wieder Langeweile und durchwühlen das eingesammelte Handgepäck. Ich habe von meinem Freund in Mallorca eine Puppe geschenkt bekommen, die eine Art Nazi-Uniform trägt. Panik! Die finden sie glücklicherweise nicht. Später erklärt Mahmud über den Bordlautsprecher, dass sie ihre RAF-Genossen in Deutschland freipressen wollen. Dann hält er einen langen Monolog über die Geschichte Palästinas.

Fast 42 Jahre nach der Geiselnahme warten Mutter und Sohn noch immer auf Entschädigung

Fast 42 Jahre nach der Geiselnahme warten Mutter und Sohn noch immer auf Entschädigung

Birgitt: Es ist kaum auszuhalten im Flugzeug. Man kann diese Mischung aus Todesangst und Gestank niemandem vermitteln, der sie nicht selbst erlebt hat. Die "Kleine", sie nennt sich Shanaz, kommt hinter dem Vorhang hervor und befiehlt mir mitzukommen. Sie bringt mich in die abgedunkelte First Class, wo Mahmud mit der Pistole steht. "Setzen!", befiehlt er. Weil kein Sitz frei ist, nehme ich auf einer Lehne Platz. Da rastet er aus: "Auf die Knie!" Ich knie mich vor ihn. Er hält mir die Pistole an die Schläfe und zeigt mir meinen Montblanc-Füller, den er in meiner Handtasche gefunden hat. "Was ist das?" Ich antworte: "Ein Stift." Was ist das für eine Frage? Platsch, schlägt er mir ins Gesicht. Er zeigt auf das Montblanc-Logo, eine Art Stern. "Das ist das Firmenzeichen", sage ich. "Das ist ein Judenstern!", schreit er. Der ist wirklich irre, denke ich. Ich merke, er ist am Ende, hat ja fast nicht geschlafen. "Du bist Jüdin!" "Nein, ich bin evangelisch!" Dann gibt er mir eine weitere Ohrfeige und tritt mir vor die Knie.

Stephan: Plötzlich steht Mahmud vor mir. Er brüllt mich an, ob meine Mutter Jüdin sei. Ich verstehe sein arabisches Englisch nicht. Mein Sitznachbar übersetzt. Ich sage: "Nee!" Mahmud spuckt in meine Richtung. Zum Glück fliegt sein Rotz an mir vorbei an die Sitzlehne.

Birgitt: Kurz danach, wieder hinten, kommt Mahmud noch einmal zu mir. Er ist außer sich und schwenkt meinen Pass. Mein Mädchenname ist Grünewald. "Das ist der Beweis, du bist eine dreckige Jüdin!" Ich kann das Gegenteil nicht beweisen, es steht ja keine Konfession im Pass. Er glaubt, noch zwei weitere Jüdinnen entdeckt zu haben, und macht eine Durchsage: "Die drei jüdischen Hexen melden sich morgen früh um acht Uhr bei mir zum Erschießen!" Vor meinen Augen läuft ein Film ab. Der erschießt mich? Vor Stephan? Der flüstert: "Keine Angst, Mami, der wird dich schon nicht erschießen." Als Kapitän Jürgen Schumann vorbeikommt, zupfe ich an seiner Uniform: "Können Sie nicht mit Mahmud reden? Der darf mich doch nicht vor meinem Sohn erschießen!" Er sagt: "Ich spreche mit ihm, haben Sie mal keine Angst."

Die "Landshut" fliegt Richtung Aden

Dubais zuständiger Minister, Scheich Muhammad Bin Raschid Al Maktum, will kein Kerosin liefern, bevor nicht Frauen und Kinder freigelassen werden. In Bonn bereiten die Beamten weiter die gewaltsame Befreiung vor. Ein Aktenvermerk aus dem Kanzleramt verrät die zynische Strategie der Regierung: "Wenn eine Geisel erschossen ist, würde es leichter sein, die Notwendigkeit einer Polizeiaktion vor der internationalen Öffentlichkeit zu vertreten." Es klingt wie das kalte Kalkül eines Regimes. Es klingt nach den dunkelsten Tagen der deutschen Geschichte. Mahmud droht, alle fünf Minuten eine Person zu töten, wenn die Maschine nicht sofort aufgetankt wird. Da lässt der Scheich den Tankwagen anrollen.

Birgitt: Nach endlosen Stunden der Gewissheit, sterben zu müssen, spricht Mahmud gegen Mitternacht grinsend ins Mikrofon: "Die jüdischen Hexen werden nicht erschossen." Er lasse noch mal Gnade vor Recht ergehen. Ein Riesendruck fällt von mir ab. Niemand weiß, wie Schumann ihn davon überzeugt hat. Das erste Mal dürfen wir wieder essen. Fleischsalat, bei 50 Grad Hitze! Nun weiß ich auch, wo wir sind. In Dubai, das steht auf den Servietten. Hinter uns ist die Flugzeugtür offen. Der vierte Kidnapper, Riza, der "Schöne", sitzt davor, die Pistole auf dem Schoß, und schläft. Stephan sagt: "Wollen wir nicht rausspringen?" Aber das ist viel zu hoch, es gibt ja keine Treppe.

Die Röhlls kurz nach der Geiselnahme. Die Familie lud ihre Retter von der GSG 9 aus Dank nach Berlin ein.

Die Röhlls kurz nach der Geiselnahme. Die Familie lud ihre Retter von der GSG 9 aus Dank nach Berlin ein.

Angehörige der Geiseln fordern im Bonner Regierungsviertel lautstark den Austausch. Die Nachrichten zeigen ein Kind mit einem Transparent: "Herr Bundeskanzler, ich will meine Mutter wiederhaben." Kapitän Schumann schickt ein Telegramm an Kanzler Schmidt: "Das Leben von 91 Männern, Frauen und Kindern an Bord des Flugzeugs hängt von Ihrer Entscheidung ab. Sie sind unsere letzte und einzige Hoffnung." Auch Vater Röhll, der von seiner Frau getrennt lebt, schickt flehende Telexe ins Kanzleramt. Am Samstag, 15. Oktober, stellt die Familie Schleyer beim Bundesverfassungsgericht den Eilantrag, die Regierung zum Austausch zu zwingen. Es gebe "kein höherwertiges Rechtsgut als das Leben". Sie beruft sich auf den Grundgesetzartikel 2 (2). Das Gericht lehnt den Antrag ab. Seine Begründung: Der Staat müsse nicht nur den Einzelnen, sondern die "Gesamtheit aller Bürger" schützen. Diese Schutzfunktion verliere er, wenn er Erpressern grundsätzlich nachgeben müsse. Vielmehr müsse er in jedem Einzelfall "in eigener Verantwortung" entscheiden. Laut einer Blitzumfrage wollen 42 Prozent der Deutschen, dass der Staat nachgibt, und genauso viele plädieren dafür, hart zu bleiben. Papst Paul VI. bietet sich per Telegramm als Austauschgeisel an.

Stephan: Ich muss zur Toilette. Da türmt sich schon ein stinkender Berg Unrat durch die Klobrille. Fäkalien und gebrauchte Damenbinden. Eine Stewardess hat Geburtstag, die Entführer ordern eine Torte und Sekt. Wir müssen "Happy Birthday" singen. Die Kinder kriegen Spielzeug aus dem Flughafen-Shop, ich so einen ferngesteuerten Dackel, der immer "wuff, wuff" macht. Bizarr. Kurz danach rastet Mahmud wieder aus, wie aus dem Nichts.

Die "Landshut" fliegt Richtung Aden, Südjemen. Dort hoffen die Entführer, am Ziel zu sein. Das Land pflegt enge Beziehungen zu Terroristen. Doch die Landebahn ist mit Militärfahrzeugen versperrt. Wegen Spritmangels setzen die Piloten zur Notlandung im Wüstensand an – sie gelingt. Passagiere und Terroristen liegen sich erleichtert in den Armen. Die südjemenitische Regierung drängt die Entführer, sofort weiterzufliegen. Sie will keine internationalen Scherereien.

"Guilty or not guilty?"

Stephan: Kapitän Schumann, der eine unheimliche Ruhe ausstrahlt, darf raus, um die Maschine zu checken. Es dauert. Mahmud brüllt wie ein Bekloppter ins Megafon: "Jürgen, komm zurück!" Als Schumann wieder da ist, lässt er ihn im Gang exerzieren. Dann muss er vor ihm niederknien. Mahmud schreit ihn immer wieder an, er habe die Passagiere verraten: "Guilty or not guilty?" Schumann will die Lage erklären. Beim dritten Mal erschießt Mahmud ihn mit einem Schuss zwischen die Augen. Die Leiche bleibt im Gang vor uns liegen.

Birgitt: Ich presse Stephan ein Kissen ins Gesicht, als es passiert. Später nicke ich ein und werde durch einen Ruck wieder wach. Ich starre auf Schumanns Leiche, die Soraya und ein Passagier gerade an mir vorbeischleifen. Sie stopfen ihn in einen Schrank hinter uns. Mahmud grölt: "Wer weint, wird sofort erschossen." Ich weiß nicht, warum – noch immer denke ich: Wir werden sicher bald ausgetauscht. Männer einer portugiesischen Crew, die hinter uns sitzen, tuscheln mit anderen Passagieren. Sie planen ernsthaft, die Entführer zu überwältigen. Mich überkommt Panik: Das kann doch ohne Waffen nicht klappen!

Copilot Jürgen Vietor gelingt der Start. Ziel: Mogadischu, Somalia. Es ist nun Sonntag, 16. Oktober, das Ultimatum läuft ab. Stewardess Gabriele Dillmann will das Gewissen der Bundesregierung erreichen, um doch noch einen Austausch zu erzwingen. Sie richtet sich aus dem Cockpit an den Tower: "Ich will der deutschen Regierung sagen, dass es ihre Schuld ist, wenn wir alle sterben müssen. Und wir werden jetzt sterben." Die Elite-Eingreiftruppe GSG 9 ist im Anflug. Staatsminister Hans-Jürgen Wischnewski, der bereits vor Ort ist, plant eine List.

Stephan: Die Damen müssen ihre Nylonstrümpfe ausziehen, damit werden wir gefesselt. Bei mir macht das Soraya, sie zieht meinen Sitzgurt besonders fest. Die Entführer gehen singend durch die Reihen und schütten Parfüm und Alkohol aus dem Bordverkauf über uns aus. Damit wir besser brennen, sagen sie. Auf einmal, so erfahren wir, meldet ihnen Wischnewski, die RAF-Terroristen seien frei und auf dem Weg nach Mogadischu. Da nehmen sie uns die Fesseln wieder ab. Mahmud hat nun beste Laune, posiert als Sieger. Bald darauf knallt es. Die GSG 9 stürmt herein: "Köpfe runter! Wo sind die Schweine?" Meine Mutter fängt an zu nesteln, weil sie unbedingt ihre Stiefel noch anziehen will. Dabei hat sie ganz dicke Beine nach dem langen Sitzen. Dieter Fox, ein GSG-9-Mann, schnappt mich und schleppt mich nach draußen. Meine Mutter hinterher. Wir verstecken uns hinter einer Düne – und können nicht glauben, dass es vorbei ist.

Überforderter Staat

Nach dem Einsatz sind drei der Entführer tot. Soraya (Echtname: Souhaila Andrawes) überlebt schwer verletzt, wird später zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Passagiere bleiben nahezu unversehrt. Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird am 19. Oktober tot im Kofferraum eines Audis im elsässischen Mülhausen aufgefunden.

Birgitt: Seit der Entführung kann ich zwar fliegen, aber nicht mehr U-Bahn fahren, in so einer Büchse, oder mit dem Rücken zur Tür sitzen. Die Entführer kamen ja von hinten. Die Politiker sagten uns unbürokratische Hilfe zu. Dann schickte uns das Versorgungsamt Fragebögen, in denen wir angeben sollten, warum wir uns am Tatort aufgehalten haben oder ob wir mit den Tätern verwandt sind. Der Staat, das wurde schnell klar, wusste mit uns Terroropfern nichts anzufangen. Ich wurde mit Stephan zu einem Psychiater bestellt. Der klopfte mir mit einem Hämmerchen ans Knie, und ich sollte auf einem Strich balancieren. Am Ende bescheinigte er mir eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 0,5 Prozent.

Stephan: Wir wurden auch zwei Wochen zur Kur ins Ostseebad Damp verschickt. Da erholten sich Kriegsversehrte und Contergan-Kinder. Wir sollten inhalieren und meditieren. Ein Witz. Man muss sich vorstellen: Wir haben fünf Tage gelitten für den Staat. Waren zum Abschuss freigegeben. Man hätte ja auch die Terroristen zum Flugzeug bringen und sie nach dem Austausch wieder einfangen oder erschießen können. Mein Großvater, der einen Kampfmittelräumdienst betrieb und es sich leisten konnte, hat aus Dank alle GSG-9-Leute nach Berlin eingeladen. Wir aber haben bis heute keinen Cent aus dem Opferentschädigungsgesetz erhalten. Ich finde, uns steht eine Rente zu.

Trotz alledem

Birgitt: Trotz allem sage ich: Der Staat hat richtig gehandelt, sich nicht erpressen zu lassen. An Bord habe ich das natürlich ganz anders gesehen.

In einem Zeitungsinterview sagte Kanzler Schmidt einmal, er würde wieder genauso handeln wie im "Deutschen Herbst" 1977. Hanns-Eberhard Schleyer, Sohn des ermordeten Arbeitgeberpräsidenten, hält dagegen: "Ich glaube, dass unser Staat nicht schwächer, sondern stärker geworden wäre, wenn er 1977 den Forderungen der Terroristen nachgegeben hätte." Und: "Der Staat, der das Leben von Bürgern in den Mittelpunkt seiner Entscheidungen stellt, das ist der Staat, der lebenswert ist."

Fahndungsvideo: Polizei sucht nach untergetauchten Ex-RAF-Terroristen
Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg